Sitzung Meeting Besprechung
Symbolbild

JUGEND | Die Jugendhilfe im Fokus

Bereits 3 x geteilt!
Bitte hilf uns, den Beitrag weiter zu verteilen. Danke!

Am Montag, 25. Mai, hielt der Jugendhilfe- und Sozialauschuss des Landkreises Karlsruhe gemeinsam mit Landrat Dr. Christoph Schnaudigel eine Sitzung ab – coronabedingt in der Altenbürghalle in Karlsdorf-Neuthard. Im Folgenden sind alle angesprochenen Themen und Beschlüsse aufgeführt:

Integrationsarbeit zeigt Erfolge - App soll Arbeit bald erleichtern

Mit der Verlängerung des Paktes für Integration mit einem jährlichen Fördervolumen von 70 Millionen Euro für die Integrationsarbeit in den Kommunen für die Jahre 2020 und 2021 unterstreicht das Land Baden-Württemberg deren gesellschaftliche Bedeutung. Die Mitglieder des Jugendhilfe- und Sozialauschusses nahmen in der jüngsten Sitzung am 25. Mai zur Kenntnis, dass die Integrationsarbeit und Zusammenarbeit vor Ort positiv verläuft, wie aus den Rückmeldungen der Städte und Gemeinden an die Landkreisverwaltung hervorgeht.

38 Integrationsmanager/innen oder umgerechnet 35 Stellen unterstützen die Kreiskommunen bei der Integrationsarbeit und beraten aktuell 4.300 geflüchtete Personen, um den individuellen Integrationsprozess und die eigene Selbständigkeit weiter zu fördern, berichte Abteilungsleiterin Myriam Brunner vom Amt für Integration. Der Landkreis stehe zu seiner Zusage, alle in der Anschlussunterbringung untergebrachten Geflüchteten zu beraten. Das Land fördere dafür circa 29 Vollzeitstellen. Für die Arbeit vor Ort sei eine umfassende Datengrundlage essentiell, die in Form von Monitoringberichten den 28 beteiligten Kommunen regelmäßig zur Verfügung gestellt werden.

Eine neue App, die in Kürze online geht unterstützt die Integrationsarbeit zusätzlich.

Aus dem vorgestellten Sachstandsbericht geht hervor, dass es 280 Personen nach rund zwei Jahren Beratung durch das Integrationsmanagement gelungen ist, eigenständig und finanziell unabhängig zu werden. Über 500 Personen haben einen von der Kurskoordination des Amtes für Integration organisierten Sprachkurs erfolgreich absolviert. Rechnet man die nur teilweise vorliegenden Informationen der Teilnehmenden von Integrationskursen, die durch den Bund organisiert werden, hinzu, haben von rund 1.100 Personen 16% ein Sprachniveau bis A2 und 10% bis B2 erreichen können.

„Unbestritten die die Beherrschung der deutschen Sprache Grundlage für eine gelungene Integration unterstrich Landrat Dr. Christoph Schnaudigel. Dies gelte insbesondere für die Integration in Arbeit. Dass 40% aller Geflüchteten zwischen 15 und 65 Jahren einer beruflichen Beschäftigung, dazu zählen auch Praktika und Ausbildungen, nachgehen, belegt, dass die Integration in den Arbeitsmarkt funktioniert. Da lediglich ein gutes Viertel der beruflich Beschäftigten als Fachkräfte eingesetzt werden, sehe man jedoch auch den Bedarf einer langfristigen und qualitativ orientierten Arbeitsintegration. Das Gremium konnte dem Sachstandsbericht entnehmen, dass aktuell rund ein Viertel der Kinder im Integrationsmanagement von 0 bis unter 3 Jahren eine Kinderkrippe und rund 90 % der über Dreijährigen einen Kindergarten besuchen. Schwierigkeiten bereiten die ungenügende Zahl an Betreuungsplätzen.

 

Die Rolle von Gesundheits- und Jugendamt während der Corona-Pandemie

Das im Landratsamt Karlsruhe angesiedelte Gesundheitsamt ist für den Landkreis und die Stadt Karlsruhe und damit für rund 760.000 Einwohnerinnen und Einwohner zuständig. Zu seinen Kernaufgaben gehört der Schutz der Bevölkerung vor ansteckenden Krankheiten. Während Erkrankungen wie Keuchhusten, Q-Fieber, Hirnhautentzündung, Masern oder Darmentzündungen durch Salmonellen oder andere Erreger kaum öffentliche Beachtung finden, stehen epidemische Ereignisse wie der Tuberkulosefall an einer Schule in Bad Schönborn mit Hunderten von Kontaktpersonen im vergangenen Jahr besonders im Fokus. Über die Auswirkungen der Corona-Pandemie wurde dem Jugendhilfe- und Sozialausschuss in seiner Sitzung vom 25. Mai berichtet, die coronabedingt in der Altenbürghalle in Karlsdorf-Neuthard stattfand.

