Klamme Kommunalhaushalte 2026 | „Nachgedacht“ aus dem WILLIVERSUM

Icon-Stadtmagazin WILLI

Unlängst fand sich in einer Tageszeitung folgende Überschrift: „Wer früher stirbt, spart“. Ganz so drastisch wollten es die Gemeinderäte in Bruchsal dann doch nicht formulieren, als sie die satten Erhöhungen der Friedhofsgebühren von teilweise 30 Prozent beschlossen. Aber es ist unverkennbar: Es geht bei den Kommunalfinanzen ans Eingemachte und die Verblichenen sollen dabei ebenfalls ihren Beitrag leisten!

Worum geht es hier?
BruchsalKommunalfinanzenFriedhofsgebührenGewerbesteuerKreisumlageBrettenUnterfinanzierung

Aus der WILLI-Reihe „Nachgedacht | Von Hubert Hieke

Denn dass die kommunalen Kassen leer sind, ist inzwischen selbst politisch Desinteressierten hinreichend bekannt. Und die Zeit, als (Ober-)bürgermeister Geld verteilen konnten, Personal für allerlei Dinge aufstockten und manch Überflüssiges finanzierbar war, sind vorbei. In den Kommunen werden zukünftig kleinere Brötchen gebacken. Und Landrat Christoph Schnaudigel hat recht, wenn er meint, die Landkreise könnten gar nicht so schnell sparen, wie neue Bundes- und Landesgesetze zusätzliche Millionen verschlingen. Muss man zur umlage- und steuerfinanzierten Erholung oder Reha auch unbedingt nach Sylt? Muss das Bundesteilhabegesetz so ausgestaltet sein, dass es zig Millionen verschlingt, aber kaum etwas bei den Betroffenen ankommt? Warum stellen Bund und Land nicht die Mittel zur Verfügung, die in Folge der Bundes- und Landesgesetzgebung seit der Flüchtlingskrise in Form der Anschlussunterbringung die Kreise und Kommunen mit Millionenbeträgen belasten?

Alle Kommunalpolitiker verweisen inzwischen auf diese unhaltbaren Zustände, die auch das CDU-Urgestein Werner Schnatterbeck unter dem Stichwort „fehlende Konnexität“ erneut in der Haushaltssitzung des Bruchsaler Gemeinderats anmahnte. Fast alle Gemeinden begehren zunehmend gegen den Zustand auf, dass Bund und Land bestellen, aber nicht zahlen! Und damit sollte tatsächlich endlich einmal Schluss sein. Aber wird dies überhaupt gehört? Es ist ein Skandal, wie Bund und Länder die Kommunen quasi an den Haken hängen und finanziell ausbluten lassen. Im kommenden März sind ja Landtagswahlen. Bei den entscheidenden Haushaltsberatungen in Bruchsal war aber der CDU-Kandidat Thorsten Schwarz abwesend. Und auch für seinen SPD-Gegenkandidaten Christian Holzer traf der Slogan „Holzer hört zu“ an diesem Abend nicht zu. Allein Ulli Hockenberger, der scheidende CDU-Direktkandidat war zugegen und drehte in den Sitzungspausen seine Pirouetten.

Wie sehr die Finanzen im Argen liegen, sieht man nicht nur in Bretten, wo der Etat schon lange in Schieflage ist und die Verschuldung unweigerlich ansteigt. Die Schließung bei Neff wird den Druck im Haushaltskessel weiter erhöhen und Oberbürgermeister Nico Morast ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Gerade die Schulsanierungen verschlingen in Gemeinden wie Bretten und Bruchsal Abermillionen, die Auflagen bei energetischer Sanierung oder Brandschutz fressen sich durch die Budgets und treiben manche Verantwortliche angesichts der finanziellen Folgen fast in den Wahnsinn. Bruchsal konnte sich angesichts der Gewerbesteuereinnahmen der florierenden SEW manches leisten. Aber auch hier wird nun der Rotstift angesetzt. Persönliche Steckenpferde, wie ein European Energy Award, der jahrelang die Verwaltung unnötigerweise auf Trab hielt und zu nichts anderem führte, als dass sich Bruchsal und allen voran deren damalige Chefin Cornelia Petzold-Schick mit einem fragwürdigen, kostenträchtigen Titel einer privaten Organisation schmücken konnte, gehören zu Recht der Vergangenheit an. Denn Derartiges erinnert eher an silberne und goldene Ehrennadeln, die manche Jacketts verunstalten, beim Anheften gelegentlich die Kleidung ruinieren und bestenfalls am Ende in Schränken still und leise vor sich hin rosten.

Kommunen erhöhen Gebühren wegen chronischer Unterfinanzierung.

