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WILLI-Reportage | Kommunales Zweitwagenverhinderungsprogramm

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Es gibt einige Projekte, die sich auf kommunaler Ebene durch Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung auszeichnen. Man sollte sich dennoch davor hüten, im Umkehrschluss zu meinen, dass jede hochsubventionierte Maßnahme, auf der außen Umwelt oder Klima steht, innen auch tatsächlich Derartiges enthält.

Meist sprudeln die Fördergelder; ob am Ende tatsächlich etwas erreicht wurde, ist nebensächlich. Manchmal erstellt man erst gar keine Kriterien, an denen der Erfolg zu messen wäre. Dann läuft ein Projekt vielleicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Ein Beispiel dafür scheint das E-Car-Sharing-Pilotprojekt „zeozweifrei.unterwegs“, das in den letzten Jahren im Landkreis etabliert wurde, Mobilität im ländlichen Raum fördern soll und inzwischen rund fünfzig strombetriebene Vehikel, sogenannte Zeos umfasst.

Der Flottenverband, teilweise in Eigenregie gemanagt, da sich kein privatwirtschaftlicher Anbieter findet, scheint in einigen Gemeinden kontinuierlich zu steigen. Was scheinbar den Schluss zulässt: Car-Sharing wird immer mehr nachgefragt, unsere Klimabilanz verbessert sich, Ressourcen werden geschont und insbesondere die jüngere Generation erfreut sich derartiger Mobilität. So wenigstens wird es den Bürgern gerne verkauft; manche Protagonisten und Verantwortliche klingen geradezu euphorisch.

Laufleistung eines Zeos liegt bei 15 Kilometern pro Tag

Mit Bildern von Menschen, denen schon der Anblick der Fahrzeuge ein breites Lächeln entlockt, werden potenzielle Kunden angesprochen und es gilt für die Macher nicht nur beim Auftritt im Internet das Motto: „Flexibel, günstig, klimaneutral! Die Alternative zum eigenen (Zweit) Auto“.

Halten diese vollmundigen Versprechen der Realität auch tatsächlich stand? Schon mit der Flexibilität ist es nicht so weit her. Denn ein ungelöstes Problem besteht darin, dass die Zeos an ihren Ursprungsort zurückzubringen sind. Ein entscheidender Nachteil, für den es auch in nächster Zeit wohl keine kostengünstige, kundenfreundliche Lösung geben wird.

Günstig ist das Angebot für den Mieter. In Bruchsal zahlte der Nutzer beispielsweise bis vor Kurzem unschlagbare 18 Cent pro Kilometer plus einen Euro pro Stunde. Allerdings nur deshalb, weil die Stadt (teilweise mit Geldern aus diversen Fördertöpfen) jeden gefahrenen Kilometer mit sage und schreibe fast einem Euro subventioniert! Ein privat gehaltener PKW der Oberklasse kommt meist auf bessere Werte.

Kein Wunder, stellt man doch nach einigen Nachfragen überschlägig fest, dass die durchschnittliche Laufleistung eines jeden der sechs Zeos in Bruchsal bei überschaubaren 15 (in Worten: fünfzehn!) Kilometern pro Tag liegt. Und dies, obgleich es nicht verboten ist, mit den Wagen längere Zeit zu fahren oder diese mehrmals pro Tag zu verleihen. Wie sähen die Zahlen aus, wenn man gar noch die Eigennutzung durch städtische Bedienstete abzöge? In manchen Gemeinden mit besseren Nutzungszahlen heißen die Wagen übrigens „Stehzeuge“.

Unschlagbare 18 Cent pro Kilometer

Die politisch Verantwortlichen in Bruchsal kümmert dies offensichtlich aber herzlich wenig. Gerade wurde auf Antrag der Grünen beschlossen, den Fuhrpark zu erweitern. Das Argument: Die Zeos seien gut ausgelastet! Nun ja, das Geld dafür stammt auch nicht aus der eigenen Tasche, sprich dem Kommunalhaushalt, sondern zu satten 80 Prozent aus Zuschüssen der EU!

Ist das Angebot wenigstens klimaneutral? Darüber lässt sich trefflich streiten. Bei den Betreibern ist man sich sicher, dass das Projekt einige Bürger davon abhält, Zweitwagen anzuschaffen und verbucht dies als Mobilitäts- und Klimaerfolg, sind die Zeos doch klimaneutral betrieben. Faktisch sei dies durch einen Vertrag mit den Energieversorgern sichergestellt. Nun ja, was im Vertrag steht, muss ja de facto auch in der Batterie drin sein, so ist das ja beim Strom! Und vielleicht werden die Wagen bei Dunkelflauten nicht geladen.

Und damit zum Grundsätzlichen: Welche öffentlichen Leistungen sollten bezuschusst und vom Staat gar noch selbst gemanagt werden? Ist es Aufgabe des Landkreises und seiner Kommunen, im Rahmen der Mobilitätsförderung des ländlichen Raums, Privatpersonen jederzeit eine PKW-Fahrt von A über B zurück nach A hochsubventioniert bereitzustellen, egal ob zum Einkauf oder zum Diskothekenbesuch?

Wo lässt sich hierbei das Gemeinwohl erkennen?

Gehört dies zur Grundversorgung? Und wie lange will man das Projekt weiterführen? Ja, es wird auch anderweitig Unsinn bezuschusst. Aber macht das die Angelegenheit besser? Sollten dafür jene Bürger mit ihren Steuern beitragen, die zuhause bleiben, den Bus benutzen oder radeln?

Hubert Hieke

Apropos radeln. Insgeheim hoffe ich, dass das Mobilitätsprojekt ausgebaut wird! Sollte es, wie neuerdings in Trier, gar bald Lastenräder im Angebot geben, ich werde – versprochen – die Bestellung eines Zweitlastenrads stornieren!

Text: Hubert Hieke

Aus RegioMagazin WILLI 02/2022

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EIN KOMMENTAR

  1. Ein Ökostrom und E-Auto Verhinderungsartikel, sie scheinen aus der Zeit gefallen zu sein.

    Grünen strom gibt’s auch wenn die sonne nicht scheint
    Üblicherweise fährt man mit seinem Fahrzeug wieder nach Hause
    Die Fahrzeuge werden häufig tagsüber anderweitig genutzt, 15km am Tag im Mittel über die Fahrzeuge ist sicherlich nicht richtig.
    Fährt ein oberklassewagen umweltfreundlich? Ihnen geht’s ja nur ums Geld. Und da stimmt ihre Rechnung keineswegs: ein E-auto fährt nachhaltig und günstiger als ein oberklassewagen, wenn man richtig rechnen will.
    Bis eine neue Idee greift und angenommen wird vergeht immer eine gewisse Zeit und deshalb sind hier fördergelder nicht schlecht angebracht, da gibt es durchaus sinnlosere förderungen.