Zwischen Staub und Staunen: Der Mann auf der Postkarte

BRUCHSAL, 02. APRIL 2026 | Das Bruchsaler Kulturfenster öffnet sich erneut – diesmal mit einem Fund aus dem Stadtarchiv. Manchmal beginnt eine Entdeckung ganz unspektakulär. Ein Karton wird geöffnet, der Inhalt gesichtet, Blatt für Blatt durchgesehen. Und dann gibt es diese Momente, in denen man kurz innehält. Das aktuelle Kulturfenster zeigt einen solchen Moment. Stadtarchivarin Tamara Frey nimmt uns mit in ihre Arbeit – und in den Nachlass des Heimatforschers Ernst Deutsch.

 

Von Tamara Frey.

Der Heimatforscher Ernst Deutsch sammelte vieles. Und besonders Postkarten. Mehrere Hundert Stück umfasst sein Nachlass. Für mich als Stadtarchivarin, die ich die Bündel ordnen und archivisch verzeichnen durfte eine besondere Schatzkiste. Was würde ich alles entdecken?

Postkarten aus dem Italien der Jahrhundertwende waren dabei, aus Florenz, Pisa und aus Pompeji. Postkarten, die die Kaiserfamilie zeigen und Postkarten mit humoristischen Zeichnungen. Und dann noch solche mit den Fotos von Privatpersonen. Fotografen und Ateliers boten neben dem einfachen Fotoabzug auch den Druck auf Postkartenvorlagen an, die dann an auch entfernt lebende Verwandte portogünstig verschickt werden konnten.

Und aus diesem Bündel von 85 Postkarten blickt uns dieser Mann aus den Tiefen der Geschichte an. Nicht mehr ganz jung ist er und hat in seinem Leben wohl schon einige Holzscheite gesägt.

Leider wurde das Bild nie als Postkarte verschickt, die Rückseite ist unbeschriftet und so wissen wir sonst nichts über ihn, weder seinen Namen, noch seinen Wohnort oder seine Herkunft. Ein gelebtes Leben, einzig überliefert durch ein Bildnis aus längst vergangener Zeit.

Ihre
Tamara Frey
Städtisches Museum, Bruchsal

 

Liebe Leserinnen und Leser,

solche Entdeckungen sind kein Einzelfall. Im Stadtarchiv Bruchsal lagern zahlreiche Nachlässe, Sammlungen und Einzelstücke, die noch darauf warten, genauer betrachtet zu werden. Nicht immer lassen sich alle Fragen klären – aber oft entsteht aus einem kleinen Hinweis ein größeres Bild. Vielleicht erkennen Sie etwas, das anderen entgeht. Oder Sie stoßen selbst auf ein Stück Geschichte – in einer Schublade, auf dem Speicher, in alten Fotoalben. Das Kulturfenster lebt auch von solchen Hinweisen und Perspektiven.

Senden Sie ein erstes Foto Ihrer Fundsache formlos an: info@landfunker.de – Betreff: Kulturfenster. Wir leiten es weiter.

Mit dem „Bruchsaler Kulturfenster“ geben der Landfunker, das Stadtarchiv und das Städtische Museum regelmäßig Einblicke in Kunst, Geschichte und Alltagskultur. Alle 14 Tage öffnet sich ein neues Fenster – mal mit einem Objekt, mal mit einer Geschichte, mal mit einem Blick wie diesem: ruhig, rätselhaft, nah am Leben der Vergangenheit.

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