BRUCHSAL, 31. JULI 2026 | Die Straßen rund um den Bruchsaler Bahnhof sind seit Freitagmittag wieder für den Autoverkehr geöffnet. Der zweite Bauabschnitt wurde damit innerhalb des zuletzt angekündigten Zeitrahmens abgeschlossen, wie die Stadt Bruchsal mitteilte.
Ein bisschen Stolz durfte da schon mitschwingen: Oliver Krempel, Leiter des Fachbereichs Bauen und Liegenschaften der Stadt Bruchsal, gab am Freitag über die sozialen Netzwerke bekannt, dass der zweite Bauabschnitt beendet sei. Die Straßen vor dem Bahnhof seien wieder frei. Nach Monaten zwischen Bauzäunen, Umleitungsschildern und wandernden Fahrspuren ist das durchaus eine Nachricht, die man als Autofahrer kurz auf sich wirken lassen muss.
Um 13 Uhr wurden die Sperrungen aufgehoben. Also haben wir uns ins Auto gesetzt und sind die neue Strecke einmal abgefahren. Rein journalistisch natürlich – und keineswegs nur aus Freude darüber, endlich wieder legal kreuz und quer vor dem Bahnhof abbiegen zu dürfen.
Wir drehen eine erste Runde auf der neuen Bruchsaler Bahnhofs-Bobbahn
Der Verkehr fließt bei unserer ersten Fahrt erstaunlich ruhig. Die neue Ampelanlage schaltet freundlich auf Grün, die Fahrbahn liegt frisch und dunkel in der Sommersonne und hat bereits eine Temperatur erreicht, bei der man den Asphalt lieber nicht zu Fuß testen möchte.
Links und rechts begleiten zahlreiche Baken die Fahrt. Sie stehen so ordentlich und eng an der Strecke, dass für einen Moment echtes Bobbahngefühl aufkommt. Es fehlen eigentlich nur noch eine Startfreigabe, eine Zeitmessung und jemand, der im Ziel die Ideallinie bewertet.
Doch die Strecke funktioniert. Autofahrer können wieder durch die Prinz-Wilhelm-Straße fahren, in die Hildastraße und die Amalienstraße abbiegen, das Saalbachcenter ansteuern und den Bereich entlang des Bahnhofsplatzes nutzen. Fahren, halten, abbiegen.
Neu geordnet wurden insbesondere die Abbiegespuren am Verkehrsknoten vor dem Bahnhof. Sie werden nun getrennt geführt. Eine neue Lichtsignalanlage regelt sämtliche Verkehrsbeziehungen im Kreuzungsbereich. Nach Angaben der Stadt Bruchsal soll der Knoten dadurch leistungsfähiger werden und der Verkehr besser abfließen.
Baustart Ende Januar – Fertigstellung noch im angekündigten Zeitfenster. Bravo!
Begonnen hatte diese Bauphase am 27. Januar 2026. Damals wurde der Bereich zwischen der neuen Saalbachbrücke und der Amalienstraße gesperrt, um unter anderem Fernwärmeleitungen zu verlegen. Betroffen waren auch die Viktoriastraße und die Hildastraße. Für Autos und Fahrräder entstand vorübergehend eine provisorische Fahrspur über den alten Busbahnhof und den Bahnhofsvorplatz.
Ursprünglich hatte die Stadt das Ende dieser Bauphase für Juli 2026 angekündigt. Nach den großen Asphaltarbeiten Anfang Juli wurde der Zeitplan auf Ende Juli beziehungsweise Anfang August konkretisiert. Mit der Freigabe am 31. Juli liegt die Straßenbaumaßnahme damit im angekündigten Zeitraum – sogar noch knapp auf der Juli-Seite des Kalenders. Die Baustelle ist also nicht nur fertig geworden, sondern auch fristgerecht, soweit es den nun freigegebenen Straßenabschnitt betrifft.
Ganz abgeschlossen ist die Neuordnung des Bahnhofareals damit allerdings noch nicht. Nun folgt die weitere Umgestaltung des eigentlichen Bahnhofsvorplatzes. Dieser Bereich soll nach Angaben der Stadt bis Ende 2026 fertiggestellt werden.
Freie Fahrt für Autos – Orientierungslauf für Fahrräder
Auch der bislang fehlende Abschnitt des Radnetzes vor dem Bahnhof soll mit der Maßnahme geschlossen worden sein. Auf dem Papier ist das ein wichtiger Teil des Gesamtprojekts: Die innerörtliche Radachse zwischen dem Saalbachcenter und der Bahnhofstraße soll durchgängig werden. Das gesamte Bahnhofsareal ist als moderner Umsteigepunkt für Bus, Bahn, Auto, Fahrrad und Fußverkehr geplant.
Bei unserer ersten Runde wirkt die Wegeführung für Radfahrer allerdings noch nicht an jeder Stelle so selbsterklärend wie die Fahrbahn für Autos. Zwischen Markierungen, Ampeln, Baustellenelementen und neuen Verkehrsbeziehungen braucht es offenbar noch etwas Übung – oder einen ausgeprägten Orientierungssinn.
Aber das wird bestimmt noch. Schließlich ist Bruchsal gerade erst dabei, den Verkehrsknoten neu kennenzulernen. Autofahrer haben dabei aktuell einen kleinen Vorsprung: Sie dürfen bereits wieder fahren, halten und abbiegen, während Radfahrer mancherorts noch genauer hinschauen müssen, wohin die Reise geht.
Die Viktoriastraße bleibt derweil noch ein eigenes Kapitel. Im Bereich der angrenzenden Viktoria-Anlage sind weitere Veränderungen vorgesehen. Dort sollen unter anderem zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten und gebündelte Mobilitätsangebote entstehen. Die Planungen für das Bahnhofsumfeld sehen zudem neue Radboxen, Carsharing-Fahrzeuge und Mietfahrräder vor.
Für heute bleibt vor allem die Erkenntnis: Vor dem Bruchsaler Bahnhof rollt der Verkehr wieder. Die Ampeln leuchten, die Straßen glänzen, die Baken weisen den Weg – und wer die Kurven sauber nimmt, erreicht sogar ohne Umleitung das Saalbachcenter.
Klasse, Stadt Bruchsal. Die Autofahrer dürfen wieder fahren. Jetzt muss nur noch jeder herausfinden, wie genau.








