Politik trifft Wirtschaft: Vom Landtag als Praktikant auf die Baustelle

BRUCHSAL-HELMSHEIM, 28. JULI 2026 | Die Wolfgang und Gerhard Dickgießer GmbH scheint ein gutes Verhältnis zum Landtag von Baden-Württemberg zu haben. Zum zweiten Mal absolvierte ein Landtagsabgeordneter ein Tagespraktikum bei dem Helmsheimer Garten- und Landschaftsbaubetrieb.

 

Diesmal tauschte Pascal Haggenmüller von den Grünen den Schreibtisch gegen Arbeitshandschuhe. Im Rahmen der Aktion „Politik trifft Wirtschaft“ half er beim Abbau einer Holzterrasse, übernahm Erdarbeiten und sammelte unter Anleitung erste Erfahrungen am Bagger.

Ganz neu ist politischer Besuch in Arbeitskleidung für die Familie nicht. Schon der frühere Bruchsaler CDU-Landtagsabgeordnete Ulli Hockenberger hatte bei Dickgießer einen Tag lang mitgearbeitet. Der Betrieb kann damit inzwischen auf zwei parlamentarische Tagespraktikanten verweisen – aus unterschiedlichen politischen Lagern, aber mit ähnlichem Auftrag: zuhören, mitarbeiten und den Alltag eines Handwerksbetriebs nicht nur aus Besprechungen kennen.

Gerade im Garten- und Landschaftsbau zeige sich schnell, wie stark die Arbeit von äußeren Bedingungen abhängt, so Geschäftsführerin Carmen Dickgießer. Regen, Frost und aufgeweichte Böden gehören seit jeher zum Berufsalltag. Inzwischen kämen immer häufiger längere Hitzeperioden hinzu. Was für andere nach Sommerwetter klingt, bedeute auf Baustellen körperliche Arbeit bei hohen Temperaturen, zusätzliche Pausen, mehr Planung und nicht selten Verzögerungen.

Hinzu komme die Belastung über viele Berufsjahre. Wer täglich pflastert, schaufelt, trägt, Maschinen bedient und bei fast jeder Witterung im Freien arbeitet, spürt den Beruf körperlich. Beim Besuch wurde deshalb auch über die Frage gesprochen, wie Beschäftigte in besonders anstrengenden Berufen im Alter besser abgesichert werden könnten. Im Raum stand unter anderem ein abschlagsfreier Renteneintritt nach 45 Berufsjahren.

Neben den Arbeitsbedingungen ging es auch um Bürokratie und Aufträge. Betriebe müssen zusätzliche Nachweise, Erhebungen und Dokumentationen bewältigen, während gleichzeitig auf Baustellen Personal gebraucht wird. Gerade für mittelständische Unternehmen wird damit jede weitere Verwaltungsaufgabe zu einer Frage der Zeit und der verfügbaren Kräfte.

Weniger Aufträge aus Städten und Gemeinden

Auch die Rolle der Kommunen kam zur Sprache. Wenn Städte und Gemeinden weniger Leistungen ausschreiben, trifft das regionale Betriebe unmittelbar. Öffentliche Aufträge sorgen nicht nur für Auslastung, sondern beeinflussen auch, ob Unternehmen Personal halten, ausbilden und investieren können.

Begleitet wurde der Termin von Martin Joos, Vorstandsvorsitzender für Politik des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg. Mit dabei waren außerdem die Geschäftsführer Carmen Dickgießer und Martin Dickgießer.

Ob der Baustellenbesuch tatsächlich Spuren in der Landespolitik hinterlässt oder schon bald im politischen Alltag verblasst, bleibt die entscheidende Frage.

Auf dem Bild: Martin Dickgießer, Geschäftsführer der Wolfgang und Gerhard Dickgießer GmbH, Martin Joos vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg, der Landtagsabgeordnete Pascal Haggenmüller und Geschäftsführerin Carmen Dickgießer auf dem Betriebsgelände in Bruchsal-Helmsheim.

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