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Foto: Landfunker Archiv

Ortsportrait | Unser Münzesheim – Fakten, Infos, Menschen & Geschichten

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Münzesheim hat eine lange wechselvolle Geschichte und ist einer der ältesten der neun Stadtteile Kraichtals. Der erste urkundliche Nachweis stammt aus dem Jahr 822.

Doch bereits vorher haben Merowinger und Franken ihre Spuren hinterlassen, die man 1933 beim Bau eines Feldweges wieder aufdeckte. Wo sich heute ein Baustoffgroßhandel befindet, reckte  im neunten Jahrhundert eine trutzige Wasserburg ihre stolzen Türme in die Höhe. Aus den Rechtsvorschriften früherer Jahrhunderte ist manches überliefert, was heute als Anekdote gilt wie zum Beispiel: „Morgensuppe und Frühstück, wodurch Hochzeitsleute nicht pünktlich zur Kirche kommen könnten, sind verboten.“ (Fleckenordnung von 1751). Erstaunlich ist, dass die Anlage des alten Ortskernes mit ihrem Straßenverlauf heute noch erhalten ist wie anno dazumals. Das bezeugen die vielen gut restaurierten Fachwerkhäuser im Oberdorf.

Münzesheim...

… ist der zweitgrößte Stadtteil Kraichtals
… wurde 822 erstmals urkundlich erwähnt
… hatte bis 1763 ein Wasserschloss am Kraichbach
… bekam 1562 eine schriftliche Dorfordnung
… hat mit der Alten Schmiede eines der schönsten Fachwerkhäuser im Kraichgau
… hat ein Wappen mit einem gelben Schild, einem roten Herz und einem weißen Ring
… hat heute zirka 2.800 Einwohner
… hat eine Grund- und Gemeinschaftsschule in einem neu erbauten Gebäude
… hat die Telefonvorwahl 07250 und die Postleitzahl 76703
… hat ein Fachkrankenhaus für Suchtkranke
… hat einen viel besuchten asiatischen Garten
… ist seit 1977 der Sitz des Rathauses von Kraichtal: Rathausstraße 30
… hat seit 2009 ein ganz neues Feuerwehrhaus mit zentralen Schulungsräumen, zentraler Kleiderkammer und einem Zentrallager sowie einem Festgelände für die Vereine
… hat seit 1996 mit der Stadtbahnlinie S32 den Anschluss an die große weite Welt
… hat drei Kirchen: Evangelisch, Katholisch und Evangelisch-methodistisch
… ist im Internet zu finden unter www.kraichtal.de
… hat keinen eigenen Bürgermeister oder Ortsvorsteher, aber einen Bürgermeister für Kraichtal. Die Position wird neu besetzt, Wahlausgang bis zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt.
… feiert in diesem Jahr mit den anderen acht Stadtteilen zusammen das 50jährige Bestehen der Stadt Kraichtal.

Vom Bauernhof zum modernen Stadtteil

Nach 1945 entwickelte sich Münzesheim vom bäuerlich geprägten Dorf zum modernen Stadtteil. Karl-Heinz Glaser hat zusammen mit mehreren Co-Autoren mit dem Buch „Kraichtal – Die Geschichte seit 1945“ einen wichtigen Überblick geschaffen und diese Veränderungen ausführlich dargestellt. *)

In den ersten Jahren konnte man noch Fuhrwerke sehen, die auf ungepflasterten Straßen unterwegs waren. Den wirtschaftlichen Aufschwung brachten große Firmen wie Malag, Hausmann oder Billerbeck. Nur letztere existiert noch. Auch von über 30 Handwerksbetrieben sind heute nur noch wenige in der Hand derselben Familie; viele wurden aufgegeben. Ein Großbrand im Dorfkern richtete 1968 großen Schaden an. Durch Blitzschlag entzündet, brannten sieben Scheunen mit Nebengebäuden nieder.

