Von Dr. Tamara Frey, Stadtarchiv Bruchsal
Mit Karacho kommen sie um die Ecke; ein paar Schaulustige, die sich zu weit auf die Straße vorgewagt haben, machen einen hastigen Sprung zur Seite, um nicht überrollt zu werden. Die Nummer 2 führt vor der 14 und der 7, die 32 liegt geschlagen im Heu, das zum Bremsen ausgelegt wurde… Die Zuschauer schauen gespannt – wer wird das Rennen machen …

Können Sie sich auch die aufgeregte Moderatorenstimme vorstellen? Die Rede ist vom Seifenkistenrennen des Jahres 1949. Zwischen Trümmern und Baugerüsten fand es im Juli statt. Einige Kinder benutzten die verstreut liegenden Backsteine als Podeste, um bessere Sicht zu haben, andere als Sitzgelegenheiten an diesem heißen Sommertag. Viele der Fahrer, scheinbar alles Buben zwischen 10 und 12 Jahren, tragen Kopfbedeckungen und Schutzbrillen wie ihre großen Vorbilder, die Automobilrennfahrer. Die Strecke führte abschüssig vom Belvedere in Richtung Amtsgericht. Eine willkommene Ablenkung für die Kinder (und die Erwachsenen) in der Nachkriegszeit.
Wer Erinnerungen an die Seifenkistenrennen hat, kann gerne das Stadtarchiv kontaktieren. Fotos und Zeitzeugenerinnerungen werden dort gerne gesammelt. Kontakt: Dr. Tamara Frey, 07251-79-1938 oder per Mail an stadtarchiv@bruchsal.de.
Vielleicht könnten Sie uns auch helfen, den ein oder anderen jugendlichen Fahrer auf den Fotos zu identifizieren.
Mit dem „Bruchsaler Kulturfenster“ geben der Landfunker, das Stadtarchiv und das Städtische Museum regelmäßig Einblicke in Kunst, Geschichte und Alltagskultur. Alle 14 Tage öffnet sich ein neues Fenster – mal mit einem Objekt, mal mit einer Geschichte, mal mit einem Blick wie diesem: Auf eine liebenswerte, längst vergessene kleine Stadtgeschichte.










Es gab am 4. Juni 1950 noch ein weiteres Seifenkistenrennen am Stadtgarten, das vom MSC Bruchsal veranstaltet wurde.
Ja, Start war damals oberhalb des Stadtgartens am Anfang der Beethovenstr., dann die Beethovenstr. runter und links ab in die Söternstraße runter zum Amtsgericht. Da war Schluss.
Die Aufnahme könnte da entstanden sein, wo heute der komische Kreisel ist, unterhalb des Augsteiner.