Gartenanlage Schwetzingen | Foto: Andrea Rachele (SSG)

Verheerende Schäden in den historischen Gärten zeichnen sich ab

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25.05.2020 |

Es sieht nicht gut aus für die historischen Gärten: Das ist in diesem Jahr bereits mit dem Ende des Frühlings das Fazit der Fachleute aus den großen Gärten. 2019 hatten sich die Parks bundesweit an die Öffentlichkeit gewandt mit der Hiobsbotschaft, dass in weiten Bereichen die alten Baumriesen sterben. Der Grund: Die zunehmende Trockenheit, verbunden mit einer anhaltenden Folge von immer wärmeren Sommern, überfordert den überlieferten Baumbestand. 2020 nun wird die Situation noch früher bedrängend als im Vorjahr und die großen historischen Landschaftsgärten müssen schon im Frühjahr auf Bewässerung zurückgreifen. Auf diese akute Gefahr für den Bestand der historischen Gartenkunstwerke weisen der Verein Schlösser und Gärten Deutschland e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur als Partner im bundesweiten Initiativbündnis „Historische Gärten im Klimawandel“ jetzt hin.

Trockene Äste prägen das Landschaftsbild der Staatlichen Schlösser und Gärten | Foto: Jens Spanjer

Der Klimawandel betrifft historische Gärten in ganz Deutschland
Im Sommer 2019 war es erstmals auch für Laien sichtbar, dass sich in den großen historischen Gärten etwas dramatisch zum Schlechteren verändert: Dürre Äste und schütter belaubte Baumkronen unterbrachen immer deutlicher das ansonsten üppige Grün. Betroffen waren vor allem die Landschaftsgärten mit ihrem alten Baumbestand. Für die Gartenverwaltungen bedeuten die Schäden enormen Aufwand. Die Sicherung der Wege und der Schutz der Gäste vor Astbruch und stürzenden Bäumen wird immer aufwändiger. Die Schäden betreffen Gärten in ganz Deutschland. Auch wenn in weiten Teilen des Landes der März relativ regenreich war: Die Niederschlagsmengen, die derzeit fallen, sind zu gering. „Noch nie waren unsere Zisternen mit Regenwasser für die Pflanzensammlungen schon im April leer“ melden die Herrenhäuser Gärten in Hannover und der Park Branitz in Brandenburg verweist für den April auf eine Regenmenge von gerade mal 3 % früherer Jahre. Um das Erscheinungsbild der großen Gartenkunstwerke für künftige Generationen zu retten, müssen ganz neue Konzepte überlegt entwickelt werden. Dafür gründete sich im November 2019 das bundesweite Initiativbündnis „Historische Gärten im Klimawandel“.

Datenvergleich zeigt dramatische Veränderung im Detail
Um das Maß der Veränderung gegen frühere Jahre zu verstehen, haben die Fachleute für den Schlossgarten Schwetzingen in Baden-Württemberg in einer umfangreichen Untersuchung Daten der letzten acht Jahrzehnte analysiert. Und es zeigte sich eine deutliche Veränderung. Von 1965 bis 2002 waren nur 15 % der Jahre trockener als der langjährige Durchschnitt; gegenwärtig sind es 40 %. Der April 2020, der Monat, in dem für die Buchen und Eichen die Vegetationsperiode beginnt, war außergewöhnlich trocken. Lediglich 1,8 Liter Regen fielen pro Quadratmeter. Der Durchschnittswert im April aber wären 46 Liter, mehr als das 25-fache der diesjährigen Regenmenge. Zur Trockenheit kommt die zunehmende Hitze. Insbesondere in den Sommermonaten setzt die Hitze die schon durch den Wassermangel geschädigten Bäume unter enormen Stress. Waren von 1941 bis 2002 nur 13% der Jahre wärmer als der langjährige Durchschnitt, sind seit 2003 fast die Hälfte der Jahre, 47%, wärmer. Und noch deutlicher: Im Sommer sind nun 25% der Jahre sehr warm gegenüber lediglich 3-4% der Jahre früher. „Das Ergebnis dieser Datenanalyse ist von erschütternder Deutlichkeit und es stützt die Beobachtungen der letzten Zeit“ erklärt Michael Hörrmann, der 1. Vorsitzenden des Vereins Schlösser und Gärten Deutschland e.V.

Über Schlösser und Gärten Deutschland e.V.
Der Verein Schlösser und Gärten Deutschland e.V. – die bisher einzige bundesweite Vereinigung staatlicher und nichtstaatlicher Besuchermonumente – versteht sich als Zusammenschluss der großen, prägenden Schlösser, Burgen, Klöster und Gärten in Deutschland. Inzwischen gehören ihm die staatlichen, kommunalen und privaten Betreiber bzw. Besitzer von rund 340 Monumenten mit ca. 16 Mio. jährlichen Besuchern an, sowie einige Organisationen, wie die Deutsche Burgenvereinigung, die Aktionsgemeinschaft privates Denkmaleigentum, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur oder die Deutsche Burgenstraße. In einem aktuellen Positionspapier hat der Verein grundsätzliche Thesen zusammengefasst. Die Aufgabe, auf die besondere Situation der Denkmaleigentümer hinzuweisen, steht dabei aktuell im Zentrum. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf Privatpersonen als auch Institutionen der öffentlichen Hand, kommunal oder staatlich. Die Mitglieder sind, so das Positionspapier: „Besitzer und Bewahrer der prägenden öffentlich zugänglichen Schlösser, Burgen, Klöster und Gärten Deutschlands“. Ihr gemeinsames Ziel: in Achtung vor dem Denkmalwert und der wissenschaftlichen Bedeutung die Monumente als Bestandteile des europäischen und des deutschen kulturellen Erbes zu erhalten. Ebenso sieht man im Verein Schlösser und Gärten Deutschland e.V. eine prominente Aufgabe darin, in kultureller und touristischer Verantwortung der eigenen Region gegenüber, die Monumente allen Interessierten zugänglich machen.

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