BRUCHSAL, 31. Juli 2026 | Rollatoren parkten neben der Tür, der Fahrstuhl war gut beschäftigt, und ein großer Ventilator kämpfte tapfer gegen 30 Grad. Viel mehr konnte man dem Sommer an diesem Abend nicht entgegensetzen. Doch wer den Wiederaufbau einer zerstörten Stadt erlebt hat, lässt sich von ein paar Treppen und sommerlicher Hitze eben nicht aufhalten. Diese Generation ist offenbar aus besonderem Holz geschnitzt.
Der heißeste Tag der vergangenen Wochen hätte ein guter Grund sein können, zu Hause zu bleiben. Für rund 50 Alt-Bruchsalerinnen und Alt-Bruchsaler war er das Gegenteil. Sie kamen zum Erzählcafé des Städtischen Museums Bruchsal und KraichgauTV – und machten aus historischen Bildern lebendige Geschichten.
Schon vor dem historischen Ratssaal wurde mehr erzählt als geschwiegen. Hier ein freudiges „Ach, dich gibt’s ja auch noch!“, dort eine herzliche Begrüßung, dazwischen neugierige Blicke auf alte Bekannte. Eigentlich hatte der Nachmittag längst begonnen, bevor Bürgermeister Andreas Glaser die Gäste offiziell willkommen hieß.
Auch Regina Bender vom Städtischen Museum Bruchsal machte schnell klar, dass an diesem Nachmittag jeder erzählen durfte. Die historischen Bilder auf der großen Leinwand sollten Erinnerungen wecken – und genau das taten sie. Es dauerte keine fünf Minuten, da meldeten sich die ersten Stimmen.
Erinnerungen funktionieren nicht nach Drehbuch
Kaum war ein Foto zu sehen, gingen die Finger hoch. „Nee, des war doch…“ – „Moment, so war’s net…“ Einer wusste es noch ganz genau, der Nächste war sich ebenso sicher, dass es anders gewesen sei. Und meistens stellte sich heraus: Beide hatten irgendwie recht. Erinnerungen sind eben keine Festplatten. Gerade das machte den Nachmittag so spannend.
Mit dem Mikrofon standen manche auf Kriegsfuß. Mal war es zu weit weg, mal zeigte es Richtung Decke. Geschenkt. Wichtiger war ohnehin, was erzählt wurde. Und das war eine ganze Menge. Immer wieder fielen bekannte Bruchsaler Familiennamen, die sofort neue Geschichten hervorriefen.
Zu den Gästen gehörte auch Reinhold „Little“ Klein, der über seinen Vater, den Kunstmaler Willi Klein, berichtete. Dabei kam auch eine Geschichte ans Licht, die niemand kannte: Die stimmungsvollen Ansichten vom Café Baumann, vom Thing mit seinem Springbrunnen und anderen Motiven der 1950er Jahre entstanden damals im Auftrag der Stadt. Für den Künstler bedeutete das bezahlte Arbeit, für Bruchsal eine bis heute einzigartige Dokumentation des Wiederaufbaus.
Überhaupt war der Wiederaufbau immer wieder Thema. Wer zuhörte, merkte schnell: Da saßen Menschen, die den Schutt nicht nur auf alten Fotos gesehen hatten. Sie hatten ihn selbst weggeräumt, Häuser entstehen sehen und erlebt, wie aus einer zerstörten Stadt Schritt für Schritt wieder Bruchsal wurde. Darauf war man durchaus ein bisschen stolz – und das durfte man an diesem Nachmittag auch hören.
Nach gut einer Stunde war der offizielle Teil vorbei. Für einige Gäste allerdings noch lange nicht der Abend. Ulrich Konrad bat die Unentwegten noch vor die Kamera von KraichgauTV. Dort erzählten unter anderem Reinhold „Little“ Klein, Eduard Isenmann und Regina Bender weitere Geschichten. Ein ausführlicher Beitrag mit vielen Erinnerungen der Teilnehmer ist bereits in Vorbereitung.










vielleicht können Sie mich informieren ?
schade, ich wäre gerne dabei gewesen, der Termin hat nicht gepasst.
Gibt es eine Wiederholung ?
Hallo Gerhard,
das Erzählcafe wird es in einer anderen Form geben. Nach der Sommerpause zieht das Erzählcafé zu KraichgauTV ins gemütliche Stadtstudio um.
Gesucht werden Ur-Bruchsalerinnen und Ur-Bruchsaler, die alte Fotos aus Schubladen oder Familienalben mitbringen und die Geschichten dahinter erzählen möchten. Denn was heute noch in den Köpfen steckt, soll auch morgen nicht verloren gehen.
Wer mitmachen möchte, schreibt an medien@egghead.de oder meldet sich über die Kontaktseite von KraichgauTV.