WILLI-Story | Das Weingartener Moor – ein verborgenes Naturjuwel

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 Hier herrscht eine andere Atmosphäre als in einem gewöhnlichen Wald. Der schmale Bohlensteg führt vorbei an dunklen Wasserflächen, abgestorbenen Baumstämmen und dichtem Schilf. Es quakt, raschelt und tropft – und gleichzeitig wirkt das Gebiet überraschend ruhig. Nur wenige Minuten von Bruchsal entfernt liegt hier eines der letzten großen Niedermoorgebiete der Region. Gemeinsam mit Försterin Elena Motschilnig waren wir im Weingartener Moor unterwegs.

Aus WILLI 06/26 Haus & Garten

Seit 2023 betreut Elena das Revier in Weingarten und führt regelmäßig Besuchergruppen durch das geschützte Gebiet. Dass ihr die Naturvermittlung am Herzen liegt, merkt man schnell. Immer wieder bleibt sie stehen, zeigt auf Pflanzen, erklärt Zusammenhänge oder erzählt kleine Details über Tiere und Landschaft.

„Das Moor ist etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Viele Menschen wissen gar nicht, was wir hier direkt vor der Haustür haben.“

Das Moor lebt und kämpft

Tatsächlich zählt das Weingartener Moor zu den bedeutendsten Feuchtgebieten der Region. Das rund 256 Hektar große Gebiet steht bereits seit 1940 unter Naturschutz und ist zusätzlich als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet europaweit geschützt. Charakteristisch sind die offenen Wasserflächen, die Erlenbruchwälder und die außergewöhnliche Artenvielfalt.

Försterin Elena Motschilnig

Besonders wichtig sei dabei das Wasser, erklärt Elena Motschilnig während des Rundgangs. Beim Weingartener Moor handelt es sich um ein sogenanntes Niedermoor. Über Jahrhunderte lagerten sich abgestorbene Pflanzenreste unter dauerhaft nassen Bedingungen ab und bildeten Torf. Genau dieser Torf macht Moore heute so wertvoll für den Klimaschutz, denn er speichert große Mengen CO₂.

Doch genau darin liegt auch die Gefahr. „Wenn ein Moor austrocknet, beginnt sich der Torf zu zersetzen und das gespeicherte CO₂ wird wieder freigesetzt“, erklärt die Försterin. Vor allem trockene Sommer bereiten deshalb zunehmend Sorgen. 2018 sei der Moorsee zeitweise sogar komplett trocken gewesen.

Der heutige See entstand übrigens nicht natürlich, sondern durch historischen Torfabbau. Früher wurde der Torf gestochen und als Brennmaterial genutzt. Erst später entwickelte sich daraus die heutige Moorlandschaft. Auch der bekannte Bohlensteg hat eine lange Geschichte: Bereits in den 1970er-Jahren wurde er angelegt, damit Besucher das empfindliche Gebiet erleben können, ohne die Natur zu beschädigen.

Mitten im Bruchwalt erklärt Försterin Elena Motschilnig die Bedeutung des Moors für Klima und Artenvielfalt.

Während des Spaziergangs wird deutlich, wie eng hier alles miteinander verbunden ist. Umgestürzte und abgestorbene Bäume bleiben bewusst liegen. „Totholz ist enorm wichtig für das Ökosystem“, erklärt Elena. Käfer, Pilze, Spechte und viele andere Arten seien darauf angewiesen.

Auch Amphibien profitieren vom Moor. Weil in vielen Bereichen kaum Fische vorkommen, haben Kaulquappen und Frösche bessere Überlebenschancen als in anderen Gewässern. Zwischen den Wasserflächen und Schilfzonen entsteht so ein wertvoller Rückzugsraum für zahlreiche Tierarten.

Besonders faszinierend ist für die Försterin die Vielfalt auf kleinem Raum. „Man merkt hier sofort, dass das kein gewöhnlicher Wald ist“, sagt sie. Tatsächlich unterscheiden sich auch die Pflanzen deutlich von trockeneren Waldgebieten. Vor allem Schwarzerlen kommen mit den dauerhaft nassen Böden gut zurecht und prägen das Bild des Moors.

Naturparadies direkt vor der Haustür

Gleichzeitig zeigt sich hier auch, wie sehr sich die Arbeit von Försterinnen und Förstern verändert hat. Längst gehe es nicht mehr nur um Holz oder klassische Waldpflege. Naturschutz, Klimaanpassung und Umweltbildung spielten heute eine immer größere Rolle. „Wir denken hier oft in Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten“, erklärt Elena.

Trotz aller Herausforderungen wirkt das Weingartener Moor an diesem Tag lebendig und friedlich. Spaziergänger bleiben auf dem Steg stehen, lauschen den Geräuschen der Natur oder blicken über die dunklen Wasserflächen. Genau diese Ruhe mache das Gebiet für viele Menschen besonders.

Wer das Moor selbst entdecken möchte, kann das übrigens auch bei geführten Touren tun. Mehrmals im Jahr bietet die Gemeinde Weingarten kostenlose Führungen durch das Naturschutzgebiet an – eine Gelegenheit, die eigene Heimat einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen.

Aus RegioMagazin WILLI 06/2026   |   Text: Iris Weindel / Bilder: Philipp Dockendorf

 

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