Wie alles begann – Kleine Geschichte des Obergrombacher Burgfests

Obergrombach | Zum 45-jährigen Jubiläum des Obergrombacher Burgfests hat Ortschronist und Heimatforscher Klaus Kehrwecker seine Erinnerungen an die Anfänge des Festes aufgeschrieben. Als langjähriger Kenner der Ortsgeschichte und aktiver Begleiter des Vereinslebens hat er die Entwicklung des Burgfests von Beginn an miterlebt. Sein Beitrag versteht sich nicht als wissenschaftliche Chronik, sondern als persönlicher Zeitzeugenbericht – mit Erinnerungen, Anekdoten und Geschichten, die den Geist der Anfangsjahre lebendig werden lassen, jetzt, wo das nächste Burgfest wieder ansteht.

 

45 Jahre Obergrombacher Burgfest – wie alles begann

Von Klaus Kehrwecker

Jetzt, in der heissen Phase des Jahres werden jede Menge Feste gefeiert, drunter auch Straßenfeste. Besonders in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrtausends waren die Straßenfeste „in Mode“. Die meisten dieser Feste haben nicht überlebt – eine Ausnahme ist das Burgfest Obergrombach, das alle 2 Jahre Menschenmassen an den Oberlauf des „Grombach“ anlockt.

Eine Idee nimmt Gestalt an

Das 1. Burgfest wurde 1981 gefeiert. Unter Vorsitz des wohlversierten Peter Adam trafen sich Vertreter der Obergrombacher Vereine zu einer Vielzahl von Gesprächen, ehe das endgültige Konzept stand. Ein Dutzend der Obergrombacher Ortsvereine hatte ihre Mitwirkung zugesagt. Als Ausrichtungsgelände waren Burgstraße, Marktplatz bis hinein in das „Ofenloch“ vorgesehen – ganau der Bereich, der zusammen mit der Marienburgsruine und dem Schloß mit einer Stadtmauer umgeben war. Die Obergrombacher Ortsvereine hatten sich mit Vereinsmitgliedern, die im „Städt’l“ ansässig waren, abgesprochen, um deren Höfe, Scheunen und Keller zu nutzen.

Schon Monate vor dem Burgfest war allabendlich und an den Samstagen sowieso ein emsiges Treiben im „Städt’l“ bemerkbar. Die Burgfest-Vereine putzten das Gelände heraus und entsorgten dabei den Schmutz und die Überbleibsel von Jahrzehnten. Heraus kam ein Festgelände, bei dem auch die letzten Winkel liebevoll geschmückt waren.

Endlich war es dann soweit: an einem Samstagnachmittag im Juli 1981 sollte das 1. Burgfest um 16.00 Uhr eröffnet werden!

Kein Mensch hatte vorausahnen können, was sich in den kommenden Stunden in Obergrombach abspielen sollte. Kam überhaupt jemand zu dem Fest zu Füßen der alten Burg? Mancher hatte so seine Zweifel. So hatte der Cäcilienverein extra einige Mitglieder mit der Weisung eingeteilt, sich zu Gästen, die Cäcilienhof aufsuchen würden, zu setzen und zu bespaßen, damit sie nicht gleich wieder gehen würden.

Es kam aber anders, viel, viel anders

Um 18.00 Uhr meldete Obergrombach „Land unter“ auf dem Burgfestgelände. Hier drängten und schoben sich wahre Menschenmassen durch das „Städt“l“. Die Vereinsfouragisten, die für Nachschub an den Ständen sorgen sollten, kamen nicht mehr durch.

Die Polizei schätzte hinterher, daß 30.000 Menschen (plus X) an den 3 Burgfestagen den Weg nach Obergrombach gefunden hatten – und das bei einer Einwohnerzahl von 2.500! Das bedeutet pro Einwohner mehr als 10 Besucher!

