„Wir müssen die Transformation meistern.“

Die Stadtwerke Bretten versorgen rund 30.000 Haushalte in Bretten und der Region mit Strom, Gas, Wärme und Wasser. Geschäftsführer Stefan Kleck spricht über die Ursachen hoher Strompreise, die Herausforderungen der Energiewende, die Zukunft der Wärmeversorgung sowie die Rolle der Stadtwerke als regionaler Dienstleister und Förderer des Gemeinwesens.

 

Guten Tag, Herr Kleck, vielen Dank für die Gelegenheit zum Interview. Steigen wir doch gleich ein:

Warum sind die Strompreise im europäischen Vergleich bei uns so hoch?

Kleck: Das ist teilweise aufgrund politischer Vorgaben, die wir gehabt haben und immer noch haben. Die Preise wären aber noch höher, wenn man noch die EEG-Umlage hätte. Das haben viele Leute schon vergessen. Die zahlt mittlerweile der Staat mit Steuergeldern. Der Strompreis enthält Umlagen wie die Stromsteuer oder für den Bau von Offshore-Windparks. Dazu kommen die Kosten des Netzausbaus. Wir haben natürlich sehr gute Netze, aber die haben auch ihren Preis. Zusätzlich unterliegt der Strompreis starken Schwankungen. Gerade jetzt wieder aufgrund der Iran-Krise. Wir als Stadtwerke sind am Ende diejenigen, die es dann aber dem Kunden erklären müssen.

Die Energie- bzw. Stromwende ist also nicht für den Preis von einer Kugel Eis pro Monat zu haben?

K: Das hat zwar mal ein Minister Trittin gesagt. Aber für eine Kugel Eis wird es auf Dauer nicht funktionieren. Eine Transformation erfordert Investitionen und dass Menschen mitziehen. Es erfordert aber auch, dass die Politik klare Vorgaben macht und diese dann auch durchhält und nicht jede neue Regierung diese verändert.

Sind die Erneuerbaren inzwischen konkurrenzfähig? In Deutschland verstehen wir darunter ja im Gegensatz zur EU meist Wind- und Solarenergie, aber keinen Atomstrom.
K: Wenn Sie sich eine PV-Anlage auf Ihr Hausdach bauen und Ihren eigenen Strom damit erzeugen, dann rechnet sich das für Sie allemal.

Rechnet es sich auch insgesamt. Sind diese Energiequellen volkswirtschaftlich betrachtet konkurrenzfähig?

K: Das kann man so pauschal schwer sagen. Momentan kauft man den Strom an der Börse oft für 0,09 €, ein Windpark bekommt für eingespeisten Strom ca. 0,07 €. Das heißt, überschlägig gerechnet ist dieser Strom wettbewerbsfähig.

Die Energiewende kostet Geld – entscheidend sind verlässliche politische Rahmenbedingungen und faire Lasten für alle.

Aber sind da alle Kosten einkalkuliert? Was machen wir, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint? Sollten nicht alle für den Netzausbau bezahlen? Bisher subventionieren doch die Bewohner von Mehrfamilienhäusern sogar die Solardächer von Eigenheimbesitzern?

K: Die Bundesnetzagentur beschäftigt sich derzeit mit diesem Sachverhalt. Zukünftig muss auch derjenige, der sich über Solarenergie teilweise selbst versorgt, den Netzausbau stärker mitfinanzieren. Denn auch er braucht zwar das Netz vielleicht nur sonntagnachts, billiger macht es aber den Netzausbau dadurch nicht. Bisher werden die Kosten pro verbrauchter Kilowattstunde umgelegt, die Solardachbesitzer werden somit am Netzausbau tatsächlich unverhältnismäßig begünstigt. Ebenso hatten wir am Jahresanfang mehrere Wochen, wo weder die Sonne schien noch der Wind wehte. Und da braucht jeder das Netz und ebenso benötigen wir für diese Phasen neue Gaskraftwerke.

Man könnte doch stattdessen Speicher errichten?

K: Ja, aber die Speicher können bisher nur stundenweise speichern. Wir haben keine Speicher, die über Tage und Wochen speichern. Diese werden wir so schnell rentabel und effizient nicht bekommen. Deshalb werden wir Gas vorübergehend brauchen.

Sollte man sich weiterhin eine Solaranlage aufs Dach setzen?