Rasante Entwicklung in den Jahren des Wiederaufbaus nach 1945

In zwei Bauphasen wurden in Münzesheim größere Gebäude errichtet: In den 1960-er Jahren Clubhaus des Fußballvereins FzG, Schule, evangelisches Gemeindehaus und katholische Kirche; Kindergarten, Therapiezentrum und Rathaus in den 1970-er Jahren.

Am 14. Juli 1971 wurde die Stadt Kraichtal gegründet durch den gemeinsamen Willen von neun selbstbewussten Orten, von denen zwei sogar das Stadtrecht besaßen. Damit wurde Münzesheim vom selbstständigen Dorf zum Stadtteil. 1977 eröffnete man in Münzesheim das neue Rathaus. Nach vielen Diskussionen und in geheimer Abstimmung hatte man diesen Standort festgelegt.

Einen wirtschaftlichen Schub nach vorne und kräftige Erleichterung bei den Verkehrsverbindungen brachte die Stadtbahn mit sich, die 1996 erstmals fuhr als Ersatz für den schwerfälligen Eisenbahnzug, den „Entenköpfer“. Sie verbindet auf bequeme Weise Münzesheim sowie die anderen Orte im Kraichbachtal mit der großen weiten Welt.

Die heutigen Neubaugebiete sind ein Doppelpunkt in der Entwicklung und haben viele neue Einwohner nach Münzesheim gebracht. In den Jahren seit 1945 hat sich die Einwohnerzahl von 1.100 auf fast 2.500 Personen mehr als verdoppelt. Die überbaute Fläche des Stadtteils hat sich hingegen verfünffacht. Ein Zeichen der Zeit, dass sich das Mehrgenerationenhaus aufgelöst hat und die Individualisierung weiter voranschreitet.

Heuer will die Stadt Kraichtal ihr 50-jähriges Bestehen feiern mit einem Festakt am 1. September und einem Festwochenende am 4. und 5. September in Münzesheim sowie vielen weiteren Veranstaltungen während des ganzen Jahres in allen Stadtteilen. Nun hoffen die Verantwortlichen, dass dies auch möglich wird und nicht wie so vieles der Corona-Pandemie zum Opfer fällt.

*) Das Buch ist über die Stadtverwaltung Kraichtal oder über den Verlag Regionalkultur in Ubstadt-Weiher zu erhalten.

Text: Martin Stock, Bilder: egghead

Eine Vision

Der Teigwarenfabrikant Fritz Mann hatte nach dem zweiten Weltkrieg in Münzesheim eine Vision – nämlich die Gründung eines zentralen Vereins für den ganzen Ort mit vielen verschiedenen Abteilungen und Sparten: die FzG, die Freizeitgemeinschaft Münzesheim. So sollte die Dorfgemeinschaft gestärkt werden und gleichzeitig den verschiedenen Freizeitinteressen Rechnung getragen werden.

Am 8. Februar 1946 wurde der Verein gegründet mit Genehmigung der damaligen Militärregierung. Das war weitsichtig  in einer Zeit als noch kaum jemand an Freizeitgestaltung dachte, sondern eher an Feldarbeit und Wiederaufbau. Im Verein wurde Fußball gespielt und Schach. Es gab eine Frauenturngruppe und eine Musikabteilung. Durchgesetzt hat sich allerdings der Fußball und so trägt heute die FzG Münzesheim den Zusatz F. V. für Fußballverein. Die Vision eines Vereins für alle hat sich nicht erfüllt.

Große Schwierigkeiten bereitete die Materialknappheit in den Anfangsjahren.

Für Fußballstiefel musste der Initiator und Vorsitzende des Vereins Fritz Mann Rinderhäute an die Schuhfabrik liefern. Aus Mehlsäcken seiner Nudelfabrik wurden Trikots genäht. Schnürsenkel für die Fußballschuhe waren kontingentiert. Zu den Spielorten musste man mit der Bahn, mit dem Fahrrad oder gar mit dem Pferdefuhrwerk fahren. Dennoch gab es bereits von Anfang an einen „Reiseleiter“ als Funktion im Vorstand des Vereins.

