Smartshopper –
über Zaungäste und andere Schlaules
Aus der Reihe: NO COMMENT!
Mit Interesse habe ich die Damen in der Rundschau gesehen, die sich als Zaungäste bei einem Konzert im Schlossgarten präsentiert haben. Vor der Tür!
Fast stolz darauf, dass sie außerhalb des Veranstaltungsgeländes, vor dem Zaun, ihre private Feier gemacht haben. Zum Klang der Künstler im Schlossgarten (ohne die das Zaunerlebnis ja eher langweilig wäre). Man könne dann gehen, wenn es nicht gefällt oder wenn es regnet. Das spare eine Menge Geld und man habe trotz Entfernung und selbst ohne Bühnenblick ein Live-Erlebnis.
Find’ ich toll …
… das mache ich jetzt auch und rufe alle auf, es ebenso zu tun.
Drinnen präsentiert der Veranstalter einen Künstler, karrt umfangreiche Technik an, baut eine Bühne, baut Absperrungen, schafft Toiletten herbei, Personal für die Sicherheit, ganz zu schweigen von den aktuellen Sicherheitsvorkehrungen. Natürlich alle Versicherungen, die man sich denken kann und die allesamt Geld kosten.
Hinzu kommt – für die Versorgung im Falle von Verletzungen oder Vorkommnissen – das Rote Kreuz oder andere Gesundheitsdienste und natürlich unzählige Helfer am Toilettenwagen und bei der Ticketausgabe. Im Vorfeld wird geplant und danach abgebaut. Mit schweren Fahrzeugen und vielen Menschen.
Wenn es regnet, bleibt die Kasse leer, die Helfer ohne Lohn und die Künstler ohne Publikum. Die Miete für den Schlossbereich fällt an; mit oder ohne Veranstaltung. Auch für die Werbung. Plakate, Anzeigen. Personal, Logistik, Aufbau, alles! Ein riesiges Open Air Risiko.
Ich verstehe gut, wenn die Kosten für so ein Konzert jemandem zu hoch sind. Aber der Veranstalter kalkuliert ja und muss all das Vorgenannte in seine Kalkulation einfließen lassen. Wenn es super läuft, hat er etwas verdient; wenn es schlecht läuft, schaut er in die berühmte Röhre.
Zurück auf Anfang. Bleiben die schlauen Smartshopper doch alle draußen, pinkeln in die Büsche, bringen ihr Essen mit – gehen, wenn es nicht gefällt oder wenn es regnet. Setzen wir uns doch alle gemütlich auf den Gehweg (wo es dann eng wird), bringen am besten Sonnen- und Regenschirme mit und lauschen der tollen Stimmung, die dann künftig aus dem leeren Schlosspark herausströmt zu uns Zaungästen an den lauschigen Plätzen – ohne Blick aufs Schloss, ohne Blick zur Bühne, ohne Super-Sound und ohne Notfallversorgung, wenn jemand vom Hocker fällt.
Es erinnert mich daran, als wir monatelang geackert und am Ende gefiebert haben, dass das Wetter hält, um beim legendären Bruchsaler Sommer viele Gäste begrüßen zu können. Und zwar die drinnen, die Eintritt bezahlt hatten, damit es einen nächsten Bruchsaler Sommer geben kann.
Und genauso ist es mit allen, die ein tolles Angebot machen und leider absperren müssen, damit nicht alle einfach für lau reingehen und mitnehmen, was nichts kostet.
Schade …
… wenn es vor lauter Zaungästen keine Veranstaltung mehr gibt. Aber smart shoppen ist ja clever. Es ist die Fortführung von Geiz ist geil. Beratung beim Fachgeschäft, kaufen im Internet. Zuhören vor dem Zaun, zahlen tun die andern.
U. Konrad
Nach Kommentar Liegestuhl mit Handtuch vor den Zaun stellen und Bier kühlen.











