Datum: Montag, 09.11.2026 · 19:00–21:00 Uhr
Liquidierung und „Arisierung“ in Baden während der NS-Zeit – Vortrag von Historiker Michael Becker
Für Geschichtsinteressierte, Menschen mit Interesse an der Bruchsaler Stadtgeschichte und alle, die mehr über die Verfolgung und wirtschaftliche Enteignung jüdischer Bürger während der NS-Zeit erfahren möchten.
Wie wurden jüdische Geschäftsleute in Bruchsal während der nationalsozialistischen Herrschaft systematisch aus dem Wirtschaftsleben verdrängt? Welche Rolle spielten staatliche Anordnungen, öffentliche Boykottaufrufe und wirtschaftlicher Druck? Diesen Fragen widmet sich der Historiker Michael Becker in einem Vortrag am 88. Jahrestag der Pogromnacht von 1938.
Zu Beginn der NS-Herrschaft befanden sich in Bruchsal weit über hundert Geschäfte und Betriebe, vor allem im Handel, unter jüdischer Leitung. Doch der zunehmende Boykottdruck in der Öffentlichkeit und den Medien sowie Maßnahmen von Wirtschaftsverbänden wie dem Reichsnährstand erschwerten den Geschäftsinhabern zunehmend ihre wirtschaftliche Existenz.
Bis Dezember 1938 war die Zahl der jüdischen Betriebe durch Liquidierungen und die sogenannte „Arisierung“ bereits um mehr als fünfzig zurückgegangen. Besonders die ab 1938 zentral angeordneten Beschränkungen bei der Rohstoffzuteilung und der Druck auf Geschäftspartner durch Industrieorganisationen machten eine Fortführung vieler Unternehmen praktisch unmöglich.
Gleichzeitig verstärkte die offene Feindschaft des NS-Staates gegenüber der jüdischen Bevölkerung den Zwang zur Auswanderung. Zum Jahreswechsel 1938/39 mussten schließlich auch die verbliebenen jüdischen Unternehmer aufgrund einer zentralen Anordnung aus Berlin ihre Geschäfte verkaufen oder aufgeben.
Anhand konkreter Beispiele aus Bruchsal zeigt Michael Becker, wie jüdische Gewerbetreibende innerhalb weniger Jahre ihren Besitz, ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit, ihre Handlungsfreiheit und schließlich auch ihr Heimatrecht verloren. Der Vortrag macht deutlich, wie systematisch die nationalsozialistische Verfolgung in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt eingriff.
Wenn du dich für die Geschichte Bruchsals und die Schicksale seiner jüdischen Bevölkerung interessierst, bietet dieser Abend die Gelegenheit, ein dunkles Kapitel der lokalen Vergangenheit näher kennenzulernen.
Montag, 9. November 2026, 19:00 Uhr
Bürgerzentrum Bruchsal, Ehrenbergsaal
Bruchsal
Veranstalter: Kommission für Stadtgeschichte und Stadt Bruchsal
Eintrittspreis: Frei. Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich. Eine Anmeldung ist erwünscht unter kultur@bruchsal.de oder telefonisch unter 07251 / 79-531 beziehungsweise 07251 / 79-183.









