Augustiner-Kloster Waghäusel
Augustiner-Kloster Waghäusel

WAGHÄUSEL :: Brüder vom gemeinsamen Leben – Alltag im Augustiner-Kloster

Du könntest der Erste sein,
der diesen Artikel in einer Gruppe teilt

Marienfigur Augustiner-Kloster
Marienfigur Augustiner-Kloster

Alles begann mit einer kleinen Steinfigur – die Mutter Gottes mit dem Jesuskind auf dem Arm. Ein Schafhirte hatte sie in der Nähe des heutigen Klosters Waghäusel im Jahr 1435 in einem hohlen Eichenbaum gefunden. Er errichtete beim Fundort ein kleines Haus sowie, zu Ehren der Mutter Gottes, einen Bildstock. Die Menschen verweilten dort und trugen der Gottesmutter ihre Nöte und Fürbitten vor.

Nachdem Berichte von Heilungen Kranker die Runde machten und immer mehr Menschen das Marienbildnis aufsuchten, ließ der Bischof zu Speyer Matthias von Rammung im Jahre 1473 eine kleine gotische Kapelle bauen, die der Betreuung des Heiligtums dienen sollte.

Später im Jahr 1617 erließ Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern die Erlaubnis, in Waghäusel ein Kloster zu bauen und die Wallfahrtskirche zu erweitern. Damit erhoffte er sich, in der Gegend den katholischen Glauben zu festigen. Es siedelten sich dort Mönche des Kapuzinerordens an.

Heute, nach über fünfhundert Jahren, hat diese kleine 30cm hohe Marienfigur immer noch eine gewaltige Anziehungskraft. Sie steht in der imposanten Wallfahrtskirche auf dem Seitenaltar und zahlreiche Danksagungen in Form von kleinen Tafeln geben Zeugnis von ihren, auf wunderbare Weise erfüllten Hoffnungen.

_

Anzeige

lfk-banner_tretlager-540x194

_

Waren es früher die Kapuziner Mönche, die im Kloster Waghäusel lebten, so sind es seit dem Jahr 1999 „Brüder vom gemeinsamen Leben“, eine Kongregation des Augustiner-Chorherren-Ordens. Es sind Erben der „devotio moderna“ der großen religiösen Reformbewegung des 15. Jahrhunderts.

Pater des Augustiner-Klosters Waghäusel
Pater des Augustiner-Klosters Waghäusel

Pater Ulrich, Pater Stefan, Pater Robert-Maria, Bruder Meinrad und Pater Hermann-Joseph leben in dem Kloster. Sie betreuen die Wallfahrt in Waghäusel gemeinsam und teilen sich die Aufgaben im täglichen Klosterleben.

„Mich hat die Ordensgemeinschaft damals angezogen, da sie auf Augustinus zurückzuführen ist, der ein hohes Freundschaftsideal und auch das Bestreben Brüder um sich zu sammeln hatte. Die Aussicht allein im Pfarrhaus leben zu müssen gefiel mir nicht und ich entschloss mich für ein Leben im Kloster“, erzählt Pater Ulrich von seiner Entscheidung sich in Waghäusel nieder zu lassen. Er ist neben seinen Aufgaben bei der Wallfahrt für die Vorbereitung der Erstkommunionkinder verantwortlich und engagiert sich gerne bei der „Jugend in der Charismatischen Erneuerung“ (JCE), die regelmäßig geistliche Jugendwochenenden (LOGIN) im Kloster durchführt.

Die Aussicht allein im Pfarrhaus leben zu müssen gefiel ihm nicht.

Sein Mitbewohner Pater Stefan kümmert sich besonders um Senioren und Kranke der Seelsorgestelle und ist Leiter einer Gruppe der „Legio Mariens“ – einer internationalen katholischen Laienbewegung, die sich seit nun etwa 90 Jahren engagieren um das Evangelium zu verkünden. „Ich war zuerst als Beamter im Polizeidienst tätig“, so der Pater, „doch das war nicht meine Erfüllung. Als die Möglichkeit aufkam Priester zu werden ohne Abitur haben zu müssen, nahm ich diese war. Nach meiner Berufung stellte sich die Frage wo ich meinen christlichen Glauben so ausleben kann, wie ich ihn empfinde und da fiel meine Wahl auf den Orden „Brüder vom gemeinsamen Leben“. Wallfahrtsrektor und Hausoberer ist Pater Robert-Maria. Er ist der Kloster-Verantwortliche, hat sozusagen alle Fäden in der Hand und verbringt viel Zeit am Schreibtisch. Schon als junger Mann reifte in ihm der Wunsch einmal Priester zu werden. Jedoch so ganz allein in einer Gemeinde wollte er nicht tätig sein. Er traf auf Brüder und Schwestern „vom gemeinsamen Leben“ und war von Ihrer Ausstrahlung fasziniert. Fröhliche gläubige Menschen, die sich über Gäste freuten.
Um den Klostergarten kümmert sich liebevoll Bruder Meinrad und beweist einen grünen Daumen, der Kräuter und Gemüse in dem gut sortierten Garten wachsen lässt, welche die täglichen Mahlzeiten bereichern und verfeinern. Und dann ist da noch Pater Hermann-Joseph, der sich ebenfalls in der

Augustiner-Kloster und Wallfahrtskirche
Augustiner-Kloster und Wallfahrtskirche

Ordensgemeinschaft sehr wohl fühlt. Er ist für die heiligen Messen und Predigten zuständig und nimmt den Gläubigen die Beichte ab. Als geistlicher Assistent des internationalen Hilfswerkes „Kirche in Not“ ist er auch öfters außerhalb des Klosters mit seinem Beichtmobil unterwegs. „Ich trage den Glauben in die Welt und spreche mit Menschen über die Kernthemen wie Auferstehung, ewiges Leben, Himmel, wie ist es bei ist Gott und wer das überhaupt ist“, so der Geistliche.

Das Gästehaus des Klosters steht allen Wallfahrern offen, Einzelpersonen und auch Gruppen sind herzlich willkommen. „Wir möchten uns nicht wie Mönche hinter den Klostermauern verstecken“, so Pater Robert-Maria. „Dieses Kloster in Waghäusel hat den Vorteil, dass es offen ist, wir haben Zimmer zur Verfügung und wir nehmen gerne Gäste auf, die auch einige Zeit mit uns zusammen leben.“ Ein geplantes Projekt der fünf Geistlichen ist „Das Haus der christlichen Nächstenliebe“. Hier sollen Menschen mit Gottes Hilfe ein Generationen übergreifendes , familienähnliches Zuhause finden und es auch gestalten. Angewiesen sind sie dabei auf Spenden von Gläubigen. „Die Wallfahrt und das Kloster sind auf diese Spenden angewiesen, da wir kein Grundbesitz haben“, so der Pater. „Seit einigen Jahren werden wir zusätzlich von einem Förderverein unterstützt, um beides unterhalten zu können.“

Die fünf sympathischen „Brüder vom gemeinsamen Leben“ freuen sich über Gesellschaft. Jeden Mittwoch gibt es die Möglichkeit im Kloster am Mittagstisch teilzunehmen – dieses Mal gab es leckere Gemüsesuppe – und dienstags und freitags beten und singen die Geistlichen morgens um 8 Uhr gemeinsam mit den Gläubigen. „Die Mutter mit dem geistigen Herzen“, wie die unzähligen Wallfahrer in den vielen Jahren die kleine Marienstatue genannt haben, weilt stets unter ihnen.

Text und Bild: Gaby Müller