Ausverkauf! Geschlossen! Zu!

Wir wissen es doch alle. Die Milliardäre in den Schaltstellen des Internet beherrschen die Szene. Alle hängen an deren Tropf und wir finden keinen Weg aus dem Dilemma. Läden schließen, Gastronomie darbt. Kunden bleiben weg.

Aus der Reihe: NO COMMENT!

Dabei haben wir doch einen Hebel. Gleichbehandlung herstellen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nämlich in der Lieferung des Produktes zum Besteller. Und das sind die Fahrer in den Transportern. Sie nutzen unsere Straßen, verstellen unsere Wege, Gehwege und Radwege. Sie halten sich nicht an Regeln, kennen keine Halte-, Park- und anderen Verbote. Nehmen keine Rücksicht, kennen keine Gnade und sind mitunter rücksichtlos. Und bleiben in allen Lagen tiefenentspannt. Anders geht’s nämlich nicht.

Worum geht es hier?
Onlinehandelöffentlicher RaumLieferverkehrstationärer HandelArbeitsbedingungen von Zustellern
Infrastrukturnutzungsgebühr

An ihnen vorbei kommt nur, wer selbst über den Gehweg oder den Radweg fährt. Oder wartet und sich den Zorn des Hintermanns/Hinterfrau zuziehen will. Und kommt ein Radler entgegen, beschwert der sich dann … über mich. Zurecht!

Ja, die Jungs/Mädels in den gelben, blauen, weißen, schwarzen Kisten geben sich die Klinke in die Hand. Rasen statt Rasten. Rennen statt Gehen ist die Devise. Denn nur dann schaffen sie das Pensum, das ihnen die Könige aus dem Internethandel vorgeben.

„Lass wackeln Kumpel, du wirst per Stück bezahlt. Nicht nach Arbeitszeit“. Und wir alle finden das toll.

Aber die Fahrer in ihren fliegenden Kisten sollten nicht auslöffeln müssen, was das System Ausbeutung mit sich bringt.

Ein Knochenjob, für den sie eigentlich Respekt verdienen und wären sie korrekt, könnten sie ihren Job nicht machen. Sie müssen ausbaden, was andere ihnen einbrocken. Würden sie erst einen Parkplatz suchen und zu Fuß zum Empfänger gehen, wäre der Job nicht zu schaffen. Ganz zu schweigen von teils zentnerschweren Kartons, die sie in Windeseile an die Tür befördern müssen. Draußen wartet der Flitzer auf dem Radweg und im 4. OG sucht der Empfänger nach Geld.

Auf den Punkt gebracht sind SIE schuld. Ja SIE! Sie, wir alle, die das mit einer Bestellung im Internet auslösen. Die Lieferung und der Rückversand verdoppelt das Gerenne. Aber das wollen doch alle.

Super bequem, super billig, super scheiße!

Gleichzeitig wollen wir, dass die stationären Händler alles für uns parat haben. Vorrätig in allen Größen, Farben, Formen und Mustern. Und genauso günstig wie aus einem Lager im fernen Land, das wir pfeilschnell ohne Rücksicht auf Verluste bald unser Eigen nennen wollen und bei Nichtgefallen einfach zurückschicken.

Händler zahlen in der Stadt für jeden Meter Nutzung des öffentlichen Raums eine Pacht. Müsste die Benutzung der Straßen und Wege im öffentlichen Raum nicht auch Geld kosten? Schließlich ist es Teil des Geschäftsmodells. Falsch parken und falsch stehen müsste eingepreist werden. Dann wäre der Wettbewerb fairer.

Wer zum Zwecke der Anlieferung von Ware aus dem Internet in den Ort einfährt, muss ein Ticket lösen. Wer dazu falsch parkt oder steht wird mit Null Toleranz notiert. Und wer dabei auch noch den Motor laufen lässt, zahlt einen Umweltaufschlag!

Wer bestellt bezahlt!
Das ist doch eine alte Regel.

Auf die neue Welt übertragen: wer im Internet bestellt, muss Internet zahlen. Dann gehen die Kosten, die wir alle übernehmen auch an diejenigen Damen und Herren, die ihre Milliarden auf dem Rücken der Ausfahrer scheffeln und deren Grundlage unsere (Ihre) Infrastruktur ist. Zu einem anständigen Geschäft gehören eben auch ordentliche Arbeitsbedingungen, die für eine ordentliche Lieferung nötig sind: Zeit! Und die kostet bekanntlich Geld!

Die Arbeitsauftrag Zukunft „Pro Handel“ an die Internetbesteller lautet:

• Zahlung einer Infrastrukturnutzungsgebühr.
• Halten nur an genehmigten Stellen ohne jede Behinderung.
• Bezahlung der Zusteller pro  Stunde.

Das geht. Der Spediteur kann seinen Fahrern auch nicht sagen „fahr schneller“ oder „fahr sonntags, da ist die Autobahn leer“. Vielleicht wäre die „BR-Zustellgebühr“ einen Preis wert. Ich würde ihn nehmen!

Immerhin kommt Geld in die Stadtkasse (Gruß an den Kämmerer), der Verkehr wird geordnet (Gruß an das Ordnungsamt) ein Pilotprojekt in BR fürs ganze Land (Gruß an Cém). Und wir alle zeigen, dass wir unsere Geschäfte und damit unsere Stadt am Leben halten wollen.

Los geht’s: Bestellen wie der Teufel und am Ultimo geht alles zurück. Monat für Monat, bis das Geschäftsmodell gelernt hat, dass Bruchsal sich nicht mehr zum Narren machen lässt und wir nicht mehr den Milliardären dienen wollen. Und gleichzeitig Respekt vor den Fahrern, die wir verstehen (wenn sie nicht ganz blöd rumstehen)

U. Konrad
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