Als ganz Neuenbürg Theater spielte: Die „Jedermann“-Spiele leben in einer Ausstellung weiter

Gochsheim/Kraichtal, Juli 2026 | Im Graf-Eberstein-Schloss in der Kraichtaler Museumsstadt Gochsheim erinnert eine aktuelle Ausstellung an die „Jedermann“-Spiele von 1950 in Neuenbürg, heute ein Stadtteil von Kraichtal. Anlass ist der 130. Geburtstag des Künstlers Karl Hubbuch, der die damaligen Aufführungen mit Bühnenbildern und Werbemitteln unterstützte.

 

Es muss ein außergewöhnlicher Sommer gewesen sein. Dort, wo heute die Jedermannstraße an vergangene Zeiten erinnert, strömten vor 76 Jahren Tausende Menschen in das kleine Dorf Neuenbürg. Zwischen dem 20. August und dem 3. September 1950 wurde die Gemeinde zur Freilichtbühne. Das Schauspiel „Jedermann – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ lockte rund 2.000 Besucherinnen und Besucher an – eine beeindruckende Zahl für den damaligen Ort.

Die Idee dazu hatte der Dorfschullehrer Walter Weckenmann. In den schwierigen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wollte er vor allem jungen Menschen Orientierung und Halt geben. Theater sollte nicht nur unterhalten, sondern Gemeinschaft stiften und zum Nachdenken anregen.

Ein ganzes Dorf spielte mit

Schon in den Jahren 1946 und 1947 standen zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner selbst auf der Bühne. Auch die „Jedermann“-Spiele wurden zu einem Gemeinschaftsprojekt, das weit über die Ortsgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte. Die Botschaft des Werkes von Hugo von Hofmannsthal – dass materieller Reichtum und irdische Freuden vergänglich sind – hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.

Die Titelseite des von Karl Hubbuch gestalteten Flugblatts

Mit dem Ereignis eng verbunden ist auch der Künstler Karl Hubbuch (1891–1979). Durch sein Elternhaus hatte er enge Beziehungen zu Neuenbürg. Er unterstützte die Aufführungen, entwarf Bühnenbilder und gestaltete die Werbemittel. Seine Arbeiten trugen dazu bei, dem Theaterereignis ein unverwechselbares Gesicht zu geben.

Eine Ausstellung hält die Erinnerung lebendig

Wer heute durch die Räume des Graf-Eberstein-Schlosses geht, begegnet nicht nur dem Künstler Karl Hubbuch, sondern auch einem besonderen Kapitel der Kraichtaler Geschichte. Anlässlich seines 130. Geburtstages wurde dort ein eigener Ausstellungsraum zu den „Jedermann“-Spielen eingerichtet. Fotografien, Dokumente und Erinnerungsstücke lassen einen Sommer wieder aufleben, in dem ein kleines Dorf zur großen Bühne wurde.

Die Ausstellung ist sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Bild: Flugblatt der „Jedermann“-Spiele, gestaltet von Karl Hubbuch.
Quelle: Stadt Kraichtal

 

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