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Fürstbischof Hutten, Foto: SSG Pressefoto

Schloss Bruchsal | 250. Todestag von Fürstbischof Franz Christoph von Hutten

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20.04.2020 | „Seinem Bisthum erwies er viel Gutes…“ So heißt es über Franz Christoph von Hutten in einem Buch aus dem Jahr 1797. Er starb 1770, vor 250 Jahren.

Er regierte seit 1743 als Fürstbischof das Hochstift Speyer. Schloss Bruchsal ließ er prunkvoll im Stil des Rokoko ausstatten. Sein Wappen ziert die beiden Altane zum Ehrenhof und zur Gartenseite – und die Skulpturen des Bildhauers Joachim Günther im Schlossgarten stammen aus seiner Regierungszeit.

Ausbildung in Würzburg, Rom und Siena

Wer war Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg? Geboren wurde er am 6. März in Schloss Steinbach/Lohr. Er stammt aus einem alten reichsritterlichen Adelsgeschlecht in Franken. Nach dem Besuch des „Seminarium Nobilium“ in Würzburg, das der höheren Ausbildung junger Adliger diente, folgte ab 1723 ein Theologiestudium in Rom und Siena. Unter anderem hörte er Vorlesungen bei Prosper Lambertini, dem späteren Papst Benedikt XIV..

Karriere, Glanz, Zeremoniell und „Plaisir“

Ab 1730 war der junge Hutten Mitglied des Speyerer Domkapitels – das jüngste. 1743 kam der entscheidende Schritt: Hutten wurde zum Nachfolger des verstorbenen Damian Hugo von Schönborn gewählt. 1761 folgt der letzte Karriereschritt: Hutten wurde zum Kardinal ernannt. Als Fürstbischof von Speyer residierte er in Schloss Bruchsal und entfaltete dort eine prächtige Hofhaltung mit umfangreichem Hofstaat.

Lustbarkeiten am Hofe des Fürstbischofs? Die gab es durchaus, denn als Herrscher musste Franz Christoph von Hutten repräsentieren wie jeder andere Regent seiner Zeit. Spätestens mit dem Aufstieg zum Kardinal wurde der glanzvolle Rahmen Pflicht. Wer als vornehmer Gast nach Bruchsal kam, konnte das erleben, vom Empfangszeremoniell bis zu den „Spectacles“. Der Fürstbischof selbst war Vergnügungen wie dem höfischen Jagen nicht abgeneigt. Seine prunkvolle Hofhaltung mit vielen Bediensteten und sein erlesener Kunstgeschmack führten jedoch zur Anhäufung eines hohen Schuldenbergs.

Hutten und Schloss Bruchsal

Auch der ab 1722 errichteten Schlossanlage Bruchsal drückte Hutten seinen Stempel auf: Er ließ die Verbindungsbauten zwischen Corps de Logis und Kammer- bzw. Kirchenflügel aufstocken und die beiden großen Portale errichten. Ab 1750 wurde das Innere des Hauptbaus mit Deckenfresken, Stuck und geschnitzten Wandvertäfelungen ausgestattet.

Kostbare Bildteppiche, Möbel und Gemälde gab Hutten in Auftrag oder er kaufte sie aus Nachlassversteigerungen wie die einzigartige Garnitur von Wand- und Sitzmöbelbezügen mit chinesischen Motiven, die heute im Musikzimmer gezeigt wird. In der Stadt Bruchsal selbst ließ Hutten 1744–55 die Kirche St. Peter vollenden, in der er 1770 seine letzte Ruhe fand.

Ausschnitt vom deckenbild im Kuppelsaal, Foto: Irina Svitkovskaja
Wappen von Hutten, Foto: Arnim Weischer

Künstler aus der Würzburger Residenz

Der prachtvolle Eindruck, den die Prunkräume im Zentrum der Beletage erwecken, geht im Wesentlichen auf die Zeit von Hutten zurück. Auf Empfehlung Balthasar Neumanns wurden Künstler engagiert, die bereits an der Würzburger Residenz beteiligt waren: der Stuckateur Johann Michael Feichtmayr, der Maler Johann Zick und sein Sohn Januarius, der Schnitzer Ferdinand Hund und der Maler Johann Nikolaus Treu und seine Geschwister Christoph und Catharina Treu. 1751–54 wurden Marmor- und Fürstensaal sowie Kuppelsaal als Abschluss des Treppenhauses ausgestaltet. Die Ausstattung der übrigen Räume wurde vermutlich erst in den 1760er-Jahren vollendet.

Unter Huttens Nachfolgern, Damian August von Limburg-Stirum (reg.1770–97) und Philipp Nepomuk Wilderich von Walderdorf (reg. 1797–1803) wurden aufgrund der schwierigen politischen Verhältnisse die Räume der Beletage in ihrer wandfesten Ausstattung nicht mehr verändert. Lediglich der reizvolle Kammermusiksaal erhielt eine „moderne Stuckierung“ im Zeitgeschmack des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Wirtschaftsförderung im Bistum

Im Sinne des zeittypischen Merkantilismus versucht Hutten die wirtschaftliche Entwicklung staatlich zu fördern und zu lenken. Zu den ersten und wichtigsten Projekten gehört der Bau einer Saline. 1752/53 ließ er in der Stadt eine Tabak- sowie eine Spitzen- und Spinnfabrik errichten. Man kümmert sich um die Verbesserung der Wasserversorgung der Stadt – und natürlich ebenso die von Schloss und Garten; davon zeugt ein Wasserleitungsplan von Balthasar Neumann. Auch ins Schulwesen wird investiert: 1753 erhält Bruchsal ein Gymnasium.

Todestag am 20.4. 1770 in Bruchsal

Am 20. April 1770 starb Franz Christoph von Hutten in Bruchsal, vermutlich an einer Lungenentzündung. Seinem letzten Willen entsprechend wurde sein Leichnam in der Gruft von St. Peter in Bruchsal beigesetzt, sein Herz im Muttergottesaltar der Klosterkirche in Waghäusel. Was geschah weiter im Schloss? Mit der Säkularisation fiel das Schloss 1803 an die Markgrafschaft Baden, die durch Napoleon zunächst zum Kurfürstentum und 1806 zum Großherzogtum erhoben wurde. Von 1806 bis zu ihrem Tod 1832 bewohnte Markgräfin Amalie von Baden, die Witwe des Erbprinzen Karl Ludwig, den Nordflügel der Bruchsaler Beletage.

Erinnerungen an den Fürstbischof im Schloss

In vielen Details der Ausstattung erinnert Schloss Bruchsal heute an diesen prägenden Fürstbischof. Die Veranstaltungen, die die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zum Gedenken an Franz Christoph von Hutten entwickelt haben, müssen wegen der Corona-Schließung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Bereits jetzt ist aber sicher: Wenn die Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten wieder öffnen, wird man Schloss Bruchsal auf den Spuren des Fürstbischofs erleben können.

Information
Aktuell ist das Schloss Bruchsal wie alle Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ebenso wie alle Kultureinrichtungen geschlossen.

www.schloss-bruchsal.de
www.schloesser-und-gaerten.de

 

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