BRUCHSAL, 19. AUGUST 2026 | Fotos bilden Tatsachen ab – oder? In der Geschichtswissenschaft ist es schon lange Usus, dass auch auf Fotos Quellenkritik angewendet wird. Ist das Foto eventuell gestellt? Wurde es zu Propagandazwecken genutzt? Wer Fotos zu welchem Zweck aufgenommen und veröffentlicht hat, spielt bei der Bewertung des Inhaltes und des Wahrheitsgehalts durchaus eine Rolle. Heute, im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) trifft das Gebot vom kritischen Blick umso mehr zu.
Von Dr. Tamara Frey, Stadtarchiv, Bruchsal
Wann wird ein technischer Eingriff zur Verfälschung?
Komplett von der KI erzeugte Fotos sind eine Sache, doch wann ist ein technischer Eingriff in ein existierendes Foto bereits Verfälschung? Ist es bereits die Nachcoloration von schwarz-weiß-Fotos? Woher weiß die KI, welche Farben sie einsetzen soll? Sie vergleicht mit ähnlichen, verfügbaren Bildern und zeichnet dabei auch gerne mal markante Gesichtszüge weicher. Aber was, wenn die Lieblingskleiderfarbe der so nach-colorierten Person doch eine ganz andere war als die auf Referenzbildern?
Aber wir wollen nicht einfach auf die modernen Zeiten schimpfen: KI-Bilder können interessante Geschichten erzählen und die Fantasie anregen – solange man im Hinterkopf behält, dass sie nicht authentisch sind und die Erzeuger den KI-Einsatz korrekt ausweisen.
Fotomanipulation lange vor dem Computer
Doch nicht erst seit dem Computer wurde experimentiert, schon im 19. Jahrhundert probierten die Menschen aus, was mit dem neuen Medium der Fotografie alles möglich war. In spiritualistischen Kreisen war die Auren-Fotografie oder Aufnahmen mutmaßlicher Geistererscheinungen Mode (Coloration und Belichtungsspielereien machten’ s möglich). Auch Stadtarchiv und Städtisches Museum haben Beispiele früher Fotomanipulationen.
Im letzten „Geschichtsfenster“ stellte Regina Bender vom Städtischen Museum eine sogenannte „Mosaikfotografie“ vor (Die erstaunliche Geschichte eines Bruchsaler Soldatenbildes). Große Vereine oder Regimenter wollten alle ihre Mitglieder auf einem Foto vereint sehen, um den kollektiven Männerbundgeist darzustellen.
Ein Mann begegnet sich selbst
Und dann ist da noch dieser Mann, bei dem auch ich mehrmals hinschauen musste: Er steht im Garten an einem Busch und schaut intensiv auf den Mann neben ihm, der offen in die Kamera blickt. Doch beim zweiten Hinsehen scheinen sich die Männer doch recht ähnlich zu sehen und außer dem fehlenden Jackett auch die gleiche Kleidung zu tragen. Zwillinge? Oder gar dieselbe Person, die sich durch geschickte Nutzung der damaligen Fototechnik im Bild klonte? Letzteres scheint am Wahrscheinlichsten. Sogenannte Trickfotografie war um 1900 weit verbreitet. Fachzeitschriften für Fotografen gaben dazu detaillierte Anleitungen. Durch spezielle Plattenhalter und Linsenabdeckungen wurde erst ein Teil des Negativs belichtet und in einem weiteren Schritt ein anderer, Bruchlinien konnten danach geschickt kaschiert werden.
Trotz – Gedankenstrichen – dieser Text wurde ohne Hilfe von KI geschrieben!
Unsere Rubrik wurde neu benannt und heißt jetzt „Bruchsaler Geschichtsfenster“. Mit diesem Format geben der Landfunker, das Stadtarchiv und das Städtische Museum regelmäßig Einblicke in Kunst, Geschichte und Alltagskultur. Alle 14 Tage mittwochs öffnet sich ein neues Fenster – mal mit einem Objekt, mal mit einer Geschichte, mal mit einem Blick wie diesem: Auf eine liebenswerte, längst vergessene kleine Stadtgeschichte.













Ich verfolge die Serie und habe auch schon rückwärts alle Artikel gelesen. Danke für diese Einbilcke. Könntet ihr mehr über die jüngere Geschichte Bruchsals bringen? Die Bilder über das Nachkriegsbruchsal haben Erinnerungen geweckt, es war schön.