
Schon von weitem prägt die Silhouette von Burg und Schloss Obergrombach den Ort. Der mächtige Bergfried erhebt sich über den Dächern des historischen Städt’l und erinnert daran, dass dieser Platz vor Jahrhunderten mehr war als ein romantisches Fotomotiv: Er war Grenzfeste, Bischofssitz, Sommerresidenz und bis heute ein bewohntes Schloss.
Die Anfänge reichen vermutlich bis in die Zeit um das Jahr 1000 zurück. Auf dem schmalen Bergsporn entstand die erste Befestigung, deren strategische Lage das Grombachtal und den alten Höhenweg zwischen Pforzheim und Bruchsal kontrollierte. Später bauten die Fürstbischöfe von Speyer die Anlage zu einer wehrhaften Grenzburg ihres Hochstifts aus. Über nahezu fünf Jahrhunderte blieb Obergrombach ein bedeutender Stützpunkt des Hochstifts.
Bis heute vermitteln der rund 25 Meter hohe Bergfried, die Ringmauer, Reste des Palas und die Schalentürme einen Eindruck von der einstigen Wehrhaftigkeit der Burg. Im 15. Jahrhundert erhielt die Kernburg weitgehend ihr heutiges Erscheinungsbild. Selbst der ehemalige Speyerer Bischof Johannes II. Nix von Hoheneck verbrachte nach seinem Rücktritt hier seine letzten Lebensjahre.
Der Dreißigjährige Krieg hinterließ deutliche Spuren. Mehrfach wurde die Burg belagert, eingenommen und besetzt. Später zerstörten französische Truppen Teile der Anlage. Die romantische Ruine, die Besucher heute erleben, ist das sichtbare Ergebnis dieser Vergangenheit.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann ein neues Kapitel. Zwischen 1720 und 1723 ließ Kardinal Damian Hugo von Schönborn unterhalb der Burg das barocke Schloss als repräsentative Sommerresidenz errichten. Aus der einstigen Grenzfeste wurde ein Ort höfischer Kultur. Besonders die Schlosskapelle mit ihren außergewöhnlich gut erhaltenen Wandmalereien zählt bis heute zu den kunsthistorischen Besonderheiten der Region.
Seit 1885 befindet sich die gesamte Anlage im Besitz der Familie von Bohlen und Halbach. Das Schloss wird bis heute privat genutzt und ist daher nur selten für die Öffentlichkeit zugänglich. Gerade deshalb besitzt jeder Blick hinter die historischen Mauern einen besonderen Reiz.
Eine dieser seltenen Gelegenheiten bietet das Obergrombacher Burgfest, das im Zweijahresrhythmus stattfindet. Dann öffnen sich die Tore der Anlage für Besucher und verbinden historisches Ambiente, Tradition und die besondere Atmosphäre des mittelalterlichen Ortskerns zu einem der außergewöhnlichsten Feste der Region.