„Nachgedacht“ – Bildungsstätte altes Feuerwehrhaus – Betretenes Schweigen

Icon-Stadtmagazin WILLIBruchsal steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Was tun mit dem Gelände des alten Feuerwehrhauses? Dort, wo einst die jüdische Synagoge stand, die 1938 von Bruchsaler Nazis mit angezündet wurde. Einige der älteren Mitbürger erinnern sich bis heute an dieses fürchterliche und grauenhafte Ereignis.

Soll neben der Erweiterung der Handelslehranstalt ein Haus entstehen, das an die jüdische Kultur und Geschichte Badens erinnert? Diese Idee findet die Unterstützung der Nachkommen der Bruchsaler Juden, die von den Nazis vertrieben und ermordet wurden. Oder wird es ein sogenannter „Denkort Fundamente“, bestehend aus Handelslehranstalt, Erinnerung an jüdische Geschichte und einem Bildungsort für die Feuerwehr? Dieses Projekt wird von der Verwaltungsspitze und dem Gemeinderat fast einstimmig favorisiert.

Was bisher aber schon feststeht: Weder Bruchsaler Verwaltung noch Gemeinderat oder Landesbeauftragte haben sich bisher in dieser Sache mit Ruhm bekleckert. Manche Nebelkerze wurde geworfen, verschwurbelte Interviews gegeben und man vergriff sich im Ton.

Warum ich darauf komme? Nun ja. Als die SEW, nicht ganz uneigennützig, der Stadt ein neues Feuerwehrhaus spendierte, war in weiten Teilen des Gemeinderates klar, was mit dem alten Areal zu pas-sieren hätte: Wohnraum für Betuchte, Gastronomie und Handel. Einnahmen, so betonten Gemeinderäte aus der politischen Mitte, sollten die klammen Stadtsäckel füllen. Jetzt auf einmal Kassensturz, fragte sich mancher Beobachter?

Nachdem diese indiskutablen, ja beschämenden Stimmen verebbten, entstanden innerhalb der Verwaltungsspitze große Pläne. Und nach Konsultationen auf Landesebene wurde der nun vorliegende Entwurf propagiert, der eine landesweite Bildungsstätte der Feuerwehren beinhaltet. Aber wie ist dies wohl abgelaufen?

Ob die Idee wirklich aufgeht?

Wohl nicht ohne die Überlegung, dass unsere Oberbürgermeisterin, Cornelia Petzold-Schick, sich auch selbst Denkmäler setzen will – in bester Absicht; und – da um die Stimmen der Gemeinderäte bemüht – unter Schonung des städtischen Haushalts.

Dabei ist offensichtlich: Hätte Bruchsal keine Landesfeuerwehrschule, so wäre niemand auf die Idee gekommen, eine Bildungsstätte der Feuerwehr auf dem ehemaligen Synagogengelände zu errichten. Es geht schlussendlich darum, etwas zu schaffen, das zivilgesellschaftlich sinnvoll erscheint, Bruchsal stärkt, und – das sollte betont werden – die Möglichkeit bietet, Landesgelder nicht nur kurzfristig anzuzapfen, sondern mittelfristig zu akquirieren, um so die Finanzierung jenseits der Stadtkasse zu garantieren! Ein Haus der jüdischen Kultur und Geschichte Badens erscheint der Verwaltungsspitze dabei als zu großes finanzielles Risiko. Kann man dies aber nicht wenigstens offen sagen?

Ob die Idee eines Bildungszentrums der Feuerwehr, wie es auch der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, befürwortet, tatsächlich aufgeht? Er hatte in einem Interview die zukünftige Bildungsstätte gar als den europäischen Knotenpunkt eines Netzwerkes von mitfühlenden, verschwörungstheorieresistenten, klimabewussten Feuerwehren auserkoren. Dies überforderte selbst die Vorstellungskraft der engagierten Redaktionsleiterin der Lokalzeitung. Und natürlich (ganz nebenbei…) solle laut Blume auch ein Büro der jüdischen Akademie im Bildungszentrum Platz finden.

Ob Blumes Vorstellungen die Feuerwehr nicht unnötig politisch instrumentalisiert; etwas, das gerade angesichts unserer Geschichte unangebracht ist? Könnte sich Blume nicht vorab schon einmal für die Abschaffung von Bezeichnungen wie Gruppenführer oder Untergruppenführer
bei der Feuerwehr einsetzen? Wie wäre es mit dem Begriff „Leiter“? Man darf gespannt sein, wie in der Angelegenheit um das alte Feuerwehrhaus am Ende entschieden wird. Auch der Vorgänger unserer OBin, Bernd Doll, wollte sich mit der International University ein Denkmal setzen – im Verbund mit fast allen Gemeinderäten und Teilen des Landtags. Schlussendlich versenkte Doll einige Millionen (auch mangels Durchhaltevermögen angesichts wachsender politischer Querschüsse…?). Allerdings betraf dies nicht den städtischen Haushalt, nein, im Landesetat verpuffte die Anschubfinanzierung.

Apropos Finanzierung: Ein Fraktionsvorsitzender im Bruchsaler Gemeinderat, des Antisemitismus eher unverdächtig, meinte gar in der Debatte um das Gelände der ehemaligen Synagoge darauf hinweisen zu müssen, dass es Bruchsal an einem reichen jüdischen Bankier ermangele. Ich erspare Ihnen, hier Namen zu nennen. Die Reaktion des Gemeinderats und der Sitzungsleiterin, Petzold-Schick: Betretenes Schweigen!

Gerüchteweise ist daher für den Bruchsaler Gemeinderat und die Verwaltungsspitze schon ein Seminarzyklus im neuen Denkort reserviert. Thema: „Falsch verstandener Corpsgeist nicht nur unter Uniformierten – Wann ist es bei Gemeinderatssitzungen Bürgerpflicht, nicht nur betreten dreinzublicken?“.

Text: Hubert Hieke

Aus RegioMagazin WILLI 10/2021

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