K: Bei einem Privathaus ist die Einspeisevergütung inzwischen relativ gering. Das Wichtige ist, dass Sie einen guten Teil des Stroms selbst nutzen. Ebenso gilt dies für Betriebe.

Sie sind auch an Windkraftprojekten beteiligt?

K: Wir sind an zwei Gesellschaften beteiligt, die Windräder deutschlandweit betreiben. Zum einen ein Windpark in Brandenburg. Dieser ist im Besitz von Südweststrom, die für uns und 70 weitere Stadtwerke Strom und Gas handelt und an der wir beteiligt sind. Daneben sind wir mit 20 weiteren Stadtwerken am Unternehmen Windpool beteiligt. Dessen Aufgabe ist es, Windkraftprojekte zu entwickeln. Wir selbst haben als Stadtwerke Bretten aber keine eigenen Kapazitäten dafür und diesbezüglich auch keine spezielle Expertise.

Aus der Geothermie sind Sie wie andere Stadtwerke aber ausgestiegen. Warum?

K: Das war im Nachhinein ein Rohrkrepierer. Die Deutsche Erdwärme offerierte ursprünglich Preise und Mengen, die sehr attraktiv schienen. Wir hätten ganz Bretten mit Wärme versorgen können. Aber daraus wurde nichts. Weder die Wärmemenge noch die Wirtschaftlichkeit ist gegeben. Jetzt müssen wir uns das Ganze zusammenstückeln. Dabei spielen Holz, Solarthermie und Wärmepumpen eine wesentliche Rolle.

Wie sieht es beim Wasser aus? Wo kommt das Brettener Wasser eigentlich her?

K: Wir beziehen unser Wasser zu drei Vierteln aus dem Bodensee. Das Wasser kommt über die Schwäbische Alb bis nach Stuttgart und dann weiter bis nach Mosbach. Dazwischen ist ein Abzweig über Maulbronn und Knittlingen zu uns.

Ist diese Wasserentnahme auch ein Faktor für das Niedrigwasser am Bodensee?

K: Was an Wasser aus dem Bodensee entnommen wird, hat Trinkwasserqualität. Auch wenn die Mengen beträchtlich sind, werden Sie das tatsächlich niemals am Wasserstand erkennen können.

Stadtwerke stehen vor einem tiefgreifenden Wandel: Versorgungssicherheit, Netzausbau und erneuerbare Energien müssen gleichzeitig gelingen.

Wie steht Bretten bei den Wasserpreisen da?

K: Da sind wir ganz gut im Rennen. Es gibt alle zwei Jahre eine Auflistung des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg. Unter allen privaten Wasserversorgern, also auch den Stadtwerken, liegen wir regelmäßig unter den günstigeren.

Liegt das an Ihnen, Sie sind ja schon 25 Jahre hier in der Verantwortung?

K: Wenn überhaupt, dann liegt das an meinem gesamten Mitarbeiterteam, das sehr gut und effizient arbeitet.

Wie sieht es bei der Brettener Bäderwelt, die Hallenbad, Freibad und Sauna umfasst, aus? Im Gegensatz zu Bruchsal steht das Hallenbad bei Ihnen ja prinzipiell den Besuchern auch im Sommer bei schlechtem Wetter zur Verfügung.

Beide Bäder liegen direkt beieinander. Wir haben vor Jahren einen Zugang geschaffen, der Freibad und Hallenbad verbindet, inklusive einer recht schönen Terrasse. Wir veröffentlichen immer für die nächsten 3 bis 4 Tage auf unserer Homepage, ob das Hallenbad geöffnet hat oder ob dies aufgrund des guten Wetters oder möglicher anderer Umstände nicht der Fall ist.

Badewelt Bretten: Hallenbad, Freibad und Sauna bilden gemeinsam das Freizeitangebot der Stadtwerke. Bild: Thomas Rebel

Die Bäderwelt macht, ähnlich wie in Bruchsal, jährlich drei Millionen Verlust, welchen die Stadtwerke tragen. Bekommen Ihre Kunden dafür wenigstens einen kleinen Rabatt gegenüber anderen Besuchern, die bei Billiganbietern Strom beziehen?

