FORST, 25. AUGUST 2026 | Es begann im Sommer 2016 mit einer Gitarre, einigen geflüchteten Kindern und ihren Eltern und einer Idee: Musik sollte Menschen zusammenbringen. Niemand konnte damals ahnen, wohin diese ersten Töne führen würden. Zehn Jahre später ist aus dieser Initiative das Forum arabisch-deutscher Songs geworden – ein musikalisches Begegnungsprojekt, das weit über Forst hinaus Wirkung entfaltet hat. Zum zehnjährigen Bestehen erscheint am 28. August die Veröffentlichung „Klangbrücken“.
Klaus Heinrich, Musiker, Chorleiter und Musikpädagoge aus Forst, begann damals, gemeinsam mit geflüchteten Kindern und Eltern sowie deutschen Kindern und Musikern zu musizieren. Über mehrere Wochen wurde regelmäßig samstags geprobt. Bald entwickelte sich daraus eine besondere musikalische Zusammenarbeit. Der syrische Musiker und Oud-Spieler Alaa Kolaghasy brachte seine arabische musikalische Tradition ein. Gemeinsam mit Heinrich entstand eine Verbindung von arabischer und deutscher Musik, die für die weitere Arbeit des Forums prägend werden sollte.
Vom Probenraum auf die Bühne
Der erste große öffentliche Schritt folgte am 27. Oktober 2016. Im Hubertussaal des Jägerhauses Forst fand das erste Begegnungskonzert statt. Auf der Bühne standen die Schola sowie deutsche und syrische Musiker und Kinder. Der Eintritt war frei, der Saal voll. Für manche Beteiligten war es der erste öffentliche Auftritt in Deutschland. Andere kannten sich erst seit wenigen Monaten. Die besonderen Lebensbedingungen vieler Geflüchteter machten die Arbeit nicht immer einfach: Wohnorte wechselten, Menschen kamen hinzu oder mussten die Gruppe wieder verlassen. Musikalische Flexibilität und Improvisation halfen, das gemeinsame Projekt weiterzuführen.
Nach dem ersten Konzert folgten weitere Auftritte, unter anderem bei Weihnachtsveranstaltungen und beim Jubiläum des Flüchtlingscafés Café Paul in Bruchsal. Im Februar 2017 wurde das gemeinsam entwickelte Liedgut erstmals in einem Tonstudio aufgenommen. Im September folgte das zweite Begegnungskonzert „Nine Eleven“, das unter dem Gedanken des Friedens und des gelebten Miteinanders stand. Das Projekt wuchs und wurde zunehmend über Forst hinaus bekannt. Auftritte führten nach Bruchsal, Bretten, Östringen, Malsch und Karlsruhe.
Auszeichnung und bundesweite Aufmerksamkeit
Bereits 2017 erhielt das Forum den ersten Preis des Kreisintegrationspreises des Landkreises Karlsruhe. 2018 folgte die Nominierung für den Deutschen Engagementpreis sowie die Teilnahme an der bundesweiten Auftaktveranstaltung der Woche des bürgerschaftlichen Engagements in Berlin.
Besonders sichtbar wurde die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts 2019 in Karlsruhe. Am 15. März gestaltete das Forum die Eröffnung der 6. Karlsruher Wochen gegen Rassismus im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses mit zwei Musikbeiträgen. Am 31. März folgte die Beteiligung an der Abschlussveranstaltung, dem „Fest der Vielfalt“ im Tollhaus Karlsruhe.
Aus der Arbeit des Forums entstand zudem das weiterführende Projekt „Wir sind Friedensstifter“. Die Initiative kulturelle Integration bezeichnet das 2016 gegründete Forum als Ausgangspunkt dieses Projekts. Durch gemeinsames Singen und Musizieren von Geflüchteten und Einheimischen sei ein Raum entstanden, der gegenseitiges Kennenlernen und gemeinsames Handeln ermögliche. Als Initiatoren werden Klaus Heinrich, Ute Huber und Alaa Kolaghasy genannt. 2020 wurde das Projekt im Rahmen von „Demokratie leben!“ gefördert. Das geplante Friedenssingen musste wegen der Corona-Pandemie digital umgesetzt werden.
Musik verbindet Menschen
Die Geschichte des Forums fand auch über die Region hinaus Beachtung. Das SWR-Fernsehen berichtete über das Projekt. Besonders eindrucksvoll war die Geschichte von Sedra Allawi und Nelli Trinkl, die sich durch das gemeinsame Singen im Forum kennenlernten. Aus der musikalischen Begegnung entstand eine persönliche Freundschaft.
2021 nahm Deutschlandfunk Kultur das Forum in die Reihe „Chor der Woche“ auf. Am 5. Mai wurde der Beitrag von Nicolas Hansen unter dem Titel „Forum arabisch-deutscher Songs – Musik verbindet Menschen und Kulturen“ ausgestrahlt.
Auch musikalisch entwickelte sich das Projekt weiter. Die Erfahrungen aus den Begegnungen flossen in größere Produktionen ein. Ein Höhepunkt war „Tartufo“, eine musikalisch-theatralische Produktion, die gemeinsam mit dem Gospelchor Forst entwickelt und aufgeführt wurde. Aus dem ursprünglichen Begegnungskonzert war inzwischen ein gewachsenes musikalisches Netzwerk entstanden.
„Klangbrücken“ zum zehnjährigen Bestehen
Zum Jubiläum schließt sich nun ein Kreis. Am 28. August 2026 erscheint „Klangbrücken“ auf den gängigen Streamingplattformen. Die Veröffentlichung enthält die beiden Titel „Wie schön, dass wir zusammenfinden“ und „Helwa ya baladi“. Ausführende sind das Forum arabisch-deutscher Songs feat. Kinderchor Qassioun. Der Titel „Klangbrücken“ steht dabei für den Grundgedanken, der das Projekt seit 2016 begleitet: Musik kann Brücken zwischen Menschen, Kulturen, Sprachen und Generationen bauen.

Was mit einer Gitarre und einer offenen Idee in Forst begann, wurde im Landkreis Karlsruhe ausgezeichnet, für den Deutschen Engagementpreis nominiert, bei den Karlsruher Wochen gegen Rassismus sichtbar und von SWR sowie Deutschlandfunk Kultur aufgegriffen. Zehn Jahre später führt „Klangbrücken“ zurück zu den Anfängen: zu gemeinsamen Liedern, musikalischer Begegnung und der Erfahrung, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht nur miteinander ins Gespräch kommen, sondern gemeinsam etwas schaffen können.










