Wiesental | Wissädalä Fasänachdä

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Icon-Stadtmagazin WILLIMuss die Geschichte der Wiesentaler Fastnacht umgeschrieben werden? Zumindest um wichtige Bestandteile vervollständigt werden? Wenn man den Recherchen des Heimatvereinsvorsitzenden Hans-Peter Hiltwein folgt, bedürfen die Anfänge des örtlichen Faschingstreibens einiger wichtiger Ergänzungen.

Der erste Fastnachtsumzug kam nicht, wie es immer heißt, 1970 zustande, sondern schon viel früher. Auch regierte der erste Elferrat nicht ab 1977, sondern ebenfalls schon viel früher. Von 1928 und 1929 existiert, so der Nachweis des Heimatvereins, jeweils eine Aufnahme mit Fasenachtern, darunter ein „Elferrat“. Dabei handelt es sich um das Narrenparlament des Gesangvereins MGV 1909.

Neue Informationen über alte Zeiten liefert auch ein aufgefundener Zeitungsbericht. Am Dienstag, 5. Februar 1929, war im „Rheinischen Tagblatt – Bruhrainer Zeitung“ zu lesen: „Allmählich geht der Karneval seinem Höhepunkt zu. Auch bei uns merkt man es an den zahlreichen Kappenabenden und Maskenbällen. Alle karnevalistischen Veranstaltungen waren gut besucht und überall herrschte fröhliche Karnevalstimmung. Wir nennen den Kappenabend des Musikvereins Harmonie, der am Samstag eine fröhliche Schar in die Rosenhalle lockte. Am Sonntag hatten dann ebenfalls in der Rosenhalle die Turner ihren Maskenball, wobei die stimmungsvolle Streichkapelle des Musikvereins e.V. viele Tanzlustige zu befriedigen hatte.

Den Höhepunkt bildete die Veranstaltung des Männergesangvereins.

Dafür sorgte Prinz Karneval und sein Gefolge. Am späten Nachmittag zog er durch die Straßen, ihm entgegen seine Braut, die sich als tadellose Reiterin auf dem Schimmel entpuppte. In mehreren reich geschmückten Wagen folgte der Elferrat. Groß war die Anteilnahme der Bevölkerung, die scharenweise den Zug begleitete. Pünktlich um 6 Uhr gab sodann Prinz Karneval die Räume der Narrenhalle (Leosaal) frei und bald bot sich ein buntbewegtes Bild dar“, so die damalige Berichterstattung.

Weiter ist zu erfahren: „Die vom Männergesangverein ausgesetzten Preise haben manches schöne Kostüm und manch gut gelungenen Einfall von Witz und Humor gebracht. So war es den Vereinsrichtern nicht leicht, bei der Preispolonaise die Entscheidung zu treffen. Die Spannung war dann aufs höchste gestiegen, als um 11 Uhr die Preisverleihung mit Demaskierung vorgenommen wurde.

Bald nahm Prinz Karneval Abschied von seiner Braut und vom Narrenvolk und allzu früh war für viele die Polizeistunde gekommen. Narr Heil!“ Soweit der damalige Bericht.

Vor dem Ersten Weltkrieg schon reges Faschingstreiben

Bereits um die Jahrhundertwende soll es in Wiesental ein reges Faschingstreiben gegeben haben, erzählen die ältesten Mitbürger. Schon vor der Zeit des Ersten Weltkriegs trafen sich verkleidete Gruppen aus den verschiedenen Zigarrenfabriken am heutigen Park und führten Polonäsen vor umstehenden Zuschauern auf.

Die ersten gesicherten Nachweise liefern auch die Elferratsbilder des MGV 1909 und belegen damit, dass 1928 und 1929, wenn nicht schon früher, ein Faschingsumzug zustande gekommen ist, der vom „Schwanen“ zum „Badischen Hof“ führte. Auch vom Sängerbund gibt es ein Bild mit dem Titel „Fastnacht 1910“ mit elf Einzelporträts, vielleicht als Elferräte, allerdings nicht kostümiert und nicht maskiert.

1956 begann der 1948 gegründete Kienholzclub mit einem schönen Brauch: Am Faschingsdienstag zogen die KHC-Narren, musikalisch begleitet von der „Socken-Band“ mit Karl Korrmann und Edmund Schuhmacher, vom „Leo-Karl“ zum damaligen FV-Clubhaus an der Kirrlacher Straße zu einem närrischen Beisammensein, das 1977 als Punksitzung in der Wagbachhalle alljährliche Fortsetzungen fand.

Der erste offizielle Faschingsumzug in Wiesental startete 1970. Damals ergriff der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Rektor Hans Weisbarth, die Initiative, die „Wissädalä Fasänacht“ am Faschingsdienstag in „geordnete Bahnen zu lenken.“ Die 1970er Strecke war doppelt so lang wie die heutige.

Übrigens: Im Jahre 1397 wurde der Nürnberger Fastnachtszug erstmals urkundlich erwähnt. Damit steht fest, Nürnberg ist die Mutter aller Fastnachtszüge.

Text und Bilder: Werner Schmidhuber
Aus RegioMagazin WILLI 2/21

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