Saatguternte von Hand: Die Eicheln werden am Boden aufgelesen und in einem Eimer gesammelt. Die gesammelten Eicheln werden in Säcke abgefüllt und beschriftet.

Umwelt | Aus dem Landkreis Karlsruhe kommt Saatgut für künftige Wälder

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14.12.2020 | Aufgrund des dritten Dürrejahrs in Folge und den daraus entstandenen Schadflächen im Wald steigt landesweit der Bedarf nach Saatgut für den künftigen Baumnachwuchs. Hierbei sind insbesondere die klimastabilen Baumarten gefragt. Eine besondere Rolle spielt dabei die Eiche.

Auch in diesem Jahr fand die Saatguternte bei Eiche aber auch an Buche und Douglasie in den vielfältigen Wäldern des Landkreises Karlsruhe statt. Für die sogenannte Beerntung sind nur ausgewählte Waldbestände zugelassen. Die Einhaltung der strengen gesetzlichen Vorgaben wird durch das Forstamt im Landratsamt Karlsruhe kontrolliert und zertifiziert.

Die Beerntung im Wald erfolgt je nach Baumart und Erntegut auf verschiedene Art und Weise: „Schwerfrüchtige“ Baumarten mit großen Samen wie die Eiche werden von Hand gesammelt. Bei Bucheckern wäre das zu aufwendig; hier werden Netze unter die Erntebäume ausgelegt, in welche die Früchte fallen. Die Samen von Nadelbäumen werden geerntet, indem „Zapfenpflücker“ in die Baumkronen steigen und die noch nicht vollreifen Zapfen ernten, in denen die Baumsamen enthalten sind. Diese werden anschließend getrocknet, um den reinen Baumsamen zu erhalten.

Bis Ende Oktober wurden allein im Stadtwald Östringen mehr als 530 kg Eicheln per Hand gesammelt.

Die Saatguternte wurde durch den Revierleiter Jochen Kaiser geplant, vorbereitet und vor Ort betreut. „Die Ernte verlief insgesamt reibungslos und zufriedenstellend“, so der Revierleiter.

Mit dem Aufsammeln der Eicheln ist es jedoch nicht getan: nach der Ernte müssen die Eicheln im Wasserbad gesäubert und sortiert werden. Das Saatgut wird anschließend in Säcke gefüllt und mit entsprechenden Angaben zur Baumart oder zum Sammelzeitpunkt versehen. Die Erntecharge erhält bei Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben dann vor der Weitergabe das behördlich vorgeschriebene „Stammzertifikat“ des Forstamts. Bei vielen Ernten werden auch zusätzliche Saatgutproben gezogen, um deren „genetischen Fingerabdruck“ im Labor per Genanalyse zu ermitteln. Mit dieser Information, die als weiteres Zertifikat das Erntegut von der Samenaufzucht in der Pflanzschule bis zur Endabgabe des Pflanzgutes an den Endverbraucher begleitet, soll die Echtheit und Nachverfolgbarkeit des Pflanzmaterials überprüfbar gewährleistet werden. Damit wird verhindert, dass genetisch ungeeignetes Saatgut aus nicht zugelassenen Erntebeständen später als Pflanze im Wald ausgebracht wird und die künftigen Baumgenerationen gute Wuchs- und Formeigenschaften aufweisen.

Das gewonnene Saatgut im Landkreis wird an verschiedene Pflanzschulen im süddeutschen Raum abgegeben. „Dort können diese bei entsprechender Trocknung noch bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. Dann kehren die Eicheln als zwei- bis vierjährige Pflanzen zurück in den Wald. Diese können dann dort gepflanzt werden, wo die Naturverjüngung ausbleibt“, erläutert Thomas Fuchs, der am Forstamt für die Zertifizierung des Saatgutes zuständig ist. Wenn die jungen Eichen dann in unseren Wäldern ausgebracht werden, leisten sie einen wichtigen Beitrag im Hinblick auf die Gestaltung klimastabiler Wälder im Landkreis.

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