K: Im Sommer haben wir eine kleine Vergünstigung auf unsere Saisonkarte. Zwar nicht viel, aber immerhin rund 20€ als kleine Anerkennung. Es steht natürlich jedem Kunden frei, bei uns zu bleiben oder zu einem Wettbewerber zu gehen. Wir hoffen natürlich, dass viele bei uns bleiben und wollen als Dienstleister überzeugen. Die meisten Einwohner beziehen ja unsere Leistungen und schätzen unser Angebot.

Sie haben ein Vierteljahrhundert lang die Stadtwerke Bretten ziemlich auf Kurs gehalten und Herausforderungen gemeistert. Wo sind denn die zukünftigen Herausforderungen für die Stadtwerke?

K: Eine große Herausforderung ist die Gasversorgung, die zurückgedrängt werden soll. Über Gasverkauf haben wir natürlich auch Geld verdient. Da brauchen wir dann Ersatz, zum Beispiel durch erneuerbare Energien, Windparks, Solar oder andere Dienstleistungen. Ein weiteres großes Problem ist, dass die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur uns immer mehr Steine in den Weg legen und neue Aufgaben zuweist. Nehmen Sie als Beispiel die neuen Smart-Meterzähler. Wir sind verpflichtet, diese einzubauen und müssen sicherstellen, dass diese funktionieren. Müssen wir zur Netzstabilisierung beim Kunden die Wärmepumpe abschalten, so haben wir das ganze Prozedere sicherzustellen.Die längerfristige Transformation von Gasheizungen zu alternativer Wärmeversorgung wird ebenfalls eine anspruchsvolle Aufgabe. Wie schon gesagt, die Geothermie ist für uns hier nicht praktikabel.
Auch hoffen wir, längerfristig in allen Brettener Stadtteilen Eigentümer des Stromnetzes zu werden. In den fünf Stadtteilen, wo das Netz der EnBW gehört, haben wir uns um das Netz beworben. Die EnBW sträubt sich allerdings dagegen und das Ganze ist ein sehr zäher Prozess. Die EnBW hat die Stadt Bretten dabei mehrmals wegen irgendwelcher Nichtigkeiten in diesem Verfahren verklagt.

Und um was geht es dabei?
K: Wir würden gerne das Netz von der Netze BW, einer Tochter der EnBW, kaufen und es betreiben. Die derzeitige Aufteilung ist historisch begründet und aus der Zeit vor der Gemeindereform, als die heutigen Ortsteile eigenständige Gemeinden waren.

Aber hieße das nicht, statt dem quasi-Monopolisten EnBW wären jetzt die Stadtwerke Bretten gegenüber dem Kunden am ziemlich langen Hebel?

K: Wir sehen vor allem den Vorteil für unsere Kunden durch einheitliche Netzentgelte und Strompreise.

Die Stadtwerke sind neuerdings beim KSC-Sponsoring eingestiegen. Das Motto lautet: „KSC tut gut“. Tut es hauptsächlich den Stadtwerken und Ihnen gut, da man jetzt auch als VIP die gehobene Baiersbronner Küche genießen kann? Oder tut es Ihren Kunden gut?

K: Wir verlosen regelmäßig Eintrittskarten an unsere Kunden. Kürzlich gab es ein Gewinnspiel auf Instagram, wo wir eine große Resonanz hatten. Damit machen wir auch die Stadtwerke bekannt. Dahinter stecken auch Projekte, die hier in Bretten in Zusammenarbeit mit dem KSC gemacht werden. Wir haben dieses Jahr das Thema Wärmeversorgung bekannter machen können. Aber damit verbunden sind auch andere Aktivitäten. Denken Sie an den Stadtstrand neben dem Ärztehaus oder die Grundschule, wo wir beim Thema Bewegung dabei sind. Und wenn Kinder von örtlichen Vereinen, wie bei unserem früheren Sponsoring des SV Sandhausen, beim Spielereinlauf dabei sein dürfen, ist das für die Jugendlichen ein unvergessliches Erlebnis. Aber wir unterstützen ja auch direkt die kommunale Jugendarbeit und viele örtliche Vereine. Denken Sie an das Volleyballturnier, das wir unterstützen oder auch an die Jugendmusikschule. Wir haben ganz vielfältiges Sponsoring und streuen unsere Tätigkeiten sehr breit.

Herr Kleck, herzlichen Dank und Ihnen alles Gute.

INTERVIEW mit Hubert Hieke

 

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