Nun aber zwei Nachrichten: Eine schlechte und eine sehr schlechte. Die gegenwärtige wirtschaftliche Schwäche wird Deutschland bis hinein in unsere Regionen fest im Griff behalten, denn der zunehmende Mangel an internationaler Konkurrenzfähigkeit, getrieben durch allerlei unsinnige Gesetzgebung wird anhalten. Die Krise ist strukturell, nicht konjunktureller Natur. Und die zweite Nachricht: Noch scheinen Bund und Länder nicht wirklich begriffen zu haben, was die Stunde geschlagen hat. Auch scheint man dort unwillig, die Kommunen tatsächlich zu unterstützen. Die Gelder aus dem Sondervermögen in Form von Sonderschulden werden wohl nur ein Tropfen auf die glühenden Kommunalsteine sein. Da jetzt die Einnahmen wegbrechen und die Ausgaben ins Exorbitante steigen, versuchen die Gemeinden in ihrer Hilflosigkeit gegenzusteuern und erhöhen Abgaben oder Grund- und Gewerbesteuersätze. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Fast alle Ausgaben sind Pflichtleistungen, freiwillige Dinge werden zunehmend zusammengestrichen. Sollte es aber in unserer Gegend in zwei, drei Jahren tatsächlich an die Freibäder gehen, dann müssen sich die Kommunalpolitiker warm anziehen.

Dass der hochdotierte Verbandsdirektor des Regionalverbandes Karlsruhe Matthias Proske meint, strukturschwache Gemeinden könnten sich mit Windkraft sanieren, ist dabei ein Erpressungsversuch sondergleichen. So viel subventionierte Windräder lassen sich gar nicht in die Landschaft stellen, um die ständigen Erhöhungen bei der Kreisumlage aufzufangen.

Was es nun braucht, sind entscheidungsfreudige Verwaltungschefs. Sie müssen einerseits ihren Laden zusammenhalten, die Verwaltung motivieren, gemeinwohlorientiert handeln, aber auch Durchsetzungsvermögen und eine klare Zielorientierung besitzen. Glücklicherweise gibt es diese Personen. So scheint der Gondelsheimer Bürgermeister Markus Rupp sein Handwerk nicht nur zu beherrschen, sondern auch zu lieben. Dass die KVV-Oberen ohne Absprache mal so eben einen Schülerbus aus dem Winterfahrplan nehmen, nimmt er nicht einfach lautlos hin. In Ubstadt-Weiher, Forst und Karlsdorf-Neuthard fanden sich neue Kräfte. Und für Bruchsal scheint mit Oberbürgermeister Sven Weigt nun ein Verwaltungschef am Ruder, bei dem auch anfangs Skeptische zunehmend ein essentielles Attribut erkennen: Der Mann hat Format. Zu hoffen ist, dass dies so bleibt. Garantiert ist es auch bei Weigt nicht, scheinen Ämter deren Inhaber fast unweigerlich zu formen und bisweilen zu verformen.

Bund und Länder lassen Kommunen finanziell allein.

Die Region kann sich damit glücklich schätzen, denn anders sieht es ja in Kommunen wie Baden-Baden aus, wo niemand den Schlamassel ausbaden möchte, den der amtsunfähige und verkehrsuntüchtige aber dennoch autofahrende Dietmar Späth angerichtet hat. Auch über die Pforzheimer Verhältnisse kann man nur den Kopf schütteln, wo der scheinbar unausgelastete Oberbürgermeister Peter Boch meint, sich nebenbei mit lukrativen Beratungstätigkeiten die Taschen füllen zu müssen.

Es wird dem Bürger in den nächsten Jahren wohl nicht an den Kragen, aber zunehmend an den Geldbeutel gehen. Ob er aber durch vorzeitiges Ableben tatsächlich sparen könnte, ist zu bezweifeln. Spitz hat die Bruchsaler Verwaltung errechnet, dass 80 Prozent der Kosten für den parkähnlichen Friedhof den Toten zuzurechnen sind. 20 Prozent der Kosten können der Erholung der Lebenden zugerechnet werden. Deshalb wird dann auch die Standfestigkeit von Steinen auf den Wiesengräbern jährlich überprüft. Um festzustellen, ob ein Grabstein wackelt, werden dafür jährlich 3,20 Euro fällig, und zwar für 20 Jahre vorab. Wahrscheinlich läuft alle Nase lang einer der Friedhofsbediensteten durch die Grabfelder und rüttelt an den Steinen. Ob er sich dabei bekreuzigt, ist nicht überliefert. Eine gute Sache ist dies dennoch, wird dadurch doch sichergestellt, dass die Toten nicht posthum den Lebenden gewissermaßen auf die Füße fallen.

