STUTENSEE-SPÖCK | Kriege, Terrorismus, Cyberangriffe und Jugendliche, die sich im Internet radikalisieren: Der renommierte Sicherheitsexperte Prof. Peter R. Neumann war für einen Vortragsabend in Stutensee-Spöck zu Gast. Vor seinem Auftritt sprach KraichgauTV-Moderator Ulrich Konrad mit ihm über Bedrohungen, die weit entfernt entstehen – und deren Folgen trotzdem längst vor Ort zu spüren sind.
Eigentlich könnte man meinen, die große Weltpolitik sei an diesem Abend ziemlich weit weg. Stutensee-Spöck, Begegnungszentrum „Regenbogen“, Montagabend. Doch genau mit dieser Vorstellung räumt Prof. Peter R. Neumann im Gespräch schnell auf. Der Professor für Sicherheitsstudien am King’s College London beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Terrorismus, Extremismus und Radikalisierung. 2008 gründete er das International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR).
Nach Spöck gekommen war Neumann für den öffentlichen Vortragsabend „Neue Weltunordnung – neue Bedrohungen für Deutschland“. Eingeladen hatte die CDU Stutensee gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Nicolas Zippelius und dem Landtagsabgeordneten Ansgar Mayr.
Radikalisierung findet heute immer häufiger dort statt, wo Jugendliche ohnehin einen großen Teil ihres Alltags verbringen: im Internet.
Kurz vor seinem Vortrag nahm sich Neumann Zeit für ein Gespräch mit KraichgauTV. Mit Ulrich Konrad spricht er darüber, wie aus Menschen Extremisten werden und warum sich die Orte der Radikalisierung verändert haben. Statt ausschließlich in bestimmten Milieus, Szenen oder an physischen Treffpunkten begegnen Sicherheitsbehörden heute zunehmend einer virtuellen Welt, in der Grenzen kaum noch eine Rolle spielen. Neumann verweist dabei auf sehr junge Menschen, die sich online radikalisieren – bis hin zu 13-, 14- oder 15-Jährigen.
Doch das Gespräch bleibt nicht beim Terrorismus. Es geht um Cyberangriffe auf Unternehmen und kritische Infrastruktur, um soziale Netzwerke als Verstärker extremistischer Botschaften und um die Frage, wie sehr internationale Konflikte den Alltag in Deutschland beeinflussen. Gerade der ländliche Raum könne sich von diesen Entwicklungen nicht abkoppeln, macht Neumann deutlich. Was in der Ukraine, im Nahen Osten oder irgendwo im digitalen Raum geschieht, kann wirtschaftliche, gesellschaftliche und sicherheitspolitische Folgen bis hinein in Städte und Gemeinden haben.
Und schließlich geht es um eine sehr konkrete Frage, die mit Beginn der Weihnachtsmarktsaison wieder sichtbar wird: Wie groß ist die Gefahr bei öffentlichen Veranstaltungen tatsächlich? Poller, Zufahrtssperren und andere Schutzmaßnahmen hält Neumann angesichts veränderter Anschlagsformen für sinnvoll. Gleichzeitig warnt er im Gespräch davor, das persönliche Risiko aus dem Blick zu verlieren. Er selbst, sagt der Sicherheitsexperte, würde deshalb nicht auf einen Weihnachtsmarktbesuch verzichten.
Ein Gespräch über eine Welt, in der Bedrohungen nicht mehr unbedingt an Grenzen auftauchen, sondern auf dem Smartphone, im Datennetz oder Tausende Kilometer entfernt beginnen können – und über die Frage, was das für Deutschland und für den Alltag vor Ort bedeutet.
Hier das vollständige Interview von KraichgauTV-Moderator Ulrich Konrad mit Prof. Peter R. Neumann:
















