OBERGROMBACH/SÜNG, 17. AUGUST 2026 | Es gibt Dinge, von denen ein Fußballer irgendwann Abschied nehmen muss. Vom Sprint über 40 Meter zum Beispiel. Von der Hoffnung, montags ohne ein verdächtiges Ziehen im Oberschenkel aus dem Bett zu kommen. Vielleicht auch von der Vorstellung, einen 19-Jährigen noch mit einer eleganten Körpertäuschung stehen zu lassen. Vom Fußball selbst muss er sich deshalb noch lange nicht verabschieden.
Genau an dieser Stelle kommt eine Sportart ins Spiel: Walking-Fußball. Beim FC Obergrombach hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die überwiegend aus ehemaligen Fußballern besteht. Männer also, denen man vermutlich nicht lange erklären muss, was ein Doppelpass ist. Eher muss man ihnen gelegentlich erklären, dass sie dabei nicht losrennen dürfen.
Der Badische Fußballverband beschreibt die Spielform als körperlich schonendere Alternative insbesondere für Fußballbegeisterte nach Verletzungen, Menschen im fortgeschrittenen Alter, Spieler mit geringerem Fitnesslevel. Eine Altersgrenze braucht es grundsätzlich nicht.
Die wichtigste Regel ist schnell verstanden: Wer rennt, macht was falsch. Beim Gehen muss mindestens ein Fuß ständig Bodenkontakt haben. Grätschen und harter Körperkontakt bleiben draußen, auch hohe Bälle sind begrenzt. Es braucht auch weder Videoassistent noch kalibrierte Linien.
Fußball mit angezogener Handbremse?
Wer glaubt, deshalb könne man gemütlich mit dem Ball über den Platz schlendern, darf diese Theorie gerne einmal praktisch überprüfen. Walking-Fußball ist langsamer als das klassische Spiel, aber keineswegs bewegungsarm. Positive Effekte für Ausdauer und Herz-Kreislauf-System sind garantiert.
Aber vor allem bleibt das erhalten, weshalb viele seit ihrer Jugend auf die Sportplätze gehen: Gegner, Tore, Fehlpässe und diese kurzen Momente, in denen der Pass genau dort hinkommt, wo er sollte.
Und auf einmal: Turniersieger!
Am 15. August wurde aus der Obergrombacher Runde erstmals eine Turniermannschaft. Beim Silberfüchse Cup des SSV Süng trat der FC Obergrombach gegen andere Walking-Fußball-Teams an.
Gespielt wurde nach dem sogenannten Schweizer System. Dabei gibt es keine klassische Gruppenphase mit fest eingeteilten Gruppen. Die Mannschaften werden in einer gemeinsamen Wertung geführt und treffen im Turnierverlauf auf unterschiedliche Gegner, wobei die bisherigen Ergebnisse Einfluss auf die weiteren Paarungen nehmen.
Fünf Spiele später standen 13 Punkte und ein Torverhältnis von 10:2 auf dem Zettel. Ungeschlagen. Im abschließenden Spiel gegen Fortuna Bottrop genügte ein 0:0. Dann war aus dem ersten Ausflug zu einem Walking-Fußball-Turnier gleich ein Turniersieg geworden.
Jetzt kann man darüber schmunzeln, aber das nehmen einem die Sportler nicht übel. Denn: Hinter dieser kuriosen Sportart steckt ein ziemlich ernstzunehmender Gedanke: Menschen können ihren Sport behalten, wenn das Herz „Ja“ sagt, aber der Körper „Nö“.
Hier Herz, dort Kommerz
Und bedenkt man, was aus dem großen Fußball geworden ist, so ist Walking-Fußball der absolute Gegenentwurf dazu. Während die einen darauf achten, dass beim Gehen immer schön ein Fuß am Boden bleibt, überlegen sich die anderen, wie man die Fans noch mehr schröpfen kann, um die WMs, die Ligen und die monetären Erträge noch gigantischer zu machen. FIFA-Präsident Gianni Infantino lieferte dafür erst jüngst Anschauungsmaterial. In Obergrombach braucht es erstaunlich wenig, um Fußballer glücklich zu machen.
Fotos: FC Obergrombach










