Vortrag zu KI bei der Kulturinitiative Bruchsal: Drei Fragen an Prof. Grunwald

Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft, Gesellschaft und unseren Alltag. Doch was bedeutet diese Entwicklung für den Menschen, seine Freiheit und seine Fähigkeit, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden?

 

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Veranstaltung der Kulturinitiative Bruchsal „Begegnungen – Künstliche Intelligenz und die Frage nach dem Menschen“ am Dienstag, 16. Juni, um 19.30 Uhr im Schönborn Gymnasium Bruchsal, Belvedere 6. Hauptredner ist Prof. Dr. Armin Grunwald, Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) und Professor für Technikphilosophie am KIT.

Voranmeldung erwünscht bei: Kulturinitiative Bruchsal

Im Vorfeld der Veranstaltung haben wir Prof. Dr. Armin Grunwald drei Fragen zu Chancen, Risiken und den gesellschaftlichen Folgen der Künstlichen Intelligenz gestellt. Die Fragen stellte Hubert Hieke.

 


 

Künstliche Intelligenz (KI) erscheint vielen Menschen inzwischen mehr als eine Gefahr, denn als Segen. Wie ist Ihre Einschätzung?

Prof. Grunwald: Wie eigentlich immer bei neuen Technologien ist es beides. Ob nun mehr Gefahr oder mehr Segen, wird erst die Zukunft zeigen. Jetzt geht es darum, alles zu tun, um die Chancen zu nutzen aber ohne in die Gefahren hinein zu laufen. Wichtig ist dabei, dass nicht die KI das Problem ist – das Problem sind die Menschen, Unternehmen oder Staaten, die die KI für undemokratische, imperialistische oder kriminelle Ziele einsetzen. Leider gehören dazu auch einige der mächtigsten Menschen auf der Welt.

KI ist inzwischen treibende Kraft wirtschaftlicher Entwicklung und militärischer Stärke. Wird KI aber gleichzeitig durch Cyberkriminalität, Fake News und der Schaffung alternativer Fakten und Wirklichkeiten nicht zur ultimativen Gefahr für westliche Demokratien und deren gesellschaftliches Gefüge?

Prof. Grunwald: Viele der Probleme sind gar nicht KI-typisch, sondern seit der Digitalisierung, der Internetkommunikation und dem Aufkommen der sozialen Medien bekannt. Durch KI werden sie aber verschärft, zumal diktatorische Staaten, undemokratische Regierungen und mächtige Unternehmer sie ganz gezielt zur Destabilisierung von Demokratien einsetzen. Hier sind die Demokratien gefragt, sich mit demokratischen Mitteln wie guter Regulierung zur Wehr zu setzen.

Welche Auswirkungen wird KI längerfristig auf Moral und Ethik haben? Rücksichtslos treiben amerikanische Eliten wie Elon Musk die KI-Forschung voran, um noch zu Lebzeiten auf Festplatten transferiert vermeintlich digital unsterblich zu werden. Wird die Menschheit, wie wir sie kennen, irgendwann nur noch in zoologischen Gärten als Relikt vergangener Zeiten anzutreffen sein?

Prof. Grunwald: Die korrekte Antwort ist: das werden wir sehen. Persönlich habe ich zwar einige Sorgen, bin aber kein Pessimist. Ich traue uns Menschen trotz aller Schwächen auch viel zu, besonders in Zeiten der Bedrohung. Falls es zu Versuchen kommt, die Menschheit in den Zoo zu sperren, wird es machtvolle Gegenbewegungen geben. Nach Hölderlin: Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

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