Als der Verkehr verrückt spielte

Beim 2. Burgfest 1982 wurde es verkehrstechnisch total verrückt. In der Regel wird der Verkehr von der Autobahn zwischen Bruchsal und Karlsruhe-Durlach bei einer Verkehrsstörung auf die parallel verlaufende Bundesstraße zwischen Bruchsal und Durlach umgeleitet.

Samstagabends vermeldete der Verkehrsrundfunk die Umleitung der Verkehrsströme von der Bundesstraße auf die Autobahn(!). Auf der Straße zwischen Bruchsal un Weingarten ging n i c h t s mehr; alles drängte zum Obergrombacher Burgfest.

Nach den Analen des SWR war dieser Vorgang – dass der Verkehr von der Bundesstraße auf die Bundesautobahn umgeleitet wird – einzigartig. Diese Vorgänge riefen beim Burgfest 1984 die Verkehrsbehörden auf den Plan. Sie entwickelten teils abenteuerliche Konzepte. So war Obergrombach von Untergrombach aus nur einspurig zu erreichen; der Rückweg wäre Helmsheim-Heidelsheim–Bruchsal-Untergrombach gewesen. Ein Konzept, das von Anfang zum scheitern verurteilt war.

Als die „Russenmafia“ sich zu Wort meldete

Bei einem der Burgfeste Ende des vorigen Jahrhunderts wurde die „BurgfestARGE“ unter Vorsitz von Gerhard Essig mit der rauhen Wirklichkeit konfrontiert. Gerhard Essig erhielt einen Brief, in dem der Verfasser von BorgfestARGE den Betrag von 5.000 DM „Schutzgeld“; bei Nichtzahlung würde dafür gesorgt, daß es beim Burgfest zu gewaltsamen Szenen kommen würde. Gerhard Essig und die ARGE-Vertreter waren angesichts dieser Entwicklung vollkommen überrascht.

 

Eine Rücksprache mit der Polizei ergab, dass es Raum Heidelberg-Mannheim eine 20 – 50 köpfige Bande gibt, meist Jugendliche und Heranwachsende, die als mögliche Bedroher infrage kämen. Sie sollen schon mehrere Straßenfeste gesprengt haben.

Die weitere Rücksprache mit der Polzei brachte keine befriedigende Lösung. Wohl hatte die Polizei während der Dauer des Burgfestes im Rathaus ein Revier eingerichtet, aber die Polizei konnte ohne speziellen Anlass nichts unternehmen. Und dann standen 30 oder 40 Mann gegen 4 oder 6 Polizeibeamte. Da erwachten auf Obergrombacher Seite Trutz und Wut. Was fiel einer dahergelaufenen Bande von Gaunern ein, das Burgfest als Anschlagsort auszusuchen?

Vom Roten Kreuz und teilweise auch von der Stadt Bruchsal besorgte sich die ARGE etliche Funkgeräte. Die wurden alle auf den gleichen Kanal programmiert wurden. Dann wurden die Funkgeräte an Kassen der Vereine verteilt.

Bei der Kirchentreppe sollte die Geldübergabe stattfinden

Als der Gangboß mit einigen Paladinen auftauchte und Gerhard Essig ihm klarmachte, dass es keine Kohle geben würde, zückte der Bandenführer das Telefon und gab wuterfüllt einige Befehle. An einigen Stellen des Burgfestes kam es daraufhin zu kleinen Scharmützeln. Aber jetzt begannen die Gegenmaßnahmen der ARGE zu greifen. Per Funk wurden die Eingreiftrupps der ARGE in Kenntnis gesetzt, wo es gerade brannte.

Die Unruhetrupps, die zu dritt, zu viert im Burgfestgelände unterwegs waren, sahen sich plötzlich Männern mit grimmigen Gesichtern gegenüber, die in den Händen Dachlatten und Axtstiele hielten. Die Scharmützel waren rasch erledigt. Die Nachwuchs-Mobster gaben Fersengeld. Und die Obergrombacher konnten mit ihren Gästen ihr Burgfest ungestört weiterfeiern.

