Vom Weltatlas zur Zeitgeschichte: Eine besondere Rückkehr

Bruchsal, 04. Mai 2026 | Die Familien Sulzberger und Woll haben einen historischen Weltatlas als Symbol ihrer generationsübergreifenden Freundschaft an die Stadt Bruchsal übergeben.

Die Geschichte beginnt in den 1920er-Jahren in Bruchsal: Zwei Jungen, Otto Sulzberger und Franz Woll, sitzen gemeinsam über einem Weltatlas – ein stilles Zeugnis ihrer Freundschaft, die religiöse Unterschiede überwindet. Während einer Jude ist, gehört der andere dem christlichen Glauben an. Der Atlas wird zum Symbol ihrer Verbindung.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verändert sich ihr Leben grundlegend. 1936 flieht Otto Sulzberger in die USA – im Gepäck der Atlas. Trotz räumlicher Trennung bleibt die Verbindung bestehen. Jahrzehnte später, 1967, kehrt Sulzberger nach Bruchsal zurück. Die Freundschaft zu Franz Woll lebt wieder auf und wird auch zwischen den Familien weitergetragen.

Ein Atlas wird zum Symbol für Freundschaft, Erinnerung und Versöhnung.

Am 21. April 2026 schließt sich nun ein Kreis: Edward Sulzberger, Sohn von Otto, und Jürgen Woll, Sohn von Franz, besuchen gemeinsam mit ihren Familien die Stadt. Im Rathaus von Bruchsal übergeben sie den Atlas feierlich an die Öffentlichkeit. Die Widmung im Buch erinnert an die Lebenswege ihrer Väter und an ihre Fähigkeit, trotz historischer Brüche Versöhnung zu leben.

Begleitet wurde der Besuch von einem umfangreichen Programm: Thomas Adam und Regina Bender führten durch Schloss und Städtisches Museum, während Florian Jung von der Initiative Stolpersteinverlegung die Gäste zu den Gräbern der Familie Sulzberger auf dem jüdischen Friedhof begleitete. Auch die Peterskirche wurde besucht.

Im Rathaus empfing Oberbürgermeister Sven Weigt die Gäste. Neben zahlreichen Familienmitgliedern war auch Bernd Doll, ehemaliger Oberbürgermeister, anwesend. Als Zeichen der Wertschätzung erhielten die Familien Bildbände der Stadt. Tamara Frey vom Stadtarchiv stellte zudem historische Dokumente mit Bezug zu den Familien zur Verfügung.

Die Geschichte zweier Familien wird Teil der Stadtgeschichte.

Der übergebene Atlas wird künftig im Bestand des Städtischen Museums aufbewahrt. Damit bleibt er nicht nur ein Erinnerungsstück, sondern auch ein öffentlich zugängliches Zeugnis für Freundschaft, Menschlichkeit und die Bedeutung von Versöhnung über Generationen hinweg.

Kommentiere gern zu diesem Thema

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Oft geklickt

Landfunker 2.0 ist da

Sie haben es schon bemerkt? Landfunker 1.0 geht nach...

BRUCHSAL 1. MÄRZ 1945 | Als der 16-jährige Josef um sein Leben rannte …

Filmbericht | Am 1. März 1945 erlitt die Stadt...

Messungsarbeiten enden mit Krankenhausaufenthalt für drei Männer

Bruchsal, 10. Juni 2026 | Bei einem Arbeitsunfall auf...

Kommentiere gern zu diesem Thema

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

spot_img
spot_img
spot_img

Auch interessant

Es gibt noch mehr zu entdecken

spot_img