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Region | Die Abiturprüfung 2020: Eine Odyssee

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30.03.2020 | Nach den Osterferien sollte es los gehen: Rund 30.000 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg haben sich in den letzten Wochen intensiv mit Goethes Faust, der Stochastik oder Ovids Metamorphosen beschäftigt. Und jetzt? Die Corona-Krise verlangt uns viel ab, das ist klar. Doch was bislang nicht klar war: Wie steht es jetzt um die Abiturprüfungen? Eine bundesweite Lösung scheint nicht in Frage zu kommen. 

Am Mittwochmittag der vergangenen Woche rangen die Kultus- und BildungsministerInnen per Telefonkonferenz um eine passende Lösung für die jeweiligen Bundesländer. Bis dato flammten in den Medien und Münder der Menschen immer wieder die unterschiedlichsten Theorien über den weiteren Verlauf der lang ersehnten Abschlüsse auf: Durchschnittsabi? Oder auch “Anerkennungsabitur”, bei dem das letzte Drittel der Abschlussnote quasi aus den vorigen Klausurergebnissen der relevanten Prüfungsfächer berechnet wird, ein Durchschnitt ohne eine separate Prüfung. Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands sieht eine Abiturprüfung im “traditionellen Sinne” nicht als zwingend notwendig und hält ein Abitur ohne Prüfung nicht für ausgeschlossen.

Doch das soll hier in Baden-Württemberg nicht in Frage kommen. Für Kultusministerin Susanne Eisenmann und Kollegen steht fest: Das traditionelle Abi wird stattfinden. Ganz klassisch im Klassenzimmer mit allem was dazu eben gehört. Dass die Prüfungen statt finden, steht nun erstmal fest nach Mittwoch. Eine Absage steht also zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Debatte, doch bezüglich Schleswig-Holstein hatte sich  Anfang der Woche die Kieler Bildungsministerin Karin Prien (CDU) gemeldet und angekündigt, aufgrund der Corona-Krise alle Schulabschlussprüfungen abzusagen. Das wurde zunächst scharf kritisiert, nun findet also auch in Schleswig-Holstein ab dem 21. April statt.

In Hessen und Rheinland-Pfalz laufen die Prüfungen bereits auf Hochtouren. “Hochtouren” auch im Sinne extrem verschärfter Hygieneauflagen, die streng kontrolliert werden. Blickt man einmal auf einen Überblick der Prüfungstermine, lässt sich schnell erkennen, das mal wieder jeder das macht, was er will: Das eine Bundesland verschiebt um einen Monat oder noch länger, beim anderen bleibt alles beim Alten. Wie soll man da noch durchblicken? Diese Frage stellen sich wohl nicht nur Schüler und Eltern, sondern auch mittlerweile die Lehrer. Diese offenen Fragen können langfristig für Unsicherheit bei all den betroffenen Personen, also angefangen beim Schüler und aufgehört bein Direktoren und Direktorinnen.

Situation hier in Bruchsal und Umgebung

Gut, dass in Baden-Württemberg nun die Prüfungen am 18. Mai starten, und so die anfangs eingebrachten Vorschläge nun auch verwirklicht werden. Oder?
Sowohl das Justus-Knecht-Gymnasium, als auch das Paulusheim sind, wie 376 weitere allgemeinbildende Gymnasien von dieser Entscheidung betroffen.

Wir haben nachgehakt, zwei planmäßige Abiturientinnen waren bereit ein kurzes Statement abzugeben und vom Stimmungsbild der jeweiligen Bruchsaler Gymnasien zu erzählen: Durch die Schulschließungen beeinträchtigt sehen sich die beiden Abiturientinnen zunächst nicht, man habe nun immerhin vier Wochen länger Zeit sich nochmals an bereits Gelerntes zu setzen und das intensiv, wenn auch mehr oder weniger eigenständig, zu wiederholen. Das komme ihnen entgegen, da neben den prüfungsrelevanten Fächern auch noch Leistungsnachweise in den Nebenfächern ausstehen würden.
Jedoch steht für die Zeit nach den Osterferien immer noch nicht fest, was die Schüler und Schülerinnen dann erwarten wird: Unterricht zum Wiederholen? Unterricht nach Stundenplan? Klausuren für die letzten Leistungsnachweise?