Klaus Kehrwecker

 

  1. Liebe/r Herr oder Frau K.,

    vielen Dank für Ihren sachlichen Kommentar und die ergänzenden Hinweise.

    Sie haben völlig Recht: Die Geschichte des Obergrombacher Burgfestes ist spannend genug und bietet viele Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden.

    Wir haben uns über den Beitrag von Klaus Kehrwecker gefreut, weil er als Zeitzeuge auf viele Jahrzehnte Burgfestgeschichte zurückblickt. Er war unter anderem Redakteur der BNN, wird auf der Internetseite des Heimatvereins Obergrombach mehrfach als ehemaliger Pressewart der Arbeitsgemeinschaft Burgfest sowie als Autor historischer Burg- und Bauernspiele gewürdigt und hat auf obergrombach.de zahlreiche Beiträge zur Ortsgeschichte veröffentlicht. Das macht ihn zu einem wichtigen Zeitzeugen – auch wenn einzelne Erinnerungen selbstverständlich hinterfragt und diskutiert werden dürfen.

    Gerade deshalb finden wir die entstandene Diskussion wertvoll und gut. Geschichte lebt davon, dass verschiedene Erinnerungen zusammengetragen, überprüft und miteinander abgeglichen werden.

    Liebe Obergrombacher, wenn Sie persönliche Erinnerungen, Fotos oder Anekdoten aus über 40 Jahren Burgfest haben oder belastbare Informationen – etwa zu Besucherzahlen oder anderen historischen Details –, freuen wir uns über Ihre Nachricht. Bitte mit Klarnamen, damit wir die Angaben nachvollziehen können.

    Wir wünschen dem Obergrombacher Burgfest 2026 wieder viele fröhliche Gäste, Harmonie und ein gelungenes Fest.

    Walter Besenfelder
    und die Landfunker-Redaktion

  2. Interessanten historischer Rückblick.

    Gerade deshalb wäre es schön, wenn die Fakten auch historisch korrekt wiedergegeben würden. 1981 gab es beispielsweise noch keinen SWR – dieser entstand erst 1998 durch die Fusion von SDR und SWF.

    Zudem sollte auch die Aussage zur Sperrung der B3 belegt werden, denn nach meinem Kenntnisstand war sie damals nicht gesperrt bzw. Verkehr auf die A5 umgeleitet werden. Ich persönlich bin an der B3 aufgewachsen. ‍♂️ Faktenbezogen wäre gewesen, zB dass Autos zwischen Unter- und Obergrombach geparkt hatten und es schwer war nach Obergrombach rein zu kommen. Auch haben damals Kinder, Parkplätze im Hof ihrer Eltern, vermietet um ihr Burgfestgeld aufzubessern.

    30.000+ Besucher…wer das Städl kennt, der weiß, was das bedeutet hätte. Selbst, wenn man das auf 3 Tage verteilt. Ob da die Zahl eine 0 zu viel hat oder verdoppelt wurde ist schwer zu sagen oder nachzuvollziehen.

    Des Weiteren ist auch unverständlich wie Hr. kek-Kehrwecker auf eine Russenmafia kommt. Damals hat eine kleine (10-15) Bande rechtsradikaler Jugendlicher die Strassenfeste, nicht nur das Burgfest, unsicher gemacht und Obergrombach hat sich mit einer Art Bürgerwehr dagegen gewehrt. Einzig die Funkgeräte-Anekdote entspricht da der Wahrheit.

    Wahrscheinlich sollte man diesen Artikel von kek als Comedy und reißerisch abtun, damit er seine Berechtigung hat.

    Die Geschichte des Burgfests ist spannend genug und braucht keine Ungenauigkeiten.

    Gerade bei solchen Beiträgen wär sorgfältig recherchierte Fakten vom Autor wichtig, damit die Geschichte authentisch erhalten bleibt.

    Gut finde ich, dass ihr als Landfunker hervortut, dass es NICHT euere Sicht der Dinge ist! Und wie die Sicht des Autors ist, ist ja sehr, sehr subjektiv. Danke!

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