Wer ist hier die Flachzange?
Aus der Reihe: NO COMMENT!
Eigentlich wollte ich die rhetorischen Ergüsse den großen Medien überlassen. Aber irgendwie sehe ich es als Bürgerpflicht, auch im Kleinen zu antworten.
Gehört die sprachliche Umweltverschmutzung der Flachzangen-Rhetoriker überhaupt in öffentlich-Rechtliche Sender? Muss ich mir den Politikverkäufer Siegmund antun, der mir seine Duftmarken verkaufen will? Könnte er nicht einfach verduften?
Nach den üblen Auftritten der Dichter und Denker der AfD denke ich, sollte man Kritik an den Sprücheklopfern/innen nicht nur den großen Medienanstalten überlassen. Rechts ist nämlich überall. An jedem Stammtisch sollte man deshalb dieser populistischen Rhetorik widersprechen und nicht einfach für wahr halten, was ein internetgebildeter Tiktoker als Wahrheit verkauft. Auch wenn man nicht für jeden Politiker die höchste Qualifikation einfordern muss, muss man sich noch lange nicht mit ehemaligen Pornodarstellern, Fälschern oder Demokratiefeinden einlassen. Anstand sollte das Maß und die Anforderung an ein politisches Amt wenigstens verlangen. Und da wird’s bei Manchen schon ganz eng.
Journalisten müssen sich auch nicht wegrempeln lassen, wenn sie ihren Job machen, müssen sich nicht Bedrohungen aussetzen und Anfeindungen ertragen. Das gilt für Rechts wie Links, für Trump wie Putin, aber auch für uns im kleinen WILLI-Land. Wir, Sie, Du und ich, wir alle sollten uns für die einsetzen, die uns die Wahrheit vermitteln wollen. Wenn die Rechten sagen was Recht ist, dann werden wir nur noch deren Wahrheit erfahren. Mittlerweile gilt je aggressiver, je rechter, je radikaler, umso besser. Das finden immer mehr Menschen schick und verwechseln Wahrheit mit Lautstärke. Aber wer den Unterschied zwischen Tiktok und Tagesschau nicht kennt, der hat andere Wahrheiten. Und wie ernüchternd die Antwort: „Steht im Internet, habe ich auf Insta gelesen oder Telegram gesehen“.
NEIN, dort haben keine aufrichtigen, gelernte Journalisten recherchiert.
CUI BONO?
Merken Sie sich diese zwei Worte, die übersetzt bedeuten: „Wem nützt es“. Die Frage, die man stets stellen sollte, wenn man etwas sieht, liest oder hört.
Zurück zur Ausgangslage: Muss ich mir die rhetorischen, stammelnden dauerginsenden Highflyer antun? Sie stehen nun dummerweise immer in der Reihe mit anständigen politischen Vertretern vor der Kamera, die mich interessieren. Ich kann also nicht abschalten, sondern muss ausblenden. Fremdschämen für Deutschland, wenn ich mir vorstelle, dass diese Schaumschläger mich in der Welt repräsentieren. Muss ich als Zahler von Rundfunkgebühren diese rhetorische Umweltverschmutzung hinnehmen?
Die Auftritte: oft genug verlogen, populistisch, demütigend, menschenverachtend und hasserfüllt. Inhaltsleer sowieso, lösungsorientiert ein Fremdwort. So stammeln sie sich durch die Talkrunden. Und finden sich gut darin, die Fragesteller verächtlich zu machen, zu drohen, lächerlich zu machen oder Fragen einfach zu ignorieren.
Gleichwohl sind die (bemitleidenswerten) Moderatoren bemüht, den Anstand zu wahren, während die Gesprächspartner aus der rhetorisch-intellektuellen Amateurliga nichts auslassen, um zu provozieren, Lügen in Sätze zu fassen oder Falschbehauptungen abzusondern, die man erstmal so stehen lässt, weil es eh keiner nachprüfen kann oder will.
Ich fühle mich erinnert an „Biedermann und die Brandstifter“ denen er mit Freundlichkeit, Fairness und Gerechtigkeit begegnet, obwohl er wissen musste, dass sie seine Hütte anzünden wollen.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, beachten Sie, dass Sie den Ast absägen, auf dem Sie sitzen, wenn Sie der Wahrheit die Freiheit nehmen. Es gilt der Satz: Wer Fakten nicht wissen will, den kann man nicht mit Fakten überzeugen. Das ist ein Dilemma.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die politisch etablierte Kaste seit Jahrzehnten mit Postengeschacher, Listenplätzen und Versorgungsposten wenig Gespür dafür entwickelt hat, dass sie Vorbild sind. Das fällt ihnen nun auf die Füße. Nicht weil die Rechten es anders machen würden, im Gegenteil, aber weil sie das Tor dafür geöffnet haben, sodass die „da unten“ nachdenken. Hauptsache anders.
„Politisch entzaubern“ traue ich keiner der Parteien zu. Aber ich bin sicher, dass sich die Rechten selbst entzaubern, wenn sie erstmal liefern müssen. Dann genügen weder Grinsebackes Mopedtour, Weidels Gesaiere noch Chrupallas intellektuelle Höhenflüge, die rechtschaffenen Leute zu überzeugen, die sie in die Falle gelockt haben.
Ich wünsche uns, dass wir alle Türen offenlassen und die einen ehrlich genug sind und mit etwas Demut bereit sind zu sagen: „Nicht alles haben wir richtig gemacht“. Und ich wünsche mir, dass die meisten der Verärgerten es nochmal mit den Anständigen im Land versuchen. Dann könnten wir die Mitte finden, in der man sich vernünftig streiten kann.
Schließlich sei die AfD nur ein Luftballon, der immer größer wird, aber innen sei eben nur Luft.
U. Konrad
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