Samstag, Juni 6, 2026

Düstere Blicke, offene Akten. Wer waren diese Männer?

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BRUCHSAL, 12.5.2026 | Historische Fotoaufnahmen von Häftlingen aus dem Bruchsaler Männerzuchthaus geben Einblick in einen bislang nur teilweise erforschten Bestand.

Historische Fotografien können mehr sein als bloße Momentaufnahmen: Sie bewahren Spuren von Menschen, deren Geschichten oft erst durch genaue Recherche sichtbar werden.

Von Regina Bender, Städtisches Museum Bruchsal

Erforschung von Fotos Bruchsaler Häftlinge aus dem Jahr 1911

Was Sie hier sehen, sind Fotoaufnahmen von Häftlingen aus dem Bruchsaler Männerzuchthaus – der heutigen JVA – die 1911 aufgenommen wurden. Es handelte sich ursprünglich um Glasplattennegative aus dem Museumsbestand, die vom Bruchsaler Stadtarchiv digitalisiert wurden. Dort werden sie fortan auch aufbewahrt. Die Männer sind einmal in ihrer persönlichen Alltagskleindung und dann in Häftlingsuniform mit Nummer gezeigt.

Sie finden manche der Bilder etwas unheimlich? Verständlich, denn einige der Abgebildeten sehen doch recht düster aus, blicken etwas schroff in die Kamera und wirken nicht gerade umgänglich. Aber sofort fragt man sich, ob man ihnen mit dieser Einordnung nicht vielleicht Unrecht tut? Schließlich kennen wir weder Namen, Geburtsdaten oder sonstige biografische Hintergründe. Und natürlich wissen wir auch nicht, weswegen sie im Bruchsaler Männerzuchthaus einsaßen. Manch einer hat sich vielleicht aus der Not heraus ein Mittagessen ergaunert, einem anderen wird aber vielleicht vielfach Schlimmeres zur Last gelegt. 
Anhand ihrer persönlichen Kleidung und Aufmachung sind die Männer zumindest hinsichtlich ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Situation etwas einzuordnen. So ist ein Herr in eleganter Kleidung und mit akkurater Frisur zu sehen, während andere eher ärmlich gekleidet sind. Mehr sagen uns die Fotos bislang aber nicht.

 

Da es zu unseren Aufgaben im Museum gehört, unsere Bestände bestmöglich zu erforschen und Wissenslücken zu schließen, haben Bundesfreiwilligendienstleistender Philipp Jung und Dr. Sara Doll, Wissenschaftlierin an der Universität Heidelberg, es sich zur Aufgabe gemacht, die Bilder zu entschlüsseln. Hierfür haben sie bereits Archive durchforscht, Gefangenenbücher studiert und mit diesen Verzeichnissen versucht, den Männern über die Häftlingsnummern einen Namen zu geben. Abgeschlossen sind diese Forschungen noch nicht und werden sicher noch den ein oder anderen spannenden Hinweis zu Tage fördern. Möglicherweise lassen sich dann, wenn den Fotos Namen und Geburtsdaten zur Seite gestellt worden sind, auch weitere Informationen oder gar ganze Biografien ergänzen. Das an sich ja sehr bekannte Bruchsaler Männerzuchthaus würde so um ein paar Gesichter und deren Geschichte reicher.

Dr. Sara Doll und Philipp Jung werden Ende des Jahres in der Zeitschrift „Badische Heimat“ über ihre Recherche berichten.

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