Biergartenregion Bruchsal | Die BNN haben ihre Leserinnen und Leser nach dem schönsten Biergarten gefragt. Mehr als 400 Menschen stimmten im Finale ab, die Odenwaldhütte gewann mit 14,6 Prozent. Das ist schön. Interessant wird es erst, wenn aus dem Blick in den BNN-Leserspiegel eine Erkenntnis über die ganze Region werden soll.

Die „Odenwaldhütte hat den beliebtesten Biergarten“! Steht jetzt mal so da – ziemlich faktisch. Nun ist ein Sommerloch-Artikel kein journalistischer Straftatbestand. Im Gegenteil. Eine Tageszeitung darf unterhalten. Das beste Eis, das schönste Freibad, der gemütlichste Biergarten, die schönste Schultüte. So viel Boulevard darf sein, und wenn dabei noch zehn Gastronomen Aufmerksamkeit bekommen, hat zunächst niemand verloren. Zudem beschäftigt die Frage nach dem oder der Schönsten im ganzen Land die Menschheit schon länger. Während bei Schneewittchen der ehrgeizigen Königin noch ein Spiegel reichte, ging die BNN-Autorin methodisch einen anderen Weg: mehr als 100 Rückmeldungen in der Vorrunde, zehn Finalisten und mehr als 400 Teilnehmer im Finale.
Das Ergebnis: Die Odenwaldhütte gewinnt mit 14,6 Prozent. Herzlichen Glückwunsch. Abstimmung gewonnen, Krönchen auf, Bier eingeschenkt. Daran gibt es nichts zu mäkeln. Nur der Artikel der BNN macht daraus eine echte Karriere. Denn was wissen wir über die mehr als 400 Menschen, die abgestimmt haben? Erfreulich wenig. Alter? Unbekannt. Wohnort? Unbekannt. Kannten die alle zehn Finalisten? Unbekannt. Haben die zur Wahl stehenden Wirte besonders geschickt ihre Stammbesucher zur Wahl motiviert? Unbekannt. Vielleicht waren es hier die Kastanien, dort das Schnitzel, woanders der Spielplatz oder die Aussicht. Oder schlicht die Tatsache, dass der eigene Lieblingsbiergarten eben der eigene Lieblingsbiergarten ist.
Leserwahlen können herrlich unterhaltsam sein.
Man muss vor dem Klick schließlich weder einen Biergartenführerschein machen noch zehn Vergleichsbesuche mit standardisiertem Bewertungsbogen nachweisen. Nur sollte die Biergarten-Autorin aus einer Biergartenmücke keinen Elefanten machen. Reizvoll war auch die Verwandlung der Fragestellung. Gesucht wurde zunächst der „schönste“ Biergarten, präsentiert wird am Ende der „beliebteste“. Das ist praktisch, denn damit erspart sich die Autorin die lästige Frage, was eigentlich bewertet wurde. Schönheit? Essen? Service? Preise? Atmosphäre? Kinderfreundlichkeit? Aussicht? Alles irgendwie – man erfährt es als Leser/Leserin nicht.
Auch die Siegerzahl ist einen zweiten Blick wert: 14,6 Prozent. Zehn Biergärten standen letztlich zur Wahl und wurden von 400 Stimmen bewertet. Würde man 400 Stimmen vollkommen zufällig unter ihnen verteilen, bekäme keineswegs jeder exakt zehn Prozent. Auch der Zufall produziert einen Sieger – und der läge typischerweise bereits irgendwo im Bereich von zwölf bis dreizehn Prozent. Bei 1000 Wählern übrigens bei 11,6 und bei 100 Wählern schon bei 15,6 % im statistischen Durchschnitt. Vor diesem Hintergrund wirken 14,6 Prozent schon etwas weniger majestätisch. Die Nächstplatzierten hatten übrigens 12,9 und 12,4%. Der Sieger Odenwaldhütte hat die Abstimmung gewonnen, daran gibt es nichts zu rütteln. Aber zwischen einem typischen Zufallssieger und dem tatsächlichen Ergebnis liegen eben nicht 4,6 Prozentpunkte, sondern eher zwei. Mathematik kann ziemlich humorlos sein.
Aus gut 400 Klicks wird eben noch kein demoskopisches „Spieglein, Spieglein“ für eine ganze Region.
Also: „Odenwaldhütte hat den beliebtesten Biergarten“. Das zeigt, wie vorsichtig man einen knappen Spitzenwert bei zehn Auswahlmöglichkeiten interpretieren sollte, besonders dann, wenn eine Schlagzeile gerade dabei ist, den schönsten/beliebtesten Biergarten der Region zu krönen. Nun weisen die BNN durchaus darauf hin, dass ihre Leserinnen und Leser gewählt haben. Niemand versteckt die Herkunft des Ergebnisses. Umso erstaunlicher ist, warum die Autorin ihm anschließend sprachliche Highheels anzieht. „Die Odenwaldhütte ist der Favorit der BNN-Leserwahl“ wäre völlig korrekt gewesen. „Odenwaldhütte hat den beliebtesten Biergarten“ klingt dagegen, als sei die Sache nun amtlich, notariell beglaubigt und könne allenfalls noch vom Internationalen Biergartengerichtshof angefochten werden. Vielleicht ist die Odenwaldhütte tatsächlich der beliebteste Biergarten zwischen Bruchsal und Bretten. Gut möglich. Vielleicht würde dieser bei einer repräsentativen Befragung sogar haushoch gewinnen. Wir wissen es nur nicht.
Was wir wissen: Die Odenwaldhütte gewann die Leserwahl der BNN. Das ist doch eigentlich eine schöne Nachricht. Ganz ohne Zauberspiegel. Prost!
Kommentar: Walter Besenfelder – Dieser Text wurde nicht von einer KI erstellt










