WILLI-Reportage | Als Helferinnen im Ahrtal

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Icon-Stadtmagazin WILLIAls Helfer im Ahrtal waren Gaby Huber und Sandra Geiger aus Forst unterwegs. Und egal was man darüber im Fernsehen sieht, in Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer. Über ihre Eindrücke erzählen die beiden hier.

Wir hatten Sommerurlaub und als wir von der Katastrophe im Ahrtal hören, war klar, dass wir dort ein Teil unseres Urlaub als Helfer verbringen würden“, sagt Gaby. Doch schon die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich schwierig, die dort noch vorhandenen Unterkünfte waren entweder von Evakuierten belegt oder bereits von Helfern. Auch Anfragen bei Wohnmobilvermietern hier in der Region waren nicht von Erfolg gekrönt. Letztlich fand sich aber doch eine Unterkunft auf einem Reiterhof. „Es war ein ganz simples Holzhaus aber mehr brauchten wir auch nicht. Nachdem man den ganzen Tag schwer gearbeitet hat, will man nicht mehr als ein Bett“, erzählt Sandra.

Die ersten beiden Tage waren die beiden zur Arbeit auf einem Weinberg eingeteilt. Die Blätter mussten an den Reben entfernt werden, damit die Sonne auf die Trauben scheinen kann und es keinen Schimmel gibt. Der Winzer konnte diese Tätigkeit nicht selbst machen, weil sein Keller von dem Hochwasser betroffen war und er dort gebraucht wurde. Seine Wohnung war glücklicherweise unversehrt und deshalb hatte der Betroffene ohne Bleibe bei sich aufgenommen. Da aber der Weinbau seine einzige Einnahmequelle ist, und die Reben weiter unten im Ahrtal entweder gar nicht mehr da sind, oder aufgrund der Kontamination des Bodens unbrauchbar sind, mussten wenigstens die Reben oben am Hang für die Ernte vorbereitet werden.

„Große Solidarität spornte weiter an“

Der nächste Einsatz war das Entkernen eines Bades in einem Privathaus. Der Besitzer war vor Ort und es war für die beiden erschütternd zu sehen, dass er schwer traumatisiert war. Wie viele andere auch. Danach halfen sie beim Entkernen einer Grundschule. Gleich daneben ist der Friedhof. Eigentlich sieht dieser ganz unbeschadet aus. Aber auch hier stand das Wasser 4 Meter hoch. Nach dem Abfließen fanden sich viele Gärtner, die in Windeseile die Grabsteine säuberten und die Gräber größtenteils wieder hergerichtet haben. Da dies für die Psyche der Angehörigen wichtig ist.

Dann folgte noch der Einsatz in einem Hotel, hier waren 100 Freiwillige im Einsatz. Bis zum zweiten Stockwerk mussten alle Bäder raus, der Putz von den Wänden und der Estrich rausgeklopft werden, wie bei fast allen betroffenen Häusern.
Manches schien so aussichtslos, aber die große Solidarität auch unter den freiwilligen Helfern spornte an immer weiter zu machen.

Alles zu koordinieren ist eine Mammutaufgabe.

Jeden Morgen fuhren Sandra und Gaby zum Helfershuttle um sich einteilen zu lassen. Hier erfuhren sie den Ort und die Art der Arbeit die für den Tag anstand. Auch ein Schmied hatte sich in der Nähe des Helfershuttels niedergelassen, der jeden Abend die Meisel der Bohrhämmer für den nächsten Tag wieder einsatzbereit macht. Alles Dinge, die es braucht, über die man jedoch in den Medien wenig erfährt.

Alles zu koordinieren ist eine Mammutaufgabe. Es gibt aber auch Dinge, die Hoffnung machen sollen. Gärtnereien spenden Blumen, die die Helfer mit in die zerstörten Orte mitnehmen um etwas Bunt in das Grau zu bringen. „Es gab hier täglich eine Ansprache die Mut machen sollte, es wurde aber auch erwähnt wieviel Häuser bereits entkernt wurden,“ erzählt Gaby nachdenklich. Nachdenklich machen auch die Zahlen der freiwilligen Helfer, waren es im Sommer im Schnitt täglich noch 1200 ist die Zahl mittlerweile auf 400 und sogar manchmal nur 300 gesunken. Und es werden immer noch Helfer gebraucht, für lange Zeit! Deshalb steht für die beiden Forsterinnen auch fest, dass sie im Oktober noch einmal ins Ahrtal fahren und sie hoffen, dass der Bericht hier noch einige animiert ihrem Beispiel zu folgen.

Fluthilfe für das Ahrtal
So können Sie das Ahrtal unterstützen!
Über das Helfershuttle kannst du dich anmelden:
Tel. 015143131661
www.helfer-shuttle.de

Text: Christina Notheisen
Fotos: privat

Aus RegioMagazin WILLI 10/2021

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