Heute ist die FzG ein moderner Fußballverein, der zahlreiche Erfolge aufweisen kann und das gesellschaftliche Leben in Münzesheim aktiv mitgestaltet. Weit in die Region hinaus bekannt war der Nachtumzug am Freitag vor Fasnacht durch die Straßen von Münzesheim. Er hat sich in zwischen zu einer großen Open air-Party im Zeltanbau am Sportplatz entwickelt mit fetziger Live-Musik, aber weiterhin unter dem Motto: „Oifach schee!“ Viele Gäste kommen auch immer wieder im Herbst, wenn es heißt „Oazapft is“ – und feiern das FzG-Oktoberfest.

Orte der Gastlichkeit

„Krone“ und „Kanne“, „Lamm“ und „Löwe“ waren in Münzesheim der Inbegriff von Gastlichkeit; dazu kamen noch „Adler“, „Hirsch“ und „Ochse“ sowie die „Rose“. Unter acht Gastwirtschaften konnte die Dorfbevölkerung wählen, wo sie ihr Feierabend-Bier trinken wollte oder den Festtagsbraten essen.

Gemäß ihrer Lage und Ausstattung dienten die Wirtschaften verschiedenen Zwecken. Der Adlerwirt Jacob Philipp August Greiner ist bereits 1864 im Ortssippenbuch erwähnt als Bierbrauer und Posthalter. An der Durchgangsstraße gelegen, der heutigen Karlsruher Straße – immer noch Durchgangsstraße – war der „Adler“  eine Haltestelle und wohl auch Übernachtungsstation für Reisende. Der „Adler“ war später auch die Gastwirtschaft mit einem großen Saal, wo größere Veranstaltungen und Feiern stattfinden konnten. Hier wurde sogar geturnt.

Die „Rose“ war in einem Fachwerkhaus im Oberdorf  und hatte ebenfalls einen Saal, wo sich die Dorfjugend traf. Etwa um 1840 schloss die „Rose“ ihre gastlichen Pforten und diente fortan als Bauernhaus. Ein Chronist schrieb 1955: „Wenn auch die ‚Rose’ schon lange nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck dient, bildet sie aber doch heute noch als eines der ältesten Fachwerkhäuser die Zierde von Alt-Münzesheim. Schon äußerlich strahlt das Haus einen Zug jener ruhigen Gemütlichkeit aus, der uns an die ‚gute alte Zeit’ erinnert.“

Ehemalige Münzesheimer Rose: Großes Fachwerkhaus (erb. 1687) mit Torüberbau. 1840 schloss die Gastwirtschaft „Zur Rose“ ihre Pforten. Das heutige Erscheinungsbild beruht in hohem Maße auf Rekonstruktion. Heute wird es als Wohnhaus genutzt.

Von den ursprünglich acht traditionellen Wirtschaften ist nur noch eines übrig geblieben: Die „Krone“. Etabliert hat sich inzwischen die Pizzeria mit Eiscafé „Bella Italia“. Sie lädt ein mit einem gemütlichen Interieur und lockt mit dem lauschigen Biergarten im Sommer als beliebtem Treffpunkt. In der „Krone“ sind die Fußballer zu Hause ebenso wie im Vereinsheim auf dem FzG-Gelände, ebenfalls eine Pizzeria.

Auch heute noch trifft man sich gerne zu Familienfeiern und Vereinssitzungen in den Gasthäusern des Ortes, die mit aufmerksamem Service und bürgerlicher sowie internationaler Küche einen guten Ruf haben. Sie sind auch für auswärtige Gäste ein beliebtes Ziel. Viele kommen mit dem Rad. Liegt doch Münzesheim etwa auf halber Strecke des Kraichradwegs von Sternenfels bis Ketsch, von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein.

