RAINwurf 06 | Bruchsal braucht den Hauptbahnhof

Archivbeitrag | Der Gast-Kommentar beim Landfunker. Von Rainer Kaufmann.

Dass das Bruchsaler Stadtmarketing erheblichen Nachholbedarf hat, bis es in der örtlichen und außer-örtlichen Öffentlichkeit richtig wahrgenommen wird, hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung unter anderem die „Selbst-Evaluierung“ der in diesem Bereich Beschäftigten deutlich gemacht.

Evaluierungen werden normalerweise von externen Experten vorgenommen und nicht von den zu Evaluierenden selbst

Jedenfalls hat die mediale Berichterstattung nur marginal Notiz von dem genommen, was dem Gemeinderat vorgetragen wurde, darunter auch ein städtischer Imagefilm, den offensichtlich noch kaum jemand aus der Stadtgesellschaft wirklich gesehen hat. Wobei anzumerken wäre, dass Evaluierungen normalerweise von externen Experten vorgenommen werden und nicht von den zu Evaluierenden selbst. Dazu gehört auch, dass bei Evaluierungen und entsprechenden Neu-Ausrichtungen eine gewisse Budget-Planung und -Kontrolle vorgenommen wird.

Worum geht es hier?
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Selbst-Evaluierung

Die Zahl aller städtischen Marketing- und PR-Stellen von heute

Beides offensichtlich Fehlanzeige. Aber das kann ja bei den anstehenden Haushaltsberatungen nachgeholt werden auch unter dem Stichwort: Stellenplan. Denn es lohnte sich durchaus, die Zahl aller städtischen Marketing- und PR-Stellen von heute mit der vor 10 bis 15 Jahren etwa zu vergleichen, vor allem auch unter den Aspekten Kosten und Effektivität.

Ein Hauptbahnhof für Bruchsal

Jetzt aber erst einmal genug der Kritik, aufmunternde Worte sind angesagt. Und sie kamen von der Oberbürgermeisterin persönlich, allerdings nicht so sehr in der Gemeinderatssitzung. Ihre Vision von der künftigen Außendarstellung der Stadt hat sie in einem Halbzeit-Amtszeit-Pressegespräch verdeutlicht mit der Ansage, der Bruchsaler Bahnhof hätte es angesichts seiner Verkehrs-zentralen Bedeutung verdient, zum „Hauptbahnhof“ hochgestuft zu werden. Ein Anliegen, dem sich die Deutsche Bahn kaum verschließen wird, schenkt ihr doch die Stadt Bruchsal gerade einen eigenen Stadtteil, die „Bahnstadt“.

Das noble 13 Millionen-Geschenk

Darüber hinaus hat die Stadt ihre Gleisquerungs-Vorstellungen nicht nur jahrelang an- und durchgedacht, sondern jahrelang tatsächlich auch umgesetzt, wenigstens auf der einen Seite des Areals, und dies für stolze 13 Millionen Euro, an denen sich die Bahn nicht einmal beteiligen musste. Für dieses noble Geschenk Bruchsals hätte eigentlich der Verkehrsminister persönlich zur Quer-Öffnung erscheinen können. Da diese einzigartige Querung allerdings nur unterirdisch ist und daher vom vorbeirauschenden Bahn-Reisenden kaum wahrnehmbar, sollte die Bahn eigentlich die Großzügigkeit besitzen und dem Bruchsaler Bahnhof unverzüglich das Prädikat „Haupt“ verleihen, was auch ihrer Bahnstadt zugute käme: Haupt-Bahnstadt oder Bahn-Hauptstadt, egal.

Chancengleichheit für die Nebenbahnhöfe

Natürlich müssen dafür die „Neben“-Bahnhöfe in Untergrombach, Heidelsheim und Helmsheim – in ihren derzeitigen Dimensionen offensichtlich nicht viel mehr als bessere Haltestellen – durch den Bau von jeweils zwei weiteren Bahngleisen zu richtigen Personen-Bahnhöfen aufgewertet werden, wenn die Stadt den üblichen Vorgaben der Bundesbahn für einen „Hauptbahnhof“ gerecht werden will. Und um Chancengleichheit unter den Stadtteilen herzustellen, bekommen Obergrombach und Büchenau selbstredend wenigstens jeweils eine Bahn-taugliche Haltestelle, die Gleise kann man ja in ein paar Jahrzehnten nach-verlegen. So lange dauert das ja wohl mit der Genehmigung.

Sturmfeste, bunte Sonnenschirme

Damit dieses Vorhaben auch gelingen kann, käme dann wieder das Stadt-Marketing ins Spiel: Denn um den Bruchsaler Bahnhof als Hauptbahnhof auch wirklich erkennbar zu machen, bedarf es einiger kosmetischer Anstrengungen, sprich besonderer Marketing-Aktivitäten. Deshalb werden auf allen Bahnsteigen bunte Sonnenschirme aufgehängt und so festgezurrt, dass weder Wind noch Sturm noch durchrauschende Fernzüge (die soll es bei dieser Klasse von Hauptbahnhof auch noch geben) die Schirme und ihr südländisches Flair zerstören können. Außerdem werden genügend Liegestühle für Passagiere bereit gestellt, auf denen sie die Verspätungen ihrer Anschlusszüge hinreichend und vor allem erholsam „aus-chillen“ können. Und für ganz besondere Langzeit-Wartende bietet dann halbstündlich in der Stadtbahn von und nach Weingarten eine von dort stammende Eisdiele ein leckeres Lutscheis direkt am Waggonfenster. Mit dieser „Gelateria“ südlich von Bruchsal hat man ja im Sommer bereits beste Marktplatz-Erfahrung sammeln können.

Das gute, alte Cafe Birk

Eine Anmerkung zum Schluss: In einem Presse-Artikel haben die Profis vom Bruchsaler Stadtmarketing das frühere Cafe Birk neuerdings in der „unteren“ Kaiserstraße verortet. Wie wär`s mit einer speziellen Stadtführung?

Rainer Kaufmann

 

Vorheriger Gastkommentar:

RAINwurf 05 | „Was muss alles noch passieren, bis Ihr es kapiert?“

 

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