Außenansicht Norden

STREITTHEMA KREMATORIUM | Wie und was wird in Forst geplant?

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2.7.2020 | Forst soll ein Krematorium bekommen. Das Bekanntwerden dieses Umstands sorgte Anfang der Woche für Aufruhr in der Gemeinde, woraufhin sich besorgte Bürgerinnen und Bürger in einem Schreiben an die Gemeinderäte und den Bürgermeister wandten. Ihre Forderung: Diesen Bau verhindern! Landfunker berichtete bereits über die Ängste und Argumente der Forster.

Zum Leben eines jeden Menschen gehört der Tod

Der Tod ist die einzige Konstante, ist unausweichlich, alles läuft auf ihn zu. Das Wissen um die eigene Sterblichkeit macht verletzlich, das Verdrängen ist für viele die Konsequenz. So planen wir unsere Schritte im Leben minutiös, wollen nichts dem Zufall überlassen, doch das Ende unseres Lebens klammern wir häufig aus. Wer sich mit dem Thema Krematorium befassen möchte oder muss, muss sich mit dem Tod befassen. Das kann beklemmend sein.

Um mehr über das Vorhaben zu erfahren, sind wir auf die planenden Ingenieure zugegangen. Diese zeigen im Gespräch mit der Landfunker -Redaktion durchaus Verständnis für die Reaktionen, verweisen aber auch darauf, dass es sich keineswegs um eine „Industrie“ handele, sondern gerade das Gegenteil das Ziel sei.

Abschiedsraum (Klicken für Vergößerung)

Die pietätvolle Bestattung, unter Nutzung einer ortsnahen Möglichkeit Feuerbestattungen durchzuführen, böte Gelegenheit sich angemessen und würdevoll zu verabschieden, anstatt Angehörige in entfernte unbekannte, möglicherweise fernen Industriegebieten verbrennen zu lassen und als Asche wieder zurück zu bekommen.

Ortsnahe Feuerbestattung statt industrieller Abfertigung

Die Anlage in Forst soll es den Angehörigen ermöglichen, Abschiednehmen und Feuerbestattung in einem einzigen Festakt zu begehen. Die Architekten Katharina und Alexander Diehm betonen, es handele sich bei dem Vorhaben gerade nicht um eine industrielle Anlage, sondern um eine Kombination aus modern und licht ausgestatteten Andachts- und Abschiedsräumen – mit einer angeschlossenen Verbrennungsanlage. Sie betonen auch, dass die modernste Filtertechnik keinerlei Geruchbelästigung zulasse.

Andachtsraum

Natürlich lassen sie hier die besondere Sichtweise von Anwohnern unberücksichtigt, die u.a. Zweifel am vollkommenen Ausschluss einer Geruchsbelästigung haben und ein hohes Verkehrsaufkommen von einschlägigen Fahrzeugen befürchten. Nach Aussage der Architekten sei allerdings nur geplant den nahen regionalen Bedarf zu decken; man wolle hier keinesfalls einen Einäscherungstourismus damit in Gang setzen.

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Was soll im Inneren der Anlage passieren?

Nach der Ankunft der Verstorbenen im Einfahrtsbereich soll der Sarg in einen Kühlraum gebracht werden, wo er bis zur amtsärztlichen Leichenschau bleibt. Am Tag der Beerdigung werden Sarg und Leichnam in die Abschiedshalle gebracht. Im Anschluss soll die Möglichkeit bestehen, Sarg und Leichnam im Beisein der Angehörigen dem Feuer zu übergeben. Direkt nach Abschluss dieses Vorgangs kann die Urne von den Angehörigen in Empfang genommen und zu ihrer endgültigen Ruhestätte gebracht werden.

Ansicht West mit Cafeteria und Terrasse

 

Geplant scheint auch ein erweitertes Angebot, das den Bedarf anlässlich einer Bestattung bedienen könne. So sei die Möglichkeit des Kaufs von Blumenschmuck und ein Café angedacht. Alles in einer überschaubaren, dem Standort angemessenen Größe. Durch die direkte Anbindung an den „neuen“ Friedhof sei dies eine komplexe zeitgemäße Anlage, die in keiner Weise zu Beanstandungen führen würde.

Mit welcher Anzahl an Feuerbestattungen wäre zu rechnen?

Die beiden Planer nennen eine Zahl von 4-5 Bestattungen pro Arbeitstag, was einem Jahresdurchschnitt im Bereich zwischen 1.000 und 1.200 entspricht und die Anlage für den privaten Betreiber rentabel mache. Eine in den sozialen Medien oft zitierte Behauptung, dass erst ab 10.000 Feuer-Bestattungen eine Rentabilität erreicht werde, sei falsch.

 

Grundriss (Klicken für Vergößerung)

Aufklärung in öffentlicher Sitzung

Das Projekt soll dem Gemeinderat sowie allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern in einer öffentlichen Sitzung am Montag, 6. Juli ab 18:30 Uhr im Alex-Huber-Forum in Forst vorgestellt werden. Bedenken können geäußert, Fragen an Architekten, Bauherren und Bauamt gestellt werden.

 

Feuerbestattung

Die Feuerbestattung wird heute als umweltschonendste Art der Bestattung angesehen und ist mit über 70% die am meisten gewählte Beisetzungsform in Deutschland. Die Öfen sind geruchsneutral und emissionsfrei und würden für den Standort Forst von der Firma Ruppman Verbrennungsanlagen GmbH geliefert werden, die seit 100 Jahren Krematoriumsöfen herstellt

 

 

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2 Feedback

  1. Ist die Anzahl der Parkplätze ausreichend? So ist Ärger vorprogrammiert!

  2. Warum soll das Krematorium in der Nähe eines Wohngebiets errichtet werden, wo es genug Flächen dafür in Industriegebieten gibt?

    Ein privat geführtes Krematorium existiert beispielsweise in Landau im Gewerbegebiet.

    Siehe auch den seit 11 Jahren andauernden Streit um den eingestellten Krematoriums-Neubau in Sinsheim-Reihen.

    https://www.rnz.de/nachrichten/sinsheim_artikel,-sinsheimer-krematoriums-verhandlung-stadt-will-keine-entschaedigung-zahlen-_arid,343841.html

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