Übrigens: Ihnen ein gutes Jahr 2026

Aus RegioMagazin WILLI 01/2026 | Text: Hubert Hieke

 

DIE NEUSTEN
FILMBERICHTE
VON
KRAICHGAU TV

UNSER FAMILIEN-TIPP | 27.9. | Ein Tag im Wald: Natur pur beim AOK-Walderlebnistag

  Am 27.9. 2026 findet zum vierten Mal der beliebte WALDERLEBNISTAG in Karlsdorf-Neuthard statt. Unser Bericht zeigt, was Sie und Ihre Familie erwartet. Die AOK...

Picknick in BlauWeiß – Der Film

BRUCHSAL | Ein wunderschöner Sommerabend, mitgebrachte Tische und Stühle, Musik unter dem Fächerdach und viele Gespräche: Mit dem „Picknick in Blau-Weiß“ präsentierte sich das...

DIE SPRECHSTUNDE: Feste Zähne an einem Tag? Was Implantate heute tatsächlich können

„Zahnarztstuhl. Ein Wort, das bei den meisten Menschen eher den Fluchtreflex als Vorfreude auslöst. Wenn dann noch Begriffe wie ‚Komplettsanierung‘ oder ‚Kieferknochen‘ fallen, ist...

SO WAR’S | Mode, Bücher und Genuss: Unterwegs beim Bruchsaler Herbstfest

Herbstliche Stimmung, volle Straßen und jede Menge zu entdecken: Beim Bruchsaler Herbstfest waren Kim und Olaf gemeinsam in der Innenstadt unterwegs und haben sich...

Ausflugstipp: Noch bis 4. Oktober zur Landesgartenschau Ellwangen

Rund 150 Kilometer vom Kraichgau entfernt liegt Ellwangen – weit genug für einen kleinen Tapetenwechsel, aber nah genug für einen Tagesausflug. Noch bis zum...

Das Gedächtnis von Bruchsal

Video-Archivbeitrag | Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis einer Kommune. Dass es in Bruchsal hinter Panzerglas und einer Tresortür untergebracht ist, liegt allerdings daran, dass...

SO WAR’S | Kleiner, aber nicht leiser: Saalbachsounds Popup Edition rockt Bruchsal

Eigentlich sollte es erst 2027 wieder heißen: Verstärker aufdrehen und Bühne frei für Saalbach Sounds. Doch zwei Jahre ohne Festival waren den Bands offenbar...

Einfach mal machen: Nadia Ayche über Helfen, Anpacken und Loslassen

Nadia Ayche aus Büchenau hat erlebt, was entstehen kann, wenn Menschen nicht lange reden, sondern einfach anfangen zu helfen. Im Stadtstudio erzählt sie von...

Unterwegs durch die Geschichte Philippsburgs

PHILIPPSBURG | Einst Residenzstadt, später mächtige Festung und schließlich Schauplatz eines verheerenden Bombardements: Philippsburg blickt auf eine Geschichte zurück, von der im heutigen Stadtbild...

Heute interessant

Zur Zeit interessant

Unser Event-Tipp | 01.10. | Erben, Schenken, Nachfolge: Erbschaftsforum informiert in Forst

Datum: Donnerstag, 01.10.2026 · 18:00–21:49 Uhr Ort: Alex-Huber-Forum, Forst Zum Veranstaltungseintrag...

SO WAR’S | Mode, Bücher und Genuss: Unterwegs beim Bruchsaler Herbstfest

Herbstliche Stimmung, volle Straßen und jede Menge zu entdecken:...

Fahrerhaus völlig zerstört: Lkw-Fahrer bei schwerem A5-Unfall nur leicht verletzt

WEINGARTEN, 22. SEPTEMBER 2026 | Ein schwerer Lkw-Unfall hat...

Nächtlicher Autobrand beschäftigt Ermittler

KARLSDORF-NEUTHARD | Nach dem Brand eines geparkten Autos im...

»Kampmanns Kraichgau« – Unsere Heimat bekommt eine neue Perspektive

Landfunker-Region | Felder werden zu Mustern, Straßen zu feinen...

Die B35 Baustelle wandert weiter – Bauabschnitt 3b bringt wenig Änderungen

20.9.26 | Pünktlich wie angekündigt werden die Bauarbeiten einen...

Warum der Aufzug an der Bahnunterführung seit Wochen stillsteht

BRUCHSAL | Der Aufzug am Westportal der Bahnunterführung beim...

Anzeige

spot_img
spot_img
spot_img

Auch interessant

Es gibt noch mehr zu entdecken