Werner Schnatterbecks Lebensweg hat viele Stationen. In seinem Buch „Getrost die Spatzen pfeifen lassen“ blickt der gebürtige Bruchsaler auf diese Jahre zurück und verbindet persönliche Erinnerungen mit Gedanken des Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl.
„Der Satz hat mich schon lange begleitet“, erzählt Schnatterbeck über den Titel.
Er stammt aus seiner Zeit in der Jugendarbeit und geht auf ein Zitat von Don Bosco zurück:
„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“ Für Schnatterbeck steckt darin bis heute eine wichtige Haltung: „Mit einer gewissen Demut, Fröhlichkeit und Lebensfreude nicht alles so ernst zu nehmen, wie es einem manchmal begegnet.“
Was gibt dem Leben Richtung?
Frankls Gedanken ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Dabei geht es nicht darum, seine wissenschaftliche Arbeit neu zu erklären, sondern um die Frage: Was hat seine Lehre mit Werner Schnatterbecks Leben gemacht?
Ein Beispiel dafür ist seine Großmutter Bertha. Sie führte ein Milchgeschäft, indem Schnatterbeck als Kind früh mithalf. Für ihn verbindet sich diese Erinnerung mit einem zentralen Gedanken Frankls: „Es geht nicht darum, was man vom Leben erwarten darf, sondern, was man dem Leben mit seiner Existenz schenken kann.“ Hilfe zu leisten und Verantwortung für andere zu übernehmen, sei eine wichtige Möglichkeit, dem eigenen Leben Sinn zu geben.
Persönlich, aber nicht nur ernst
Zunächst war Verleger Thomas Lindemann etwas skeptisch, als er hörte, wie viele Themen Schnatterbeck in einem Buch verbinden wollte. Doch nachdem er sah, „wie er seinen eigenen Lebensweg, seine Berufung und seine persönlichen Erinnerungen mit Frankl und Sport“ verknüpfte, war er überzeugt. Im Mittelpunkt stehe dabei die Suche nach dem eigenen „Warum“ – also nicht nur die Frage nach dem Sinn des Lebens, sondern danach, „wie man selbst dem Leben Sinn verpassen“ kann. Dazu komme Schnatterbecks feine Ironie: „Der Band ist nicht komplett ernst, er ist auch mal süffisant und es ist ein lustiges Auge drauf.“
Neben Schule, Bildung und Frankl geht es auch um Politik. Schnatterbeck kam mit 25 Jahren in den Gemeinderat und blickt inzwischen auf 50 Jahre Erfahrung zurück. Gerade die kommunalpolitische Arbeit schätzte er dabei auch wegen der Unabhängigkeit, die sie ihm ermöglichte. Mit der möglichen Bundestagskandidatur änderte sich diese Perspektive. „Plötzlich habe ich gespürt, dass ich von der Unabhängigkeit in eine Abhängigkeit übergegangen bin.“ Er fragte sich deshalb, ob er seine Freiheit und seine Lebensgestaltung für diese Aufgabe eintauschen wolle. Seine Antwort war letztlich nein. Er zog die Notbremse und entschied sich für die Pädagogik. „Ich war nicht aus dem richtigen Holz geschnitzt“, sagt er rückblickend.
„Getrost die Spatzen pfeifen lassen“ ist damit keine klassische Autobiografie. Schnatterbeck verbindet seine Erinnerungen mit Fragen zu Bildung, Kommunikation, Politik und persönlicher Haltung. Manche Passagen sind ernst und nachdenklich, andere selbstironisch und mit einem Augenzwinkern erzählt. Für Schnatterbeck gilt: „Es können Menschen aus ganz unterschiedlichen Ausgangspunkten das Buch lesen und etwas für sich entdecken.“