Außerdem problematisch sehen die Betroffenen besonders die Zeit nach dem Abitur. Die Ruhe nach dem Sturm genießen meist nur die Verschonten, heißt es. Doch von den Auswirkungen und der dynamischen Entwicklung der Pandemie bleibt niemand so richtig verschont: Was mit Abiball, Abistreich und Co. geschieht, steht wie vieles Andere noch in den Sternen, da natürlich auch die mündlichen Prüfungen zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden sollen, deshalb werden solche Events wohl oder übel ausfallen müssen, befürchten die Schülerinnen. Events auf die man sich doch irgendwie sein ganzes Schulleben gefreut hat, oder?
So richtig zufrieden scheint also niemand, es jedem recht machen zu können, ist aber bekanntlich auch ein Idealbild der Utopie.

Ausbildung, Studium 2020?

Diese Verschiebung betrifft aber nicht nur den spaßigen Part des lang ersehnten Schulabschlusses, sondern auch den “Puffer” zwischen abgeschlossenem Abitur und der geplanten Berufsausbildung oder dem Studium. Dieser verengt sich natürlich auch mit den vertagten Klausuren. Das Bildungsministerium Baden-Württemberg hat diesen möglichen Engpass aber auch im Blick: Gemeinsam mit den anderen Kultusministern wurde sich im Rahmen der Kultusministerkonferenz darüber verständigt, dass auch mit dem neuen Zeitplan für die Abschlussprüfungen eine termingerechte Bewerbung für bundesweit oder örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge möglich ist, dasselbe gilt für den Zugang zur Berufsausbildung. Die Ministerin ist sich im Klaren, dass dieser ganze Trubel für viele, noch offene Fragen sorgt.
Der Plan der Prüfungen müsse also in den einzelnen Fächern noch konkret ausgearbeitet werden, um geeignete Lösungen zu finden, im Übrigen auch für die anstehenden Korrekturverfahren.

Für all diese offenen Fragen will das Kultusministerium in den nächsten Wochen versuchen, eine Antwort zu finden und sucht mit Feuereifer nach Lösungen, die (möglichst alle) einigermaßen zufrieden stellen. Fest steht: Die Abiturientinnen und Abiturienten dürfen sich weiter auf den Hosenboden setzen und ordentlich büffeln, denn das Abi 2020 wird kommen.

Hannah Maria Müller 

Kommentar von iwi:
Es ist gut, dass das Abi in BW stattfindet und nun auch der Termin fest steht. Das ist eine klare Ansage, besonders auch für die Abiturienten, für die der Abschluss dieses Lebensabschnitts nicht ohne diese Etappe beendet werden sollte. Mit einem Ziel vor den Augen ist die Motivation auch wieder da. Das spricht dafür, praktikable Lösungen umzusetzen und sehr bald bekannt zu geben, wie es nach Ostern für die Abiturienten weiter geht. Dafür muss man eine Vorstellung entwickeln, und sei eis eine digitale! Die Abiturienten sollten keine Zeit verschenken.

 

Ich hätte für eine einheitliche Lösung plädiert, damit wäre auch die nachfolgende Etappe der Bewerbungsfristen klarer abgegrenzt, auch für unsere jungen Leute. Der sehr gut recherchierte Artikel schließt auch das ein, was “danach” kommt und woran noch gedacht werden muss. Es wird ohnehin eine Herausforderung, aus der “Corona”-Phase in die Normalität überzugehen, möglicherweise u.a. mit stark eingeschränkter Sommerpause in den Hochschul- und Berufsschulen, damit auch die Bewerbungen in einem kürzeren Zeitraum entsprechend bearbeitet werden können.

 

Dennoch oder trotzdem: Ich bin sicher, dass alles zu bewältigen ist. Und den Abiturienten wünsche ich ganz viel Erfolg und dann auch den verdienten Abiball und -streich, ihr seid doch voller neuer Ideen, stimmt’s.

 

Ihre Meinung ist gefragt: Was halten Sie von den Regelungen zum “Abi 2020” des baden-württembergischen Kultusministeriums? Und wie stehen Sie zur Gesamtsituation in Deutschland: Eine einheitliche Lösung oder jeder kocht seine eigene Suppe?
Schreiben Sie uns!

 

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EIN KOMMENTAR

  1. Danke für den wertvollen Post! Lesenswert Blog.