Foto: Wolfgang Braunecker

Östringen | Verschleppt und getötet im Zeichen des Rassenwahns – Mahnmal zur Judendeportation wirkt dem Vergessen entgegen

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27.10.2021 | Am 22. Oktober 1940 ließ das Terrorregime der Nationalsozialisten fast die gesamte jüdische Bevölkerung von Baden und der Saarpfalz in das Internierungslager Gurs in Südwestfrankreich verschleppen.

Bei der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion, benannt nach den verantwortlichen Gauleitern Robert Wagner und Julius Bürckel, sollte die Großregion „judenfrei“ gemacht werden und wurden insgesamt rund 6.500 Männer, Frauen und Kinder ihrer Freiheit und ihrer Existenzgrundlage beraubt. Sehr viele von Ihnen fanden im Lager Gurs oder später nach dem Weitertransport in eines der Konzentrations- und Vernichtungslager im Osten den Tod. Mit Ludwig Wolf und Amalie Wolf aus Östringen sowie Isidor Odenheimer, Marie Odenheimer, Julius Odenheimer und Hermann Mannheimer aus Odenheim waren von diesem besonders perfiden Ausdruck des nationalsozialistischen Rassenwahns auch sechs Menschen aus dem Gebiet der heutigen Stadt Östringen betroffen.

Am 81. Jahrestag der Deportation legte Bürgermeisterstellvertreterin Ursula Neckermann nun zur Erinnerung an diesen barbarischen Akt am Mahnmal bei der Gustav-Wolf-Galerie ein Blumengebinde nieder.

Das Östringer Mahnmal in Gestalt eines stilisierten Bahnwaggons als Sinnbild für die Deportation war 2015 als Projektarbeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Geschichtskurses des Leibniz-Gymnasiums entstanden und anlässlich des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs der Öffentlichkeit vorgestellt worden.
Im November 2015 wurde ein „Zwillingsstein“ an der zentralen Gedenkstätte zur Erinnerung an die Verfolgung badischer Juden in Neckarzimmern aufgestellt.

Für die aus Östringen verschleppten Menschen war Gurs nur eine Zwischenstation auf ihrer leidvollen Reise in den Tod. Ludwig und Amalie Wolf kamen im August 1942 im Vernichtungslager Auschwitz ums Leben. Auch die drei jüdischen Männer aus Odenheim überlebten den grausamen Terror der Faschisten nicht, als letzter von ihnen fand Julius Odenheimer 61-jährig 1942 in Auschwitz den Tod. Marie Odenheimer hingegen war unter den wenigen, denen die Flucht gelang – sie konnte in die Vereinigten Staaten emigrieren und lebte bis 1971 in Portland/Oregon.

(Text und Foto: Wolfgang Braunecker)

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