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Honorarkonsul: Erich Dreher präsentiert stolz die Fahne der Republik.

WILLI-Reportage | Die Republik Steinacker

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Das kameradschaftliche Verhältnis in der Nachbarschaft war um das Jahr 1990 für viele Zeuterner von absoluter Notwendigkeit. Vor allem in der Straße „Bischofsrotweg“ wurde viel gefeiert und im Zuge dessen eine Republik „Bischofsrot“ mit einem Präsidenten auf Lebenszeit gegründet.

Die angrenzende Straße „Zum Spermel“ bildete eine „selbstständige Region“ mit einem auf 40 Jahre demokratisch gewählten „Bürgermeister“. Erich Dreher, Anwohner der Straße „Steinacker“, pflegte ein gutes Verhältnis zur „Republik Bischofsrot“ und wurde folglich zum „Honorarkonsul“ auserkoren. Es lag an ihm, ein Fest für die gesamte Region Blumenstraße, Ebene, Bischofsrot und Spermel in die Wege zu leiten. Das sogenannte „Bluebebisper Stein-Fest“ erstreckte sich über zwei Tage und wurde bildlich auf einem Video-Film von Peter Kalt festgehalten.

„Die Republik ist eine Nachbarschaftsinitiative“

Während der ersten Vorführung des Filmes im Fachwerkhaus Zeutern realisierte Erich Dreher, dass der „Steinacker“ mitsamt seinen Nebenstraßen „Blumenstraße“ und „Ebene“ nur geringfügig repräsentiert war. Nachdem der Film am 11. Februar 1995 nun auch den übrigen Anwohnern gezeigt wurde, entstand die Idee, nachzuziehen und die „Republik Steinacker“ unter Präsident Erich Dreher zu gründen. „Momentan befinde ich mich allerdings mitten im Wahlkampf, die nächsten Wahlen sind bereits 2035 angesetzt“, erklärt Dreher humorvoll.

Die Republik Steinacker sei keineswegs eine Separatisten-Bewegung mit ernstem Hintergrund, sondern eine Nachbarschaftsinitiative, die das Zusammenleben verschönert sowie den Lebens- und Wohnwert maßgeblich anwachsen lässt.

Das Wappen der Republik Steinacker

Gleich darauf erfolgte die Berufung von sieben Ministerinnen und Ministern, welche in Anbetracht ihrer Hobbys oder Berufe verschiedene Tätigkeiten ausführten. „Einer der Nachbarn war Leiter des Sozialamtes beim Rathaus, der wurde dann eben Minister für Soziales und Familie. Als Mitglied des Schützenvereins wurde ein anderer dann natürlich Minister für Verteidigung und innere Sicherheit und der Rotkreuzler in der Nachbarschaft übernahm die Rolle des Innenministers für Gesundheit und Fitness“.

Eine besondere Rolle wurde außerdem Peter Kalt am 1. April 1995 übertragen. Dank seiner Verdienste für die Republik wurde durfte er sich nun „Attaché für Völkerverständigung und Nachbarschaftspflege“ nennen. Gleichsam wurde der 11. Februar als „Tag der Republik“ festgelegt und jedes Jahr ausgiebig gefeiert.

Für eine passende musikalische Untermalung der neu gegründeten Republik wurde schnell gesorgt. Erich Dreher und Hartmut Knaus erarbeiteten einen passenden Text auf die Melodie des Liedes „Brusler Dorscht“.

„Der Herrgott hat mir das Talent gegeben, mit Menschen umzugehen.“

„Niemand ahnte, dass die Republik so lange anhalten würde“, legt Erich Dreher offen dar. Auch von der Resonanz seien die Gründer überwältigt worden. Obzwar die Republik anfangs von vielen belächelt wurde, nahm sie bald darauf eine charakteristische Position für das gesamte Dorf ein. Zusammen mit dem Attaché Peter Kalt fing Dreher 1999 an, „Erlebnis-Wanderungen“ durch Zeutern anzubieten, die den Bekanntheitsgrad der Republik enorm steigerten.

Ebenso wurde das beschauliche Kraichgaudorf zum Reiseziel für über 25000 Menschen, darunter sogar Norddeutsche. Bedauerlicherweise können die Erlebnis-Wanderungen seit 2020 unter anderem aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr angeboten werden. Alternativ gibt es aber zweistündige Kulturführungen, für die sich Interessierte bei der Gemeinde oder telefonisch bei Erich Dreher anmelden können.

Überdies wurde in diesem Jahr erstmals eine Tour für ukrainische Flüchtlinge mitsamt Dolmetscher angeboten. Die Idee hierzu kam Erich Dreher während er gemeinsam mit anderen Zeuternern ein Haus für angereiste Ukrainerinnen und Ukrainer im Ort renovierte. „Das ist eine Herzensangelegenheit“, bekundet er. Ziel war es, die Ortskultur weiterzugeben und die Integration zu fördern. Die Teilnehmerinnen und  Teilnehmer waren hellauf begeistert. Spätestens als am Ende der Wanderung sowohl auf deutsch, als auch auf ukrainisch gesungen wurde, entstand das Gefühl einer tiefen Verbundenheit.

Auf die Frage, was sein persönliches Motto sei, antwortet Dreher: „Der Herrgott hat mir das Talent gegeben, mit Menschen umzugehen“. Danach lebe und handele er schon sein ganzes Leben lang. Seine positive sowie lebensfrohe Art verleitet ihn dazu, die Dinge in die Hand zu nehmen, so eben auch die Gründung einer Republik im Kraichgau.

Steinacker Hymne an Zeutern (Auszug)
Am Stoiacker un an der Blumastroß, a Republik gibts do,
die feiern gerne Feste, verdeilt uffs gonze Johr.
Wenn vorram Haus a Fohn weht, an Minister wohnt do drin,
das sind die tollsten Männer, die immer dorschtich sin:
Ohne Moscht un ohne Woi, geht an Zeiderma Woischlauch oi,
Ohne Moscht un ohne Woi, geht an Zeiderma Woischlauch oi.

Text: Erich Dreher und Hartmut Knaus

Text & Bild: Annika Haas

Aus RegioMagazin WILLI 10/2022

 

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