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Foto: Braunecker

Östringen | Gute Perspektiven für den Einsatz von Erdwärme

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09.08.2021 | Dem Östringer Gemeinderat wurde in seiner letzten öffentlichen Sitzung vor der Sommerpause der Abschlussbericht über die Untersuchungen zu einem energetischen Quartierskonzept für das Wohngebiet Dinkelberg erläutert. Die Expertise richtet den Blick sowohl auf die am westlichen Stadtrand projektierte Neubauzone Dinkelberg IV wie auch auf das dazu unmittelbar benachbarte vorhandene Wohngebiet, letzteres mit insgesamt 139 Gebäuden.

Das Gutachten war vom Stadtparlament im Juni 2020 mit der Zielsetzung in Auftrag gegeben worden, über die jeden Bauherrn oder Gebäudeeigentümer ohnehin treffenden Verpflichtungen hinaus die weitergehenden Optionen für eine nachhaltige Energieversorgung aufzuzeigen. Mit der Erhebung und der Analyse der erforderlichen Daten hatte die Stadt die EnBW AG sowie die DSK GmbH beauftragt, eine bundesweit tätige Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mit dementsprechendem wohnungswirtschaftlichem Fachwissen.

In Bezug auf das Neubaugebiet, mit dessen Erschließung 2022 begonnen werden soll, wurde ergänzend zum Einsatz von Photovoltaik die Nutzung von Abwasserwärme beziehungsweise von Erdwärmesonden näher untersucht. Für die Erschließung von Abwasserwärme wurde nun wegen des vergleichsweise langen Leitungswegs vom Hauptsammler der örtlichen Kanalisation bis zum Neubaugebiet sowie wegen der durchaus aufwendigen Wartung und Unterhaltung der erforderlichen  technische Installationen eine eher geringe Wirtschaftlichkeit prognostiziert.

Demgegenüber ergaben sich für den Einsatz von Erdwärmesonden zumindest im südlichen Teil des neuen Baugebiets Dinkelberg IV, in dem Mehrfamilienhäuser und Geschosswohnungsbau vorgesehen sind, deutlich günstigere Perspektiven. Wie sich dort bei den bis in eine Tiefe von 100 Metern abgeteuften Probebohrungen mit Hilfe sogenannter Wärmeentzugstests zeigte, könnte mit Hilfe geothermischer Energie eine langfristige und wirtschaftlich nachhaltige Quartiersversorgung gewährleistet werden.

In der Feinbetrachtung wurden dabei von den Experten der EnBW AG drei Modelle näher untersucht, und zwar erstens ein „kaltes Nahwärmenetz“ mit dezentralen Wärmepumpen und der Verwendung von Erdwärmesonden, zweitens ein „heißes Nahwärmenetz“ unter Einsatz eines Blockheizkraftwerks sowie drittens die Zusammenschau individueller Eigenlösungen für jede Liegenschaft unter Beachtung der Vorgaben des 2020 in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetzes. Bei allen Varianten wurde zudem unterstellt, dass 70 Prozent der dafür geeigneten Dachflächen der neu entstehenden Gebäude mit Photovoltaikmodulen belegt werden. Bei der Gemeinderatssitzung wurde

nun informiert, dass die Variante mit Erdwärmesonden, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen in Verbindung mit einem sogenannten „Mieterstrommodell“, bei dem lokal erzeugter Strom grundsätzlich auch lokal verbraucht wird, eine Reihe von Vorteilen böte. So wäre die Versorgungssicherheit des Systems dank der robusten Erdwärmesonden über lange Zeiträume gewährleistet,  ergäben sich die geringsten durchschnittlichen monatlichen Kosten pro Wohneinheit und würde der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid im Gebiet pro Jahr um 260 Tonnen reduziert. Bei der Projektstudie wurde in Zusammenhang mit dieser Variante davon ausgegangen, dass in der Neubauzone zwei Erdsondenfelder mit insgesamt 56 Einzelsonden angelegt werden.

Im vorhandenen Bestand der Wohnbauzone Dinkelberg wurden bei den Untersuchungen für ein energetisches Quartierskonzept die verfügbaren Gebäudedaten analysiert und wurde das diesbezügliche Optimierungspotential ermittelt. 29 Hauseigentümer machten von dem Angebot Gebrauch, mit Hilfe einer Thermografieaufnahme die energetischen „Schwachstellen“ ihrer Immobilie zu identifizieren. In ihrem Fazit zur Bestandsuntersuchung hielten die Gutachter jetzt fest, dass mit dem Einsatz erneuerbarer Energieformen sowie einer sukzessiven Sanierung der Gebäude beziehungsweise der Ersetzung von Altanlagen sowohl der Energieverbrauch wie auch der Ausstoß von Kohlendioxid nachhaltig gesenkt werden könnten.

Im Gemeinderat bestand nun Einvernehmen, die Überlegungen zu einem energetischen Quartierskonzept zumindest für den südlichen Teil des Neubaugebiets Dinkelberg IV weiter zu vertiefen. Im nördlichen und von Ein- oder Zweifamilienhäusern geprägten Teilabschnitt des Baugebiets ist eine Umsetzung des Quartierskonzepts wegen der vergleichsweise geringen Resonanz bei den Eigentümern der Baugrundstücke und wegen des deutlich höheren Aufwands für die Verlegung von Nahwärmeleitungen gegenwärtig nicht wirtschaftlich darstellbar.

In die Ausarbeitung des Quartierskonzepts investierte die Stadt jetzt rund 250.000 Euro; über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fließen dafür Fördermittel des Bundes von rund 156.000 Euro nach Östringen. Die restlichen Kosten der Studie können bei erfolgreichem Abschluss des Projekts größtenteils über das Baugebiet finanziert werden.

Für weitere Detailinformationen zum Energetischen Quartierskonzept Dinkelberg ist auf der städtischen Website www.oestringen.de im Ratsinformationssystem die zu diesem Thema bei der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats am 20. Juli 2021 verwendete Präsentation verfügbar.

 

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