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel zeichnete den Verlauf der Pandemie nach, die nach ersten positiven Fällen im Februar nach den Faschingsferien Anfang März deutlich anstieg und auch in Schulen, Krankenhäuser sowie Pflegeheimen eingetragen wurde. Deshalb mussten neben den betroffenen Personen auch die Einrichtungen vom Gesundheitsamt bzw. der Heimaufsicht begleitet werden. Parallel wurden gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und der Ärzteschaft Abstrichzentren und Fieberambulanzen eingerichtet.

Die Verwaltungen in Stadt- und Landkreis arbeiteten in Verwaltungsstäben, zur Information der Bevölkerung wurden Beratungshotlines eingerichtet.

Waren vor der Corona-Pandemie 32 der insgesamt 121 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts mit Aufgaben des Gesundheitsschutzes betraut, arbeiteten schon bald 80 % der Belegschaft in der Pandemiebekämpfung. Darüber hinaus wurde Personal aus anderen Ämtern umgeschichtet sowie externes Personal eingesetzt. Eine neue Datenbank wurde in kürzester Zeit aufgebaut und etliche Arbeitsvorgänge automatisiert.

Die Neuinfektionen sind seit Mitte April zurückgegangen und haben sich aktuell auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Da mit Lockerung der kontaktreduzierenden Maßnahmen jedoch wieder mit einem Anstieg zu rechnen ist, bleibt das Infektionsgeschehen im Fokus des Gesundheitsamtes. Durch das Einhalten des Mindestabstands und das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes kann die Wahrscheinlichkeit von Ansteckungen verringert werden. Kommt es dennoch dazu, müssen diese möglichst schnell erkannt und weitere Ansteckungen verhindert werden. Deshalb bleibt die Kontaktpersonennachverfolgung zentrale Aufgabe des Gesundheitsamtes, das in diesem speziellen, aber auch im allgemeinen Bereich verstärkt werden soll, um flexibel auf die Anforderungen reagieren zu können.

Dies gilt umso mehr, nachdem Bund und Länder eine Maßnahmengrenze vereinbart haben: Spätestens wenn die Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen überschritten wird, werden eingreifende Maßnahmen der Behörden erforderlich. Bezogen auf den Landkreis und die Stadt  Karlsruhe sind dies 222 bzw. 157 Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen; eine Zahl, die derzeit aber bei weitem nicht erreicht wird.

Ein besonderes Augenmerk wird auf Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheime sowie Unterkünfte für Flüchtlinge, Saison- und Werkvertragsarbeiter gelegt, bei denen aufgrund der Unterbringung einer Vielzahl von Menschen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht. Deshalb werden dort auch verstärkt präventive Maßnahmen getroffen.

Einhellig begrüßt hat das Gremium, dass die Verwaltung Zahlungen an soziale Institutionen, Vereine, Einrichtungen und Tagespflegeeltern zunächst bis Ende Mai in vollem Umfang weiter gewährt wurden, auch wenn die Leistungen aufgrund der Kontaktverbote eingestellt oder nur vermindert angeboten werden können. Damit wurde die bewährte soziale Infrastruktur im Landkreis erhalten, womit sie am Ende des „Shutdown“ wieder im gewohnten Umfang angeboten werden können; der Kreistag hat mittlerweile eine Verlängerung bis zum 30. Juni beschlossen, wobei die Träger ausdrücklich aufgefordert wurden, vorrangige Leistungen wie Kurzarbeitergeld, Soforthilfe für kleine Unternehmen und Solo-Selbständige, Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz oder Sozialdienstleister-Einsatzgesetz in Anspruch zu nehmen, wie Landrat Dr. Christoph Schnaudigel betonte.

Im Bereich des Jugendamtes stand die Wahrnehmung des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung an oberster Stelle, der auch in Zeiten eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten stets gewährleistet war.

Beratungsleistungen werden in einer den Umständen angepassten veränderten Form erbracht. Um einem zu erwartenden Anstieg häuslicher Gewalt entsprechen können, hat der Landkreis Vorhaltekosten für eine zusätzliche Schutzwohnung für drei Frauen (mit je maximal 2 Kindern) übernommen,  womit die Kapazität im geschützten Wohnen vorübergehend von 8 auf 11 Zimmer erweitert wurde.