Kopfstand auf der Kirchturmspitze

„Auch die Bewohner sind noch urig“, hieß es am 2. Januar 1974 in der Tageszeitung über die Leute aus Münzesheim. „Artistische Gaukler, wahre Münchhausen, sorgen in Münzesheim noch für atemberaubende Sensationen: auf steiler Kirchturmspitze, den todbringenden Abgrund unter sich, drücken sie toll-dreiste Handstände.“

Und das kam so:
Der Gockel auf der Kirchturmspitze der Martinskirche in Münzesheim war zerschossen – von diversen Hochzeitsschützen, die ihn gern als Ziel und Beweis ihrer Treffsicherheit nutzten. Bei der Kirchenrenovierung 1973 sollte auch dieser Wetterhahn erneuert werden. Willibald Burghardt, der Schmied am Ort hatte den Auftrag den neuen Gockel auf die Kirchturmspitze zu setzen. Oben auf dem Gerüst in fast 50 Metern Höhe ergriff ihn der Übermut: „Ich mach’ jetzt einen Kopfstand“ sagte er zu seinem Begleiter, der ihn ängstlich zurückhalten wollte.

Doch im Handumdrehen stand der damals 37-jährige Kopf. Dem Begleiter blieb nur eine kurze Sekunde, um den Auslöser der Kamera zu betätigen und den Handstand der Nachwelt zu erhalten. Der Gockel nahm ungerührt seinen angestammten Platz ein und der Akrobat von Münzesheim kam wohlbehalten wieder auf festem Boden an; sein Kunststück kaum bemerkt von den Passanten.

Die Hand

Vor dem Rathaus steht eine Hand – eine offene Hand – sich öffnend, sich schließend? Keiner kann es sagen. Als Kunst im öffentlichen Raum hat sie die Stadt Kraichtal erworben, geschaffen von Agoston Patisti, Künstler in Kraichtal.

Eine Hand gibt und nimmt. Sie ist offen zur Hilfe und kann gleichzeitig zupacken und zerdrücken. Geschaffen für eine Ausstellung in Karlsruhe zur 275-Jahr-Feier der Stadt.

Die Hand aus Kupfer ist geschunden und trägt Spuren der Beschädigung. Kunstverächter sind mit ihren Springerstiefeln auf ihr herumgetrampelt. Die ewig Gestrigen glaubten mit Gewalt ihr Verständnis von Kunst anderen einhämmern zu können.

Heute steht sie auf einem Sockel vor dem Rathaus. Jeder muss an ihr vorbei und kann sich seine Gedanken machen. Ist es die Hand die nimmt und verbraucht, was der Bürger zu zahlen verpflichtet ist? Ist es die Hand, die Schutz gewährt und Hilfe, die vorbereitet und die Zukunft in Angriff nimmt? Eine leere Hand, die die Bürger füllen müssen, damit sie gibt und verteilt, Neues schaffen kann und Gutes bewahren – eine Hand für alle, die zusammenhält, was zusammen gehört; ein Symbol für die Stärke einer Stadt mit neun Stadtteilen. Ein Symbol auch für die Bereitschaft, zu teilen und zu helfen als Flüchtlinge nach Kraichtal kamen – so entstand „Kraichtal hilft“ – allen die einmal Hilfe nötig haben.

Vom Keller ins Holzhaus – Bald 40 Jahre CVJM Münzesheim

„Der CVJM hat junge Menschen in Münzesheim geprägt“, sagt Matthias Häntsch, der viele CVJM-Jahre erlebt hat, selbst Vorsitzender war und sich heute noch in dieser Jugendarbeit engagiert.

