makervsvirus
Landfunker RegioPortal | 01 - REGIO-NEWS | Aktuelle Meldungen | Region | #MakerVsVirus – Freiwillige überbrücken bundesweit Engpass an Schutz-Equipment

Region | #MakerVsVirus – Freiwillige überbrücken bundesweit Engpass an Schutz-Equipment

Bereits 19 x geteilt!
Bitte hilf uns, den Beitrag weiter zu verteilen. Danke!

31.03.2020| Lieferketten sind unterbrochen, doch die Nachfrage steigt täglich: Neben Atemschutzmasken und Schutzbrillen sind Faceshields (Gesichtsschilde) kaum lieferbar. In der Maker-Szene läuft mit 3D-Druckern, Lasercuttern und viel gemeinnützigem Engagement eine dezentrale Produktion für Gesichtsschilde an. Unter dem Slogan #MakerVsVirus haben sich innerhalb von vier Tagen mehr als 2.400 Freiwillige zusammengetan.

Am Abend des 24. März ruft das Hammertime Kassel, ein Makerspace/eine Offene Werkstatt, zu einer bundesweiten Aktion auf. Sie suchen Freiwillige, die Produktionskapazitäten für die Herstellung von Faceshields haben. Im gesamten deutschsprachigen Raum ist die Resonanz enorm. Innerhalb weniger Tage hat sich ein Maker-Schwarm von 2.000 Unterstützern gefunden. Die Faceshields werden kostenlos oder kostendeckend angeboten, um Spenden auf www.makervsvirus.org wird gebeten.

DIY-Produktion von Faceshields gegen die COVID-19-Pandemie

Ein Stapel montage- und gebrauchsfertiger
Faceshields.
Foto: MakerVsVirus.org

Dezentral fertigt der Maker-Schwarm in privaten Hobbykellern oder in Vereinen wie FabLabs und Makerspaces, wo mehrere dieser Geräte gemeinsam genutzt werden. Auch Schulprojekte, Universitäten und professionelle Dienstleister mit verfügbaren Kapazitäten schließen sich der Aktion an. Von kleinen Spulen wird Plastik im 3D-Drucker Schicht für Schicht für die Kopfteile aufgetragen. Folien werden in Lasercuttern und Schneideplottern, teilweise auch von Hand, geschnitten und zur Montage passend gelocht. Ein verteiltes Summen von Maschinen ist das Geräusch des Schwarms. Online-Kollaborationstools ermöglichen die zentrale Organisation, hier wird die Menge erst sichtbar.

Momentan fertigen die Maker bevorzugt Gesichtsschirme, die für medizinisches Personal dringend benötigt werden. Bestellungen von Kliniken, Hilfsverbänden und Arztpraxen laufen täglich auf, der Bedarf allein im medizinischen Bereich wird anhand bisheriger Zahlen auf mindestens 100.000 Faceshields geschätzt. Die Faceshields können Schutz gegen direkten Tröpfchenflug beim Anhusten oder -Niesen bieten und das versehentliche Anfassen des eigenen Gesichts verhindern. Die Anwender desinfizieren sie professionell vor Ort und können sie wiederverwenden.

Drohender Material-Engpass bei Kunststoff-Folien

Neben Kunststoffteilen aus dem 3D-Drucker sowie Gummibändern zur Fixierung werden für die Gesichtsschilde große Mengen an Plastikfolie benötigt. Absehbar ist bereits, dass die benötigten Kunststofffolien nicht überall ausreichend verfügbar sind. Dabei werden klare Folien (PET/PE) benötigt. In Druckereien, Werbetechnik-Unternehmen, Baumärkten sowie Verpackungsunternehmen sind solche Folien oftmals vorrätig. Hornbach hat über die Zentrale seine Unterstützung zugesagt, lokale Globus-Märkte bereits erste Rollen gespendet. Auch Laminierfolien, Einbanddeckel und andere Behelfslösungen sind bereits im Einsatz.

Maker-Bewegung weltweit im Einsatz gegen Corona

An Orten wie diesen produzieren die Maker
die Faceshields. Hier zu sehen: Halle1, der
MakerSpace der Westfälischen Hochschule
Foto: MakerVsVirus.org

Die nötigen Vorlagen für diese Faceshields stehen dank einer weltweit aktiven Gemeinschaft von Makern zur Verfügung. In Italien werden bereits Schnorchelmasken per 3D-gedruckten Adaptern zu Beatmungsmasken. Weitergehende Projekte für zusätzliche Möglichkeiten der Community, zu helfen, sind in Arbeit. Die Bemühungen in ganz Europa hat man in Deutschland gesehen und schnell auch hier eine zentrale Organisationsstruktur aufgebaut. Für das schnelle Wachstum der ehrenamtlich betriebenen Community funktioniert diese bereits sehr gut.

Hubs, lokale Zusammenschlüsse, übernehmen die Organisation vor Ort, die von der Zentrale koordiniert wird. Anleitungen, Vorlagen für Beipackzettel und gegenseitiges Aushelfen mit vorhandenem Material funktionieren weitestgehend selbstorganisiert.

Flexible, schnelle Nothilfe aus der Makerszene

MakerVsVirus.org baut eine ehrenamtliche Koordination zwischen diesen Produktionskapazitäten und möglichen Lieferanten/Sponsoren auf. Zur Dauerlösung soll die unkomplizierte Schnellhilfe von #MakerVsVirus nicht werden. Dominik Hense vom Hammertime Kassel, der in der Zentrale die Fäden zusammenhält: „ Die Initiative möchte flexibel und schlagkräftig auf kommende Herausforderungen reagieren, bis kommerzielle Anbieter den Bedarf an größeren Mengen decken können. Bis dahin werden sicherlich andere Teile wie Adapter oder Ventile für Beatmungsgeräte gebraucht, die in Italien bereits zu Hunderten eingesetzt werden. Wir sehen uns hier als eine flexible, dezentrale Taskforce.“

Auch ist man mit weiteren Initiativen im Gespräch und bündelt bereits aktiv Kräfte für das gemeinsame Ziel: Die Corona-Pandemie so gut wie irgend möglich überstehen und in letzter Konsequenz Leben retten. Trotz der durchweg sehr guten Qualität kann die Initiative keine Haftung übernehmen. Doch Klinikleitungen, DRK-Landesverbände und vor allem das Personal selbst winken bei der Haftungsfrage angesichts der Ausnahmesituation ab. Von Kliniken und Praxen, die die ersten Lieferungen bereits einsetzen, kommt einstimmiges Feedback: Ein vorhandenes Gesichtsschild ist wichtig, das überschaubare Risiko geht das Personal gerne ein. Wo möglich, ist die Kombination mit Atemschutz und Schutzbrillen der Status Quo. Die Faceshields zählen rechtlich als persönliche Schutzausrüstung und nicht als Medizinartikel, die Nutzung erfolgt nach eigenem Ermessen.

Weitere Informationen & Direkter Kontakt:
Für alle, die produzieren oder bei der Organisation helfen möchten
Für interessierte Abnehmer
Für Geldspenden
www.makervsvirus.org

Presseinformation von #MakerVsVirus

Haben Sie Tipps?
Möchten Sie kommentieren?

Hier geht es zum Kommentarfeld >>>

 

Siehe auch

Posaune Musik

CORONA | Allabendliche “Kleine Balkonmusik” – und das seit 9 1/2 Wochen!

23.5. | Es gibt sie, die wunderbaren Geschichten von der Idee, dass Zusammenhalt die bessere …