Karpfen | Weihnachtsschmaus

Weihnachten | Igitt! Karpfen


Icon-Stadtmagazin WILLI Reportage | Karpfen- der traditonelle Weihnachtsschmaus verrät in Vergessenheit.

Aus RegioMagazin WILLI 12/18

 

Mehr und mehr gerät der Karpfen als traditioneller Weihnachtsschmaus in Vergessenheit.

Wahrscheinlich liegt es am schlechten Ruf, den der Karpfen genießt. Er ist bekannt dafür, dass er gründelt und bei der Suche nach Futter auf dem Boden des Gewässers viel Schlamm schluckt. Wenn er nicht mindestens 3 Tage in klarem Wasser schwimmt und dadurch „geklärt“ wird, schmeckt er erdig und modrig. Das erklärt, warum früher vor den Weihnachtsfeiertagen häufig lebendige Karpfen durch die wasserbefüllte Badewanne schwammen, ehe sie an Heilig Abend im Kochtopf landeten.

Viele Geschichten ranken sich um den Karpfen, einige zeigen einen religiösen Hintergrund auf, andere erzählen von der magischen, geldbringenden Kraft der Karpfenschuppe.

Das Symbol des Fisches für Jesus kennt jeder. Woher es kommt, ist umstritten. Eine Erklärung besagt, dass das griechische Wort für Fisch, »Ichthys«, gelesen werden kann als Abkürzung für »Iesous Christos Theou Hyios Soter« (Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser). Fest steht, dass schon ab etwa 200 nach Christus die symbolische Bezeichnung »Ichthys« für Christus auftaucht. Dass dann ausgerechnet der Karpfen zum Weihnachstfisch wurde, könnte daran liegen, dass Karpfen eher anspruchslose Fische sind, die sich auch fleißig selbst vermehren.

Karpfen gelten in vielen Kulturen als Fruchtbarkeitssymbol. In China verspricht der Karpfen außerdem beruflichen und wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb sind in chinesischen Restaurants häufig Zierkarpfen im Aquarium zu bewundern. Bei uns gibt es den Aberglauben, Karpfenschuppen verhelfen zu Geldsegen. Eine Schuppe des Weihnachtskarpfens reicht aus, um der Finanzkrise erfolgreich zu widerstehen. Vorausgesetzt, man trägt diese Schuppe bis zum nächsten Weihnachtskarpfen in der Geldbörse.

Bei den stets hungrigen Mönchen des Mittelalters war der Karpfen eine beliebte Fastenspeise. Und fasten mussten die Mönche ja ziemlich oft. Auch die Adventszeit galt als Fastenzeit, beginnend am 11. November mit der Martinsgans und endend an Heiligabend mit dem Weihnachtskarpfen. Fisch war in der Fastenzeit ja erlaubt, und mit Gänsen nahm man es auch nicht immer so genau. Schließlich leben die ja auch im und am Wasser.

Ein Karpfenteich gehörte früher zu jedem Kloster und zu jedem Dorf. Heute ist es nicht mehr so leicht, einen Karpfen aus der Region zu bekommen.

Rings um das Kloster Maulbronn findet man die Spuren von über 10 Fischteichen. Der heute noch erhaltene Naturschwimmsee »Tiefe See« war ursprünglich ein Karpfenteich. Gespeist wird der See von der Salzach, deren Name sich als »Saalbach« auf Bruchsaler Gebiet wiederfindet. In der Nachbarschaft dieser Bäche finden sich einige Karpfenteiche, von denen die meisten jedoch nicht mehr in Betrieb sind.

Woher bekommt man eigentlich einen Karpfen?

Wer auf Kraichgau-Karpfen besteht, muss sich an Achim Westermann in Bretten-Büchig wenden. Seit 10 Jahren hat er seine Forellenzucht um einen Angelteich erweitert. Seit dem ist dort »Petri Heil« angesagt.
Das besondere an diesem Angelteich ist, dass auch ohne Angelschein, mit dem Kauf einer Tages- oder Halbtageskarte der eigene Weihnachtskarpfen gefischt werden kann. Ob das mit dem Karpfen, dann auch tatsächlich klappt ist fraglich, Glück gehört natürlich dazu.

Einen klaren Vorteil haben Mitglieder eines Angelsportvereins oder zumindest die Besitzer eines gültigen Fischereiausweises. Diesen stehen an Gewässern unserer Region viele Möglichkeiten zum Angeln offen, mitunter ist auch mal ein Schuppenkarpfen oder Spiegelkarpfen dabei. So kommen offenbar nur erfahrene Angler in den Genuss eines frischen, regionalen Weihnachtskarpfens. Aber „klären“ nicht vergessen.

In den vergangenen Jahren ist der Karpfenverkauf immer mehr zurückgegangen. Regionale Fischzuchten, die auch Karpfen anbieten gibt es kaum noch.
So bleibt einem nur noch die Fischtheke im Großmarkt um die Festschmaus-Tradition zu wahren. Aber vorbestellen, sonst gibt‘s nix.

Wie kam der Karpfen nach Europa?

Man geht davon aus, dass der Karpfen ursprünglich aus Asien stammt und die Römer ihn nach Europa brachten. Im Mittelalter wurden Karpfen zunehmend in Teichen gehalten – der Karpfen ist deswegen wesentlicher Bestandteil der Esskultur des Mittelalters. Karpfen gelten, insbesondere in Deutschland und Österreich, vor allem an Weihnachten und Silvester als beliebte Speisefische. Ein Speisekarpfen ist durchschnittlich 35 cm lang und wiegt ein Kilogramm.

 

 

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