SENIOREN :: Danke liebe Nachbarschaft

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Von 8000 Einwohnern in der Gemeinde Forst sind etwa 2000 Menschen 60 Jahre und älter. Nun darf man sagen, dass die Forster Senioren äußerst aktiv sind und der Großteil längst nicht zum „Alten Eisen“ zählt. Genau der Grund, warum Professor Dr. Vigener von der SRH Hochschule in Heidelberg, die Gemeinde für ein Forschungsprojekt zum Thema Nachbarschaftshilfe auswählte.

Das Projekt “Generation 60 Plus – Senioren engagieren sich” wurde im Herbst 2013 gestartet. Die Ortschaft Forst wurde hierfür in Nachbarschaftsquartiere mit jeweiligen Ansprechpartner eingeteilt. Von Grund auf meldeten sich viele Senioren, die helfen wollten, die Zahl der Helfer überwiegt sogar gegenüber Personen, die Hilfe annehmen wollen. „Das ist normal, da diejenigen die Hilfe benötig, sich erst überwinden müssen, bis sie danach fragen“, erklärt Professor Vigener, „Mittlerweile sind es 20 Hilfeempfänger, die Zahl wird aber noch steigen.“

In Forst ist die Hilfe ehrenamtlich ohne Bezahlung. Anders als bei weiteren Projekten in anderen Gemeinden, hier entrichtet der Hilfeempfänger zwischen 7 und 9 Euro pro Stunde. Selbstverständlich sind die Helfer durch die Ehrenamtsversicherung abgesichert und es gibt keine Altersgrenze, einige haben das 80. Lebensjahr längst überschritten.

Die Hemmschwelle “Hilfe anzunehmen” ist sehr groß

Wer aktiv mithelfen möchte, sollte Zeit und Geduld mitbringen. Ebenso die Fähigkeit auf Menschen zugehen zu können für einen ungezwungenen Umgang miteinander.

Konrad Dörfler ist so ein Helfer, er ist im Ruhestand und verfügt über mehr Freizeit, so hat er sich zur Teilnahme an diesem Projekt entschlossen. „Es gibt viele ältere Menschen, die auf Hilfe im Alltag, angewiesen sind. Einige sind nicht mehr mobil oder tun sich mit Alltag,ssituationen schwer, und benötigen hier Hilfe”, so der pensionierte Lehrer über seine Beweggründe, “Und vielleicht benötige ich in einigen Jahren selbst einmal Hilfe anderer Menschen, das weiß man nie.” Der rüstige Rentner hat sich im Vorfeld Gedanken gemacht, wie seine Hilfe aussehen könnte. “Ich könnte Einkäufe erledigen oder zu Arztbesuchen begleiten oder auch mal einen Spaziergang machen. Gartenarbeit, handwerkliche Tätigkeiten und professionelle Hilfe bei Krankheiten habe ich von vornherein ausgeschlossen, damit klar festgelegt ist zu was ich bereit bin.“

Konrad Dörfler ist zu einem wöchentlichen Zeitaufwand von 4 bis 5 Stunden bereit. „Beide Seiten sollten hier keinesfalls überfordert werden”, so Dörfler, “Meine Einsätze lassen sich bisher allerdings noch an einer Hand abzählen. Die Hemmschwelle nach Hilfe zu bitten ist wohl immer noch sehr groß”, sagt er nachdenklich, “Uns fehlt derzeit noch Kundschaft”.

Engagierte Helfer: Konrad Dörfler und Ute Schlichter unterstützen das Projekt "Senioren engagieren sich."
Engagierte Helfer: Konrad Dörfler und Ute Schlichter unterstützen das Projekt “Senioren engagieren sich.”

Dass die Hemmschwelle groß ist, Hilfe anzunehmen, weiß auch Ute Schlichter. Auch sie hat sich als Helferin bei diesem  Projekt gemeldet. “Da es in Zukunft mit Sicherheit immer mehr Alleinlebende auch aufgrund des demografischen Wandels geben wird, war ausschlaggebend dafür mich bei diesem Projekt zu engagieren. Solange ich selbst noch in der Lage bin zu helfen, tue ich das gerne”. Auch sie gibt zu bedenken, dass sie vielleicht selbst einmal Hilfe benötigen könnte. „Wir sind keinesfalls eine Konkurrenz zu Hilfsdiensten der Caritas oder ähnlichen Einrichtungen. Bei uns geht es um die kleinen Hilfen im Alltag, die sicherlich in Zukunft auch immer mehr gebraucht und immer wichtiger werden wird“, ist sie sich sicher.

Wer sich für die Nachbarschaftshilfe engagiert macht dies aus freien Stücken, um zu helfen aber sicherlich auch, um seine freie Zeit auf eine andere nützliche Art zu verbringen. Man kann Talente entwickeln und erfüllt zusätzliche eine sinnvolle Aufgabe im Leben. Wirken um etwas in seiner Umgebung zu Bewirken. Wer Anderen hilft, aktiviert eine positive Kraft auch für sich selbst. Helfen ist ein Weg zu einem erfüllten Leben. Bleibt zu hoffen, dass dies die Hilfebedürftigen Senioren und Seniorinnen auch erkennen können und Ihre Scheu „Hilfe anzunehmen“ ablegen können. Auch Sie helfen den Helfern indem sie zulassen, dass sie helfen dürfen. Hier sollten Verwandte und Freunde einer Hilfsbedürftigen Person, die Nachbarschaftshilfe immer wieder zum Thema machen, damit die Senioren sich damit auseinander setzen und sich öffnen können.

Weitere Infos zum Thema Nachbarschaftshilfe gibt es normalerweise bei den jeweiligen Gemeinden eines Ortes.

Text: Christina Notheisen, Bilder: Gemeinde Forst