Die Geschichte des CVJM Münzesheim begann im Keller. Dort traf sich im Haus der Familie Hegenbart ein Kreis junger Leute um Bibel und Gitarre bei Tee und Gebäck – die „Teestube“, wie er sich nannte. Ziel von Claus und Christl Hegenbart war es seinerzeit, jungen Menschen, die mehr vom christlichen Glauben erfahren wollten, ein Zuhause zu geben. Hieraus entstand die Keimzelle des CVJM Münzesheim.

1997 konnte der Verein sein eigenes Jugendhaus beziehen, ein Holzhaus, das seitdem der Mittelpunkt der CVJM-Jugendarbeit ist und ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. 2020 feierte der Verein sein 35-jähriges Bestehen. Die Jugendarbeit des CVJM Münzesheim hat stets auf die Anforderungen der Zeit reagiert und sich damit immer wieder verändert.

Die offene Jugendarbeit in Münzesheim nahm im CVJM ihren Anfang als dieser sein Haus öffnete zum Treffpunkt für junge Leute ohne ein festes Programmangebot. Als Flüchtlinge nach Münzesheim kamen organisierten CVJMer das „Café international“ als Treffpunkt mit verschiedenen Hilfsangeboten. Das jährliche Jugendhausfest ist ein Anziehungspunkt für viele aus Münzesheim.

Allen Aktivitäten war und ist gemeinsam, dass junge Menschen sich für ihre Altersgenossen engagieren und dass sie in Eigenregie und Selbstverantwortung Woche für Woche Jugendarbeit machen. Für die Flüchtlinge gab es dann auch Erwachsenen-Angebote, um im Ort Fuß zu fassen. Der CVJM Münzesheim hat für Jungen und Mädchen jeden Alters von 8 bis über 18 Jahren ein regelmäßiges Gruppenangebot, führt Freizeiten und Fahrten durch und hält eine enge Verbindung zum CVJM-Landesverband Baden im Lebenshaus in Unteröwisheim.

Informationen über den CVJM Münzesheim und seine Jugendarbeit gibt es auch im Internet unter www.cvjm-muenzesheim.de.

Durch die Corona-Bestimmungen ist derzeit natürlich vieles nicht möglich, dennoch treffen sich CVJMer und Freunde von Zeit zu Zeit – dann eben nicht im Jugendhaus, sondern online im Internet. „So kann man sich wenigstens auf dem Bildschirm sehen und ‚mitennaner schwätze‘“ sagt Jannik Höpfinger vom aktuellen Vorstandsteam.

Text: Martin Stock, Bilder: Jürgen Schwörer

Oma Hermine

„Da sitzt eine alte Frau bei der Kälte spät nachts noch auf der Bank vor dem neuen Seniorenhaus.“ Besorgt riefen Münzesheimer in der Diakoniestation an – damals als „Oma Hermine“ noch neu war und sie noch niemand kannte. Die Wogen konnten rasch geglättet werden. „Oma Hermine“ auf der Bank vor dem Seniorenhaus ist aus Beton und wurde von der Düsseldorfer Künstlerin Bärbel Kolberg dorthin gesetzt als Blickfang und Alltagskunstwerk. Bärbel Kolberg gestaltet Menschen aus Beton und setzt sie auf Müllcontainer und Gartenbänke oder lässt sie in Strandkörben ausruhen. In ganz Europa sind ihre Figuren zu finden. Jede ist ein Unikat, wie auch „Oma Hermine“ vor dem Seniorenhaus Kraichtal.

Schmunzelnd, hochherrschaftlich und zum Verwechseln echt nachgebildet sitzt „Oma Hermine“ mitten im dörflichen Leben von Münzesheim und „beobachtet“ das rege Treiben in der Unterdorfstraße. Sie trägt Kittelschürze und Brille, und neben natürlichen Altersfalten verbirgt sie selbst ihre Krampfadern nicht. Mit ihrem „Lebendgewicht“ von 150 Kilogramm ist „Oma Hermine“ im Seniorenhaus Kraichtal und für den historischen Ortskern von Münzesheim ein Hingucker ganz besonderer Art.

