Die Kühltürme des Kernkraftwerks Philippsburg, gesehen und festgehalten von © Gerhard Barth, Stutensee

Nach dem Aus in Philippsburg | Kommt nun Kernkraftstrom aus Frankreich und Kohlestrom aus Polen?

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Karlsruhe/Philippsburg | 27.12.2019 | Baden-Württemberg sei laut einer Studie der grün-schwarzen Landesregierung in den kommenden Jahren massiv auf Strom durch Kernenergie aus Frankreich und polnische Kohlekraftwerksstrom angewiesen, so MdB Christian Jung (FDP).

Dies habe sich laut einer Studie der grün-schwarzen Landesregierung herausgestellt, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung zur endgültigen Abschaltung des Blockes 2 des Kernkraftwerks Philippsburg heute in Karlsruhe.

“So habe ich mir die sogenannte ,Energiewende’ nicht vorgestellt.”

“Es war immer unklug, gleichzeitig in Deutschland aus der Kernenergie und der Kohlekraft auszusteigen. Wenn nun der Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg zum Jahresende 2019 für immer abgeschaltet wird, ist Baden-Württemberg in den kommenden Jahren massiv auf Kernkraft aus Frankreich und Strom aus polnischen Kohlekraftwerken bei der Versorgungssicherheit angewiesen. Das hat jüngst eine Studie im Auftrag der grün-schwarzen Landesregierung herausgestellt. So habe ich mir die sogenannte ,Energiewende’ nicht vorgestellt.”

Anm. d. Redaktion (28.12.19):

Aufgrund der hohen Nachfrage stellen wir hier einen Auszug aus dem Fazit der genannten Studie ein. Die gesamte Studie können Sie unter diesem Link (pdf) downloaden:

… Ergänzend kann mit der statischen Leistungsbilanz geschlussfolgert werden, dass Süddeutschland bei einer autarken Betrachtung bereits heute ein Bilanzdefizit von 9,1 GW (ohne Berücksichtigung von Kapazitäts- und Netzreserven) aufweist und auf Stromimporte aus Norddeutschland und ggf. den Nachbarländern bzw. die Kapazitätsreserve angewiesen ist.

Ab 2019 werden sowohl Süddeutschland als auch Gesamtdeutschland bei einer autarken Betrachtung von der Sicherheitsbereitschaft von 2,7 GW und der Kapazitätsreserve von 2 GW oder im Gesamtverbund von Importen aus dem benachbarten Ausland abhängig sein.

Mit Hilfe der Netzreserve in heutiger Höhe kann die eigenständige Versorgung beider Regionen bis 2022 verlängert werden. Ein Einsatz der Netzreserve wäre bereits ein Jahr früher, in 2019 notwendig, sollte die Kapazitätsreserve mit Verzögerung zur Verfügung stehen.

Der beschleunigte Kohleausstieg verschärft die Bilanzdefizite für beide Regionen, die für diesen Fall im Jahr 2025 in Süddeutschland eine Höhe von 16 GW und in Gesamtdeutschland eine Höhe von 17,9 GW erreichen werden. Für den Gesamtverbund aus Deutschland und den Nachbarländern (inklusive Schweden, Norwegen und Italien) besteht keine Gefahr einer Unterdeckung bis 2025.

Die Bilanzüberschüsse sinken allerdingst stark ab und erhöhen somit das Risiko, dass sich aus unvorhergesehenen Ereignissen kritische Situationen entwickeln können, weil die Reaktionsfähigkeit des Systems gegenüber der heutigen Situation mit Überkapazitäten abnimmt. …

Quelle: Versorgungssicherheit in Süddeutschland bis 2025 – sichere Nachfragedeckung auch in Extremsituationen? Seite 41, Universität Stuttgart, IER und IFK, Deutsches Zentrum für Luft-und Raumfahrt e. V.

Evtl. auch interessant, Interview mit Bürgermeister Stefan Martus vor einem Jahr:

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Siehe auch

Symbolbild_Waldbrand_Feuer_ss100142357

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