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WILLI-Reportage | Graben-Neudorf – Ein Ort und seine Geschichte

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Die beiden Dörfer liegen eng nebeneinander und sind heute so ineinander verwachsen, dass man kaum den Übergang von dem einen zum anderen bemerkt.

Beide liegen in der Hardt und sind von der Landwirtschaft geprägt. Beide haben unter den großen Kriegen früherer Jahrhunderte gelitten (Dreißigjähriger Krieg, Reunionspolitik Ludwig XIV. und Pfälzischer Erbfolgekrieg). Die Einwohner erlebten immer wieder Plünderungen, Zerstörungen und Brandschatzung dazu noch grassierende Seuchen wie Hungertyphus oder die Pest.

Dennoch haben sie ganz unterschiedliche Entwicklungen genommen, bis sie 1972 zu einem gemeinsamen Ort zusammengefügt wurden, das protestantische Graben und das katholische Neudorf.

Gasthaus Hirsch, Foto: egghead Medien

1306 wird Graben erstmals urkundlich erwähnt: „Der Ubstadter Edelknecht Swiger‘ versprach am 22. März 1306 dem badischen Markgrafen Rudolf das Vorkaufsrecht an seinem Teil des Dorfes Graben.“ Nach einigen Streitigkeiten wurde Graben 1312 Teil der Markgrafschaft Baden, aber seit dem frühen 15. Jahr-hundert blieben Schloss und Amt Graben für mehr als 300 Jahre (bis 1746) unter kurpfälzischer Oberhoheit und dem badischen Markgrafen nur zu Lehen.

Bei dem Ortsnamen „Graben“ handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine ursprüngliche Stellenbezeichnung: „am Graben“ (nämlich am Graben der Burg, bei der das Dorf entstand, oder am Graben der Pfinz, die hier in die Rheinniederung abfällt).

Durch die Reformation und nach dem Willen von Markgraf Karl II. von Baden-Durlach hatten die Bewohner den reformierten Glauben anzunehmen. Der rein landwirtschaftliche Charakter der Gemeinde Graben hat sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten. Er war zuletzt stark geprägt durch die Sonderkulturen Tabak und Spargel. Während der Tabakanbau seinen Niedergang erfuhr, hat sich der Spargel auf den sandigen Böden zu einem Markenzeichen entwickelt und die Spargelkönigin bringt alljährlich das „Weiße Gold“ nach Berlin zum Bundeskanzler oder zur Bundeskanzlerin.

Spargelanbau als Markenzeichen

Der Ort Neudorf, auf dem Boden des Grevenhart – das heißt des „Grafenwaldes“ – gelegen, scheint das Ergebnis des Zusammenwachsens zweier Rodungssiedlungen zu sein. Zum ersten Mal wird, soweit man weiß, dieses „Neue Dorf“ 1466 als Nuwendorf erwähnt. Im 15. Jahrhundert ist auch noch die Rede von den „armen Leuten in dem newen Dorf Grafenwiler“, dann vom Nuwe Dorff, vom „neuwe Dorffe“ oder von „Nuwdorff“.

Heimatmuseum, Foto: egghead Medien

Neudorf ist mit der jüngste Ort in der näheren Umgebung, zugleich war er aber auch einer der kleinsten und ärmsten, was er bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geblieben ist. Politisch gehörte das Dorf zum Bistum Speyer. Damit stand und blieb es unter katholischem Einfluss, obwohl es kirchlich Graben zugeordnet war, das durch seinen Landesherrn protestantisch wurde. Auch hier galt, wie im Kartenspiel, „Ober sticht Unter“.

Im 17. Jahrhundert wohnten nach Zerstörungen durch Krieg, Dezimierungen und durch Krankheit nur noch acht Familien in dem „fast einer Wüste gleichkommenden“ Neudorf.

Im 19. Jahrhundert brach die „Badische Zeit“ an. Neudorf fiel 1802 dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden zu. Wenn auch die Bevölkerungszahlen wieder stiegen, blieben die Menschen in Neudorf eher arm, als dass sie reich wurden. Sie lebten von Feld – und Wiesenwirtschaft sowie Viehzucht. Ihre Haupteinnahmequelle war der Torfstich. In den fünfziger und sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts suchten viele Familien ihr Glück in der Fremde: Algerien, Brasilien und Nordamerika. Dies führte zu einem erneuten Rückgang der Einwohnerzahl, ein Trend, der sich erst gegen Ende des Jahrhunderts wieder umkehrte.

Fachwerkhaus in der Karlsruher Straße, Foto: egghead Medien

Im 20. Jahrhundert kam Neudorf aus dem „Aschenbrödel“-Dasein heraus und hat sich heute zu einer lebendigen und angenehmen Wohngemeinde mit regem Gewerbe entwickelt.

Zusammen mit Graben bildet der Ort eine liebenswerte Einheit in der Hardt. In diesem Jahr feiert die Gemeinde ihr Zusammensein seit 50 Jahren. Was die heutigen Einwohner über Graben-Neudorf denken, kann man auf Karten an einem Glashaus lesen, das direkt am Rathaus aufgebaut ist – eine Kunstaktion von Maíra Wiener und Lukas Gauntt.

Text: Martin Stock

Aus RegioMagazin WILLI 09/2022

 

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