Kirche in Minze

Die katholische Kirche St. Andreas ist die jüngste Kirche in Münzesheim. Sie wurde in den Jahren 1963 bis 65 gebaut. Nachdem Münzesheim rein evangelisch geprägt ist, kamen erst mit den Heimatvertriebenen aus dem Osten katholische Christen nach Münzesheim. Sie fanden zunächst in der Kapelle der Methodisten eine Möglichkeit ihre Gottesdienste und Messen zu feiern. Die katholische Gemeinde wurde 1960 als Kuratie errichtet und 1973 zur Pfarrei erhoben. Sie gehört heute zur Seelsorgeeinheit Kraichtal-Elsenz.

Die Friedenskirche wurde mit viel Eigenleistung erbaut

Die Evangelisch-methodistische Kirche folgt als nächstes in der gedachten verbindenden Linie. Die Kraichtalgemeinden feierten 2015 ihr 150-jähriges Bestehen. Ursprünglich in der Kapelle am Kraichbach zu Hause, baute die Münzesheimer Gemeinde in den Jahren 1991 bis 1993 mit viel Eigenleistung ein neues modernes Kirchengebäude in der Unteren Hofstadt, die Friedenskirche.

Die evangelische Martinskirche befindet sich in der Ortsmitte und ist mit ihrem hohen Turm von allen Seiten erkennbar. Um 1273 wurde die St. Martinskirche das erste Mal erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten verschiedene Neu- und Wiederaufbauten. Die Martinskirche, wie sie heute steht, wurde zwischen 1856 und 1859 errichtet, wobei der Chorraum wohl auf den Grundmauern der Vorgängerkirche fußt.

Das andere Ende der gedachten Linie durch Münzesheim bildet der CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) mit seinem Jugendhaus Im Traubenacker in der Kraichbachaue am tiefsten gelegen in Münzesheim.

Wenn auch jede Gemeinde und der CVJM eine eigene Prägung hat und Tradition, rückt man heute doch näher zusammen in dem Bewusstsein und Wollen den Menschen am Ort mit einem christlichen Angebot zu dienen und auf Jesus Christus glaubwürdig hinzuweisen.

Vom Aschenputtel zum Schmuckstück

„Mord in Münzesheim“ – Das war im Jahr 1975 Schlagzeile und Tagesgespräch zugleich. Im Torwächterhaus, dem „Armenhaus“ im Stadtteil Münzesheim, der gerade neu gebildeten Stadt Kraichtal war Roswitha Knörr tot aufgefunden worden.„Mörder gefasst!“ ließ wenige Zeit später die Bürger wieder aufatmen.

So kam das Torwächterhaus von Münzesheim damals zu trauriger (Lokal-)Berühmtheit, wenn es auch sonst immer unscheinbar gewesen war.

Heute ist das älteste Gebäude des Stadtteils zu einem Schmuckstück geworden und fällt gleich ins Auge, wenn man in die Ortsmitte Richtung Rathaus kommt. Blumenschmuck auf den Fenstersimsen ziert es im Sommer und eine große Sonnenuhr von Willibald Burghardt auf der Südseite. Im Winter steht ein großer Weihnachtsbaum im kleinen Vorgarten und eine Holzkrippe.

Eine wechselvolle Geschichte hat dieses Haus geprägt. 1602 wurde es erstmals erwähnt. Es diente dem Torwächter als Wohnung und Dienststelle, um die Maut zu erheben. Es war Werkstatt, Geschäftsstelle und Ausweichquartier für Arme. Nach dem 2. Weltkrieg lebte in dem kleinen Häuschen 20 Jahre lang eine Familie mit bis zu sieben Kindern. Nach dem Mordfall war es die meiste Zeit unbewohnt und wurde nur bei Bedarf vermietet. Daneben wurde ein kleiner Ausstellungsraum mit Schaufenster angebaut, der mit einer hässlichen Plakatsäule das traurige Ambiente vervollständigte.

