Ballonfahren. Die Landschaft still unter sich lassen, vielleicht einen Sonnenaufgang genießen, über Felder, Wälder und Dörfer hinweggleiten und irgendwo ganz hinten am Horizont die bekannten Landmarken suchen. Davon träumen wohl viele, wenn über ihnen wieder einmal einer dieser bunten Riesen vorbeischwebt. Ein bisschen Freiheit, ein bisschen Abenteuer – und weit unten bleibt der Alltag zurück.
Bruchsal/Höhefeld | Ziemlich anders dürfte es Michael Kampmann am vergangenen Wochenende ergangen sein. Der erfahrene Bruchsaler Ballonpilot hatte wohl eher Gasflaschen, Höhenmesser, Variometer und GPS-Anzeige im Blick, den Brenner und heiße Luft über dem Kopf und Funkgeräte und Ventilleinen im Griff. Für romantische Naturbetrachtungen war wenig Zeit, Kampmann war nicht zum Träumen nach Höhefeld bei Wertheim gekommen, es galt Punkte zu sammeln und Baden-Württembergischer Meister im Ballonfahren zu werden.
Was auch geklappt hat, soviel vorweg genommen.
16 Ballone – und der Wind macht, was er will
Am Ende waren es 7.192. Genug für Platz zwei beim 1. Höhefelder Tauber-Franken-Cup und, noch wichtiger aus Bruchsaler Sicht, für den Titel des Baden-Württembergischen Meisters 2026.
Vom 3. bis 6. September trafen sich in Höhefeld 16 Pilotinnen und Piloten aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Darunter einige der derzeit erfolgreichsten deutschen Wettbewerbsfahrer. Eigentlich sollten mehrere Fahrten zeigen, wer Ballon und Wind am besten miteinander ins Gespräch bekommt. Nur hatte der Wind seine eigenen Vorstellungen.
Kräftige Böen sorgten dafür, dass mehrere Wettbewerbsfahrten abgesagt oder abgebrochen werden mussten. Zwei Fahrten blieben übrig. Zehn Aufgaben. Zehnmal die Gelegenheit, Punkte zu sammeln – oder sie irgendwo zwischen Himmel, Windrichtung und Zielkreuz liegenzulassen.
Kampmann sammelte sie souverän ein. Mit seinen 7.192 Punkten musste er sich in der Gesamtwertung lediglich Uwe Schneider geschlagen geben, der 7.342 Punkte erreichte. Sven Göhler folgte mit 6.972 Punkten auf Rang drei.
In der gleichzeitig ausgetragenen Baden-Württembergischen Meisterschaft reichte Kampmanns Ergebnis für ganz oben. Hinter ihm landeten Susanna Obieglo und der amtierende Deutsche Meister Dieter Ackermann.
Wer nun glaubt, so ein Ballonwettbewerb bestehe darin, den Brenner ordentlich aufzudrehen und schneller als die anderen über die Landschaft zu ziehen, muss umdenken. Die Kunst besteht darin, in unterschiedlichen Höhen jene Luftströmung zu finden, die den Ballon möglichst genau dorthin trägt, wo er hin soll. Ein paar Meter höher kann der Wind schon aus einer anderen Richtung kommen. Also Brenner an, steigen, beobachten. Oder Luft abkühlen lassen, sinken und hoffen, weiter unten die bessere Strömung zu erwischen. Was für die Zuschauer gemächlich aussieht, ist für den Piloten ein ständiges Rechnen, Beobachten und Entscheiden.
In Höhefeld warteten dabei Aufgaben mit Namen wie „Fly On“ oder „Qual der Wahl“. Mal waren Ziele vorgegeben, mal konnten sie selbst bestimmt werden. Teilweise mussten die Piloten kleine Marker möglichst dicht am Mittelpunkt eines am Boden ausgelegten Zielkreuzes abwerfen. Andere Ziele existierten nur digital und wurden mit einem Logger erfasst.
Bis zu 1.000 Punkte gab es pro Aufgabe. Bei zehn Aufgaben summierte sich das bei dem Bruchsaler auf jene 7.192 Punkte, die ihn schließlich auf das Podest brachten.
„Der Meistertitel und der zweite Platz in der Gesamtwertung bedeuten mir unglaublich viel“, erzählt Michael Kampmann gegenüber Landfunker. Bei dem starken Teilnehmerfeld und den schwierigen Wetterbedingungen sei bis zur letzten Aufgabe höchste Konzentration gefragt gewesen. „Dass es am Ende für den Baden-Württembergischen Meistertitel gereicht hat, ist ein großartiger Erfolg für unser gesamtes Team.“
Während einer oben fährt, fahren die unten hinterher
Denn so einsam, wie ein Ballon manchmal am Himmel aussieht, ist Ballonsport keineswegs. Während Kampmann mit der Startnummer 7 im „Eventstifter Racer“ unterwegs war, blieb sein Verfolgerteam am Boden dran. Wetter beobachten, Ballon vorbereiten, Fahrt verfolgen – und anschließend dorthin kommen, wo der Wind den Piloten am Ende abgesetzt hat. Ein Ballon hält sich nicht an Straßen, Ortsgrenzen oder Navigationsgeräte.
„Ein solcher Erfolg ist niemals die Leistung eines Einzelnen“, sagt Kampmann und dankt seinem Team für die Unterstützung und den Zusammenhalt während des Wettbewerbs. Unterstützung erhielt er zudem von seinem Werbepartner Eventstifter, der die Teilnahme mit dem Racer ermöglichte.
Während oben gerechnet, gestiegen, gesunken und um Punkte gekämpft wurde, entwickelte sich die Premiere in Höhefeld am Boden zum Großereignis. Nach Angaben der Polizei kamen allein am Samstag rund 10.000 Besucher. Die Dorfgemeinschaft hatte sich über Monate auf das Wochenende vorbereitet und am Boden gab es einiges zu erleben: Modellballone, Hubschrauberrundflüge, Fallschirmsprünge und am Abend Ballonglühen.
Für Michael Kampmann konnte jedenfalls zwei Pokale mit nach Bruchsal nehmen: der zweite Platz im Tauber-Franken-Cup und der Titel des Baden-Württembergischen Meisters.












Super Glückwunsch meine Tochter ist heute morgen mit dem Ballon gefahren über Bruchsal Geburtstaggeschenk sie war begeistert. Tolle Orga und perfekte Abwicklung. Vielen Dank. Gruss Andrea