Vom Klassenzimmer aufs Feld: Wie Odenheimer Grundschüler den Weg des Getreides hautnah erlebten

Odenheim/Zeutern | Am 6. Juli fuhr die Klasse 3b der Carl-Dänzer-Schule zum Martinushof in Zeutern, um im Rahmen des Unterrichtsthemas „Getreide“ die historische und heutige Getreideernte unmittelbar zu erleben. Hofbesitzer und Landwirt Georg Staudt hieß die Schülerinnen und Schüler herzlich willkommen.

 

Gastbeitrag von Andreas Staudt

Im Vorfeld hatten die 20 Drittklässler im Unterricht mit ihrer Klassenleitung Frau Hofheinz viele Unterrichtsstunden die Eigenschaften und Unterschiede der Getreidearten Roggen, Weizen, Gerste und Hafer sowie die Entwicklung von der Aussaat bis zur Frucht erarbeitet. Besonders interessant fanden die Kinder dabei den Dreschvorgang mit den riesigen Mähmaschinen.

Historische Ernte trifft moderne Landwirtschaft

Idee und Programm lieferte dabei Andreas Staudt, welcher sich dank Schulferien in Rheinland-Pfalz an diesem Tag Zeit für die Klasse seiner Tochter nahm. 20 Kinder konnten die Leihgaben Zeutener Bürger wie Sensen und Dreschflegel nicht nur begutachten nein diese kamen auch zum Einsatz. Schnell wurde klar, welch mühsame Arbeit die Ernte vor rund 100 Jahren im Kraichgau erforderte, bevor die Industrialisierung die Landwirtschaft erreichte. In der modernen Maschinenhalle des Martinushofs wurden hochmoderne Mäh- und Dreschmaschinen vorgestellt und deren Funktionsweise detailliert erklärt. Da das Interesse an den verschiedenen Traktoren groß war, durften die Schülerinnen und Schüler die Kabinen von 350-PS-starken Maschinen besichtigen – die Motoren standen dabei still. Die Begeisterung wurde durch die Besichtigung von mehr als 100 Stall- und Reitpferden noch verstärkt. Ein junger Student aus Dresden führte die Gruppe durch die mit frischem Stroh ausgelegten Ställe; jedes Pferd erhält dort eine eigens zusammengestellte Futtermischung, häufig aus dem hauseigenen Hafer, der auf über 100 Hektar angebaut wird.

Mit dem Korn zur Mühle

Nach dem lehrreichen Auftakt auf dem Feld füllten die Kinder Säcke mit Getreide vom Martinushof und transportierten das Korn, wie es früher üblich war, zu einer Mühle. Der Weg zur stillgelegten Dutzi-Mühle im Tal war zu Fuß etwa 45 Minuten lang. Gemeinsam mit Frau Hofheinz und Herrn Staudt wanderten die Drittklässler über einen Hohlweg ins Dorf und erhielten von den Höhen rund um das rote Kreuz einen Überblick über die weiten Felder und die Spuren ihrer Vorfahren.

Geschichte zum Anfassen

Durch die Einladung des Besitzers Herr Frank wurden die Schülerinnen und Schüler zu einem historischen Rundgang durch die Mühle begrüßt. Im Keller des mittelalterlichen Firstständerhauses, das einst als Lager für Zehntabgaben des Bistums Speyer diente, empfingen die Heimatkundler Roland Pfenninger und Dietmar Griesmeier die Gruppe mit mittelalterlichen Klangstücken. Dort wurden historische Kornmühlen und Mörserschalen ausgepackt, sodass die Klasse das alte Handwerk des Kornmahls nachahmen konnte. Das Mahlen erwies sich als anstrengend, doch die Kinder drehten die Mühlen eifrig und durften den gemahlenen Ertrag mit nach Hause nehmen.

Ein Wasserrad setzt Geschichte in Bewegung

Zum Abschluss wartete Herr Frank an der restaurierten Dutzi-Mühle, die noch über ein intaktes Wasserrad verfügte. Die Mühle, deren Geschichte mehr als 500 Jahre zurückreicht, war früher ein zentrales Element der Mehlproduktion für die Region. Den Kindern wurde die Funktionsweise des Wasserrads erläutert und praktisch demonstriert. Der Müller hatte das Recht, den Katzbach zu nutzen, den Zulauf zu regulieren und damit eine bedeutende Verantwortung zu tragen. Alle staunten, als die Schaufeln des Wasserrads vom Wasser gefüllt wurden und sich in Bewegung setzten. Zum Schluss erklärte Herr Pfenninger die Fischtreppe, die zur Durchquerung des Flusses eingerichtet ist.

Ein toller Tag, der in Erinnerung bleibt

Nach einem erlebnisreichen Tag traten die erschöpften, aber glücklichen Drittklässler der Carl-Dänzer-Schule in Odenheim die Rückfahrt mit der Bahn an. Unser herzlicher Dank gilt allen, die diesen lehrreichen Ausflug in Natur und Betrieb ermöglicht haben – ein Erlebnis, das unbedingt wiederholt werden sollte.

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