1994 nahm sich der Heimat- und Museumsverein des Häuschens an und verwandelte es Schritt für Schritt mit großem ehrenamtlichem Einsatz in das Schmuckstück wie wir es heute kennen. Es dient nun als Anschauungsobjekt sowie heimatkundlichen und -geschichtlichen Ausstellungen.

Text und Bilder: Martin Stock

Hilfe für Bauern

Oberhalb von Münzesheim liegen Versuchsfelder, wo Sortenversuche durchgeführt werden. Ein weißer Wegweiser mit der Aufschrift „Versuchsfeld“ zeigt die Richtung.

Versuchsfelder – Eine Hilfe für die Bauern Horst Sandbühler aus der Weierbachsiedlung bewirtschaftet die Felder nach den Vorgaben des Landwirtschaftsamtes. „Das Versuchsfeld in Münzesheim zeigt uns unmittelbar wie sich die einzelnen Getreidesorten unter bestimmten Bedingungen verhalten und entwickeln“, sagt Martin Ebert, ein Landwirt aus Gochsheim. „Wir können sie während des Wachstums immer wieder beobachten und unsere Schlüsse daraus ziehen.“

Wichtig sei, dass auf dem Versuchsfeld vergleichbare Bedingungen herrschten, wie auf den eigenen Feldern. So leisten die Versuchsfelder in Münzesheim einen wichtigen Beitrag für die regionale Landwirtschaft. Einmal im Jahr findet ein Versuchsfeldtag statt mit Schwerpunktthemen. Vertreter des Landwirtschaftsamtes erläutern die Versuche und führen über die Felder. Dann kommen Landwirte aus der ganzen Region nach Münzesheim, um sich zu informieren.

Ein wichtiges Thema ist dabei immer wieder die Bodenerosion und wie man sie verhindern kann. Durch die zum Teil steilen Hanglagen der Felder besteht immer wieder die Gefahr, dass Starkregen den fruchtbaren Lössboden abschwemmt – ein herber Verlust für die Landwirte.

Gemeinschaftsschule

Im Schuljahr 2014/2015 wurde die Markgrafen-Schule Gemeinschaftsschule (GMS). Hier können die Jugendlichen in Kraichtal einen vollwertigen mittleren Bildungsabschluss erwerben.

Nach den Sommerferien im Jahr 2014 bezogen 52 Schülerinnen und Schüler ihr neues Lernatelier. Weil die GMS einen höheren Raumbedarf hat, reichten die alten Schulräume nicht mehr aus. Der Gemeinderat hat deshalb grünes Licht für einen Schulerweiterungsbau gegeben. Dieser ist inzwischen abgeschlossen.

Zu Beginn des Schuljahres 2019/20 konnte die Markgrafen-Gemeinschaftsschule das neue helle und freundliche Schulgebäude beziehen. Das geplante Schulfest zur Eröffnung mit Tag der offenen Tür steht wegen der Corona-Pandemie aber immer noch aus. Der Schulbetrieb läuft gut und hat sich eingespielt. Die Schule ist in Kraichtal anerkannt als eine zeitgemäße Bildungsstätte, die den heutigen Anforderungen gerecht wird.

Geleitet wird sie von Rektor Matthias Fuchs. Dem Kollegium steht moderne Unterrichtstechnik zur Verfügung.   Damit ist die Markgrafenschule zu einer gemeinsamen Schule für ganz Kraichtal geworden und hilft mit, dass die Stadtteile weiter zusammenwachsen – eine „echte“ Gemeinschaftsschule für Kraichtal.

Begeben Sie sich auf eine erlebnisreiche Tour durch das beschauliche Fachwerkdorf bei unserem historischen Stadtrundgang im aktuellen April-WILLI

Aus RegioMagazin WILLI 4/21

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