Herzlich: Susanne Hettinger und die »gute Seele des Hauses«, Johann Frasch
Herzlich: Susanne Hettinger und die »gute Seele des Hauses«, Johann Frasch

SENIOREN | Gegen das Vergessen – Demenz

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Rund 1,5 Millionen Deutsche sind von demenziellen Erkrankungen wie Alzheimer betroffen, doch nur die wenigsten Menschen gehen offen damit um. In Unteröwisheim wird seit einigen Jahren in der AWO-betreuten Wohnanlage „Am Badbrunnen“ eine Betreuungsgruppe für Demenzkranke angeboten. Hausleiterin ist Susanne Hettinger.

„Ich bin der Lenker hier – und ihr seid die Denker“. Susanne Hettinger grinst, wenn sie mit ihren Kolleginnen über die Aufgabenverteilung für die kommende Woche spricht. Überhaupt lacht die Hausleiterin der Unteröwisheimer Einrichtung viel. Man merkt ihr und ihrem Team das Herzblut förmlich an, mit dem sie ihrer Tätigkeit nachgehen. Die 46-Jährige ist – zusammen mit drei Kolleginnen – für die „Betreuungsgruppe demenziell erkrankter Menschen“ verantwortlich.

Bevor sich die Gruppe montags, dienstags und mittwochs, jeweils von 9 bis 12 Uhr, in der Herrenstraße 12 einfindet, werden die Betreuungsgäste mit den Autos von den AWO-Mitarbeiterinnen daheim abgeholt. Während der Zeit, in der die Gruppensitzungen stattfinden, sollen die Angehörigen der Demenzkranken – zumindest für drei Stunden am Tag – entlastet werden.

Zuvor können Betroffene und deren Familien, im Rahmen von regelmäßigen Kennenlernkursen, eventuelle Berührungsängste abbauen und offene Fragen in Gesprächen klären. „Die Teilnahme an unserer Betreuungsgruppe ist freiwillig, wir zwingen selbstverständlich niemanden, zu uns zu kommen“, stellt Susanne Hettinger mit einem Augenzwinkern klar.

Mit Gedächtnisspielen, Puzzles, Gymnastik, kreativen Arbeiten u.a. möchte man diese Menschen individuell und „in ihrer ganz eigenen Welt fordern“. Neben dem Vermitteln von Sicherheit und einer festen Tagesstruktur, wie etwa durch ein gemeinsames Frühstück, sind auch Aktivierungs- und Orientierungsmethoden Teile des Betreuungsangebots.

Berührungsängste abbauen

Noch vor zwei Jahren wäre die Betreuungsgruppe, mangels ausreichender Teilnehmer, beinahe aufgelöst worden. „Wir haben gemeinsam darum gekämpft und konnten schließlich verhindern, dass sie gestrichen wird“, atmet die sympathische Kraichtalerin hörbar auf. „Unter uns Kollegen herrscht sowieso ein tolles Arbeitsklima und ein offener Austausch untereinander. Darüber hinaus sind auch Sensibilität, Toleranz und Fingerspitzengefühl in unserem Job wichtig. Sollten wir jedoch alle mal nicht weiterwissen, bekommen wir auch viel Unterstützung und Rückhalt von der Geschäftsleitung.“

Mit Johann Frasch, einem 83-jährigen Bewohner der Einrichtung, hat man zudem ein weiteres Ass im Ärmel – der rüstige Senior ist sozusagen „die gute Seele des Hauses“. Durch seine herzliche und charmante Art gelingt es ihm rasch, zwischenmenschliche Beziehungen zu den männlichen und weiblichen Teilnehmern herzustellen und unterstützt damit die Betreuerinnen in ihrem Wirken. Susanne Hettinger: „Herr Frasch ist als ehrenamtlicher Helfer nicht wegzudenken!“

Dass es der Mutter zweier Töchter dabei nicht immer gelingt, Berufliches und Privates zu trennen, liegt auf der Hand: „Mental ist das nicht immer einfach, aber ich arbeite daran und mache zusätzlich Meditationsübungen, um runterzukommen“.

Bei allen Bemühungen seitens der Einrichtung wird jedoch auch deutlich, dass der Umgang mit der Diagnose Demenz unter den Angehörigen und Betroffenen erst allmählich offener wird: „Es ist ein sehr sensibles Thema, das leider häufig noch tabuisiert wird“, erläutert die gelernte Arzthelferin. „Gerade im ländlichen Bereich ist die Angst vor dem Geschwätz der Mitbürger groß“. Daher freut es Susanne Hettinger auch besonders, wenn sie oder ihre Kolleginnen von den Betreuungsgästen, beziehungsweise den Angehörigen, Zuspruch erhalten. „Die Herzlichkeit, die dabei zum Ausdruck kommt, sei es durch eine Umarmung oder nette Worte, macht uns immer wieder sehr glücklich und verdeutlicht, wie wundervoll unsere Tätigkeit ist.“

DEMENZ [Mens = Verstand, de = abnehmend] ist der Oberbegriff für Erkrankungen, die mit dem Verlust geistiger Fähigkeiten wie Denken, Erinnern, Orientieren und Verknüpfen von Denkinhalten einhergehen. Es gibt mehr als 50 Krankheitsformen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz (Anteil von 60-70%). Die meisten Betroffenen sind älter als 65 Jahre, weshalb man daher oft von “Altersdemenz” spricht.

Text und Bild: Matthias Schleicher

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