WILLI ABGECHECKT! | Zu wenig Kindergartenplätze in Bruchsal?

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LESERBriefFRAGE von Sina Händel aus Bruchsal


Zu wenig Kindergartenplätze in Bruchsal?


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Lieber WILLI,

Ich hätte einen redaktionellen Hinweis. Es ist wohl so, dass in Bruchsal sehr viele Kindergartenplätze fehlen (gerüchtweise 450?). Auch ich habe über das zentrale Verfahren keinen Platz für meinen Sohn (März 22) bekommen. Wir Eltern wurden einfach auf Juli vertröstet, aber es können wohl trotzdem keine Plätze vergeben werden.

Es gibt wohl auch keinerlei Perspektiven oder Kriterien, wie das geregelt werden soll. Ich habe über Bekannte von einer Bruchsaler Mutter erfahren, die wohl wieder in Elternzeit muss, weil sie nach der Krippe keinen Kindergartenplatz bekommt und von einer anderen Mutter, die ihre Ausbildung zur Erzieherin wegen einem fehlenden Kita-Platz nicht beenden konnte.

Außerdem habe ich gehört, dass wohl der CVJM angeboten hatte, in Bruchsal einen Kindergarten zu gründen, die Stadt aber kein Interesse gezeigt hätte. Wenn Sie darüber berichten könnten, wäre das super.

Beste Grüße, Sina Händel


Wir nehmen den Leserbrief zum Anlass, um das Thema in unserer Rubrik „abgecheckt“ zu hinterleuchten…

 

Liebe Frau Händel,

Ihre Anfrage betrifft viele Teilaspekte der Kitabetreuung, prinzipiell geht es wohl aber um drei Dinge: den (chronischen) Mangel an Kitaplätzen in Bruchsal, die Verteilung des Mangels sowie mögliche Abhilfen durch die Verantwortlichkeiten. Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen:

In der Kernstadt Bruchsal fehlen mehr als 100 Betreuungsplätze

Die zuständige Verwaltung antwortet zwar umgehend auf Fragen, man erhält einige Antworten allerdings in recht unspezifischer Form. Dennoch macht die Stadt Bruchsal aber keinen Hehl daraus, dass derzeit wohl knapp einhundert Betreuungsplätze schlichtweg fehlen, insbesondere in der Kernstadt Bruchsal. Dies gilt dort als besonders problematisch, da Kitas auch für den Spracherwerb wichtig sind und gerade in der Stadt – im Gegensatz etwa zum Waldkindergarten – ein großer Anteil der Kinder aus migrantischen Haushalten kommt.

Das Bruchsaler Amt für Familie und Soziales sieht sich nach eigener Aussage mit vielen anderen Gemeinden in einem Dilemma, dem scheinbar nur mittelfristig zu entrinnen ist. Denn wörtlich heißt es zwar zuerst und wohl etwas beschönigend: „Hohe Geburtenzahlen sind für unsere Gesellschaft eine gute Nachricht und wirkt der Überalterung Deutschlands entgegen. Kinder sind unsere Zukunft, deshalb wollen wir die so wichtigen frühen Jahre auch qualitativ gut begleiten.“

Und weiter: „Wir halten die frühkindliche Bildung für alle Kinder… für absolut wichtig.“ Dann folgt aber, recht lapidar: „Wir können dem Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz nicht nachkommen, da wir in einer Personalmangellage sind.“

Ausufernde Wartelisten sind gängige Praxis in Bruchsal

Das Meldeprozedere sieht – in der Theorie – laut Amt wie folgt aus: „Eltern melden ihre Kinder bei der zuständigen Abteilung im Amt für Familie und Soziales an. Dabei teilen die Eltern auch mit, welche Einrichtung sie sich für ihr Kind wünschen.“ Die Praxis ist aber offensichtlich eine andere, angesichts ausufernder Wartelisten, wie von Ihnen richtigerweise angedeutet! Dabei könnte sich die Situation noch weiter zuspitzen. Für „…August 2023 gibt es zunächst Wartelisten für insgesamt 117 Kinder.“, so die Stadt Bruchsal.

In der Südstadt soll ein Container-Kindergarten entstehen

Die Zahl der fehlenden Kinderbetreuungsplätze würde in den nächsten Jahren, auch hier haben sie recht – sollte nichts unternommen werden – tatsächlich drastisch auf annähernd 500 Plätze steigen. Deshalb hat der Gemeinderat Ende Mai beschlossen, quasi als Sofortprogramm wenigstens drei zusätzliche Kitagruppen zu finanzieren, eine davon in Containern in der Südstadt. Daneben sucht man laut Verwaltung nach geeigneten Räumlichkeiten bzw. Grundstücken, um in den kommenden Jahren weitere Kapazitäten zu schaffen und dem rechtlichen Anspruch auf einen Kitaplatz Rechnung zu tragen. Ob dies gelingt, darf wohl bezweifelt werden.

„Hallo Eltern, kümmert euch bitte selbst darum!“

Was man derzeit in der Praxis als Notnagel offeriert, wird wie folgt ausgedrückt: „Wir unterstützen Eltern sehr individuell in akuten Notsituationen eine gute Lösung für Eltern und Kind zu finden. Wir sind aber auch darauf angewiesen, dass Eltern in ihrem persönlichen Umfeld kreativ nach guten Lösungen für sich und ihr Kind suchen.“ Man könnte dies auch so interpretieren, dass mehr Eigeninitiative der Eltern angemahnt wird.

Haben Sie eine Meinung dazu? Schreiben Sie uns: medientrio@egghead.de

Ob dies eher zynisch ist, überlasse ich Ihnen. Jedenfalls ist man nun dabei, eine Kommunikationsplattform aufzubauen, um Eltern „…mehr und besser zu vernetzen.“ Denn, so wird amtlicherseits nochmals betont: „…finden sich auch kreative und gute Lösungen für Eltern im persönlichen Umfeld.“ Man könnte auch sagen, es geht nach dem Motto: Kümmert euch bitte selbst darum!

Absage wegen nicht geeigneten Geländes

Spezifisch zum CVJM antwortet die Stadt wie folgt: „Der CVJM hat eine Anfrage für den Bau einer Kita gestellt. Das … angedachte Gelände hat sich als nicht geeignet… erwiesen. Daraufhin hat der CVJM seine Anfrage zurückgezogen. Das Amt für Familie und Soziales begrüßt solche Initiativen und hat auch der CVJM-Anfrage positiv gegenübergestanden. Allerdings bedarf es eines geeigneten Geländes.“

Das alles ist für Sie wohl keine direkte Hilfe, aber vielleicht dient es der Information sowie dazu, seitens der Stadt weitere Anstrengungen zu untenehmen.

Aus RegioMagazin WILLI 10/2022
Text+Recherche: Hubert Hieke


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