Die staatlich angeordneten Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens im Bundesgebiet haben auch im Landkreis Karlsruhe zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und einem erhöhten Zugang von Menschen in das Sicherungssystem der Grundsicherung für Erwerbsfähige nach dem SGB II geführt:
1.122 Anträge auf Leistungen der Grundsicherung für Erwerbsfähige wurden seit Mitte März gestellt,  60 %  sind unmittelbar auf die Folgen der Corona-Beschränkungen zurückzuführen. Seit Lockerung der staatlichen Beschränkungen ab 19. April ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

Für die Weitergewährung von Zahlungen für nicht oder nur teilweise erbrachte Leistungen fallen im Bereich des Jugendamts pro Monat rund 1,9 Mio EUR, im Bereich des Amtes für Versorgung und Rehabilitation 2,4 Mio EUR an. Für die Beschaffung von Schutzausrüstung, coronabedingte Personalmehraufwendungen und Mindererträge bei Elternbeiträgen fielen bislang rund 3,47 Mio EUR an.  Aus Hilfspaketen des Landes hat der Landkreis als Soforthilfen 1,8 Mio EUR erhalten.

Passgenaue Angebotsplanung der Kindertagesbetreuung | Onlineplattform für Alleinerziehende

Eine gut ausgebaute, soziale Infrastruktur in einer Kommune zeichnet sich unter anderem durch ein bedarfsgerechtes Kinderbetreuungsangebot aus. Die Mitglieder des Jugendhilfe- und Sozialausschuss bescheinigten in der Sitzung am 25. Mai den Kommunen, beim Ausbau der Kindertagesbetreuungsangebote in den letzten 15 Jahren Herausragendes geleistet zu haben. Die Planungsverantwortung obliegt dem Kreisjugendamt, das die kreisangehörigen Kommunen bei der örtlichen Bedarfsplanung unterstützt.

Seit Jahren steigt die Zahl der zu betreuenden Kinder in allen Altersgruppen, auch aufgrund der Zuzugssituation, so dass in einigen Kommunen der Ausbau der Angebote mit dem angemeldeten Bedarf kaum Schritt halten kann. Seit dem vergangenen Jahr häufen sich die Anfragen von Eltern, die für ihr Kind einen bedarfsgerechten Betreuungsplatz suchen; Klageverfahren gegen das Jugendamt im Hinblick auf den Rechtsanspruch für Kinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr bis zum Schuleintritt auf Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege wurden bislang nicht geführt.

Dr. Joachim Fiebig vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg gab einen Überblick über die Entwicklung in den jeweiligen Altersgruppen und blickte auf zukünftige Entwicklungen. Im Kleinkindbereich (0-3 Jahre) hat sich die Zahl der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder von 2005 bis 2018 fast verfünfzehnfacht. Es kann festgestellt werden, dass die Nachfrage nach den Angeboten der verlängerten Öffnungszeiten und der Ganztagsbetreuung deutlich zugenommen hat und der Betreuungsumfang insgesamt deutlich gestiegen ist, weshalb auch in Zukunft mehr Personal und Raum bereitgehalten werden muss.

Der Fachkräftemangel ist weiterhin ein zentrales Thema in der Kindertagesbetreuung und Personalengpässe kommen bei den ohnehin großen Herausforderungen der kommunalen Bedarfsplanung noch erschwerend hinzu. Aufgrund der komplexen Rahmenbedingungen wird der Landkreis Karlsruhe seine Unterstützungsleistungen für die Kommunen und die Träger von Kindertageseinrichtungen intensivieren. Das Gremium nahm die angepasste Vorgehensweise zur Bedarfsplanung zur Kenntnis, die folgende Verfahrensschritte vorsieht: jährliche Gemeinde- und Trägerkonferenzen, eine Plattform zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung für die Planungsverantwortlichen in den Kommunen, eine individuelle Beratung der Kommunen zur Bedarfsplanung sowie die Anpassung des Erhebungsinstruments des Kreisjugendamtes ab 2021.

Die Zustimmung des Gremiums fand auch die neue Online-Plattform „Wegweiser für Alleinerziehende im Landkreis Karlsruhe“, die auf der Homepage des Landkreises Karlsruhe zu findet ist. Sie bündelt u.a. bestehende Unterstützungsangebote für alleinerziehende Mütter und Väter, beispielsweise Austausch- und Beratungsangebote wie die Frühen Hilfen oder „Offene Treffs“ und enthält eine Übersicht über finanzielle Unterstützungsangebote.

Haben Sie Tipps?
Möchten Sie kommentieren?

Hier geht es zum Kommentarfeld >>>

Siehe auch

Logo Landkreis Karlsruhe dynamisch

LANDKREIS | Corona erfordert eine Aufstockung des Gesundheitspersonals

03.07.2020 | Die Corona-Pandemie stellte einen Punkt auf der Tagesordnung des Verwaltungsausschusses dar, der am …