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WILLI-Reportage | Einmal „Wolkenkuckucksheim“ und zurück. Bitte!

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Angesichts der gegenwärtigen Euphorie um die Eröffnung des Karlsruher Stadtbahntunnels mag es verwundern, gerade jetzt Wasser in den Festtagswein zu gießen. Was sich der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) in den letzten Monaten aber teilweise geleistet hat, um Fahrgäste gegen sich aufzubringen, sucht im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) seinesgleichen.

Die KVV, einst viel gepriesen, von der Coronakrise unverschuldet schwer gebeutelt, vom Steuerzahler im Allgemeinen und den steuerzahlenden Fahrgästen im Besonderen aufgepäppelt und am Leben erhalten, sägt offensichtlich munter am Ast, auf dem sie sitzt, handelt sich einen Shitstorm ein, der sich gewaschen hat und hält trotzköpfig dagegen.

Motto: Ihr alle könnt uns mal!

Wie sonst soll man bewerten, was sich im ÖPNV in den letzten Monaten abgespielt hat? Noch im Geschäftsbericht 2020 bedauern unsere Verkehrsbetriebe die massiven Erlöseinbußen durch die Coronakrise, loben ihre eigenen Anpassungen im Zuge der Pandemie (über den grünen Klee!), kassieren (notwendige) Ausgleichzahlungen in Millionenhöhe und malen ein wolkenloses Bild (Wolkenkuckucksheim?) des zukünftigen, meist digital vernetzten, ach so kundenfreundlichen ÖPNV. Mit keinem Wort erwähnt: Was man schon alsbald für veraltet, überholt und überflüssig hält.

Bleiben Sie zuhause, das ist die klimaneutralste Mobilitätsvariante!

Nach Gutsherrenart wird dann im Spätsommer und Herbst verkündet, dass in Bälde der Verkauf sämtlicher Einzel- oder Mehrfahrtscheine, die bei Fahrtantritt zu entwerten sind, eingestellt wird. Damit gilt für die weniger technikaffinen Gelegenheitsfahrgäste, insbesondere ältere Mitmenschen, scheinbar folgende KVV-Anweisung: Entweder suchen Sie sich an unseren störanfälligen Automaten (Ihr Problem!) im Tarifdickicht gefälligst vor Fahrtantritt die gewünschte Fahrkarte oder Sie lernen endlich, wie unsere Apps funktionieren.

Ansonsten bleiben Sie gefälligst zuhause, das ist sowieso die klimaneutralste Mobilitätsvariante! Sie sind für uns als Einnahmequelle inzwischen derart irrelevant, dass wir gerne auf Sie verzichten!

Behelligen Sie uns daher nicht länger! Wir sagen das natürlich so nicht, sondern lassen verlautbaren, dass diese Tickets kaum noch nachgefragt werden und unsere Kunden sehr ungern Fahrscheine bei Fahrtantritt entwerten (wir wissen natürlich auch, dass es nicht so ist…).

Kümmert sich der Bürgermeister allein um den Ausbau des Haltestellennetzes?

Die berechtigte, massive Kritik an dieser KVV-Geschäftspolitik ließ nicht lange auf sich warten, war allerdings von mancher Seite eher wohlfeil. So von CDU/Junge Liste, die Krokodilstränen vergossen, offensichtlich in der Hoffnung, der Bürger würde dem vordergründig gezeigten Gejammer auf den Leim gehen! Ja, über Beschlüsse hinter verschlossenen Türen in vermeintlichen Hinterzimmern lässt sich trefflich lamentieren.

Aber saß Landrat und Parteifreund Christoph Schnaudigel nicht genau dort im Aufsichtsrat mit dabei und kannte die KVV-Entscheidungen? Und kümmert sich darüber hinaus mancher Bürgermeister im Aufsichtsratsgremium vielleicht allein um den Ausbau des eigenen Haltestellennetzes?

Angesichts dieser Verhältnisse und fast überbordender Kundenfreundlichkeit ist man gespannt, wie der KVV die Verdoppelung der Fahrgastzahlen als Beitrag zum Klimaschutz – Zielvorgabe des unbeirrbaren grünen Landesverkehrsministers Winfried Hermann – innerhalb der nächsten acht Jahre bewerkstelligen will. Klar, man macht bei jedem Pilot- und Modelprojekt mit, das – wenn schon keine Fahrgäste – mit Sicherheit Subventionen (sprich Steuergelder) in die ÖPNV-Kassen spült.

Eine baldige kommunale Nahverkehrsabgabe?

Insgesamt mag dies vielleicht sogar bedenkenswert sein. Allerdings scheint offensichtlich, was den Verkehrsbetrieben wohl angenehm wäre: Eine Zwangsabgabe, die am besten zu einem erheblichen Teil direkt aufs Konto der KVV wandert – ohne lange Diskussion über Fahrgastzahlen!

Voll beschäftigt mit der Erstellung visionärer Blaupausen, bleibt unseren ÖPNV-Managern für das mühsame Tagesgeschäft natürlich wenig Zeit. Um ein Beispiel zu nennen: Wie wäre es, ab und an darüber nachzudenken, wie alle Schüler im nördlichen Teil des Landkreises Karlsruhe zeitlich passgenau vom Heimatort zur Schule des Nachbarortes und zurück befördert werden könnten? Oder ist dies zu engstirnig und kleinteilig gedacht? Gilt die Vorgabe: Sollen die Eltern für derart Banales gefälligst selbst einen Shuttleservice organisieren!

Sind Ad-hoc Ansagen vermittelbar?

KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon ist ein Mann, der nach eigenen Worten gewohnt ist, alles infrage und auf den Prüfstand zu stellen. Deshalb die Empfehlung: Wie wäre es mit dem Hinterfragen der eigenen Sichtweisen? Sind Ad-hoc-Ansagen, basierend auf intransparenten Beschlüssen und ohne längere Übergangsfristen, vermittelbar? Die KVV als hochsubventionierter Dienstleister mit Gemeinwohlanspruch sollte alle potenziellen Fahrgäste begrüßen. Barrierefreiheit heißt nicht allein, niederschwellige Fahrzeuge anzuschaffen!

Hubert Hieke

Ansonsten sollte auch für den KVV-Aufsichtsrat in Sachen Geschäftsführung durch Herrn Pischon gelten: Alles auf den Prüfstand und keine falsche Rücksicht nehmen!

Text: Hubert Hieke

Aus RegioMagazin